3-Länder-Radweg

Unterwegs im Dreiländereck Hessen, Baden-Württemberg und Bayern: Der 3-Länder-Radweg

Die Werbung hatte mal wieder Schuld. Oder vielmehr eine als Story getarnte Werbung. Drei Radler radeln Teile der „Tour of Ara“, einem 700 Kilometer Radrennen über Schotterstraßen in Süd-Afrika. Die Räder: Rennräder mit breiten Reifen, bepackt mit leichtem Gepäck, das an der Sattelstütze und am Lenker befestigt ist. Keine Packtaschen, kein schweres Gepäcksystem. Meine Tour über den 3-Länder-Radweg hatte zugegebener Maßen nur wenig mit der Tour of Ara gemein, aber ein bisschen schon: 1. Am ersten Tag war es sehr heiß. 2. Der Anteil an Schotter- bzw. Forstwegen lag bei ca. 50 Prozent. 3. An meinem Crosser (mit nicht ganz so breiten Reifen bestückt) war das gleiche Saddle Pack befestigt. Ich fühlte mich also ziemlich verwegen, als ich mich an einem späten Freitagnachmittag auf den Sattle schwang und auf den Weg nach Neckargemünd machte.

Der 3-Länder-Radweg mit meinem Abstecher nach Neckargemünd
Der 3-Länder-Radweg mit meinem Abstecher nach Neckargemünd

Neckargemünd liegt eigentlich nicht direkt am 3-Länder-Radweg, aber dort hatte ich ein Zimmer in einem hübschen kleinen Hotel gebucht, und auf ein paar Kilometer mehr kam es ja nicht an. Denn der 3-Länder-Radweg, der durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern führt, umfasst gut 220 Kilometer und ca. 2000 Höhenmeter im Anstieg. Von Hirschorn aus wollte ich mir daher diesen kleinen zusätzlichen Abstecher gönnen.

Der erste Tag: Von Höchst nach Neckargemünd

Ich starte in Höchst im Odenwald und radle eine mir bereits bekannte Strecke Richtung Erbach. Viel los ist nicht. Es sind über 30° C, es läuft gerade ein EM-Fußballspiel im Fernsehen, und so komme ich auf asphaltierter Strecke gut voran. Hinter Erbach geht es eine schmale Landstraße nach oben, die immer schmaler und schmaler wird und schließlich an einem Schotterweg endet. Für Rennräder, so hatte ich mich vorab schlau gemacht, ist der 3-Länder-Radweg nicht geeignet. Wie anfangs erwähnt: Gut 50 Prozent unasphaltierte Wege würden auch mit 25mm Reifen nicht wirklich Freude machen. Mit 33mm sieht die Sache aber schon anders aus, und so kann ich (ein bisschen Tour-of-Ara-Feeling im Kopf und in den Beinen) über den Schotter brettern und eine leichte Staubwolke hinter mir herziehen. Es geht in einen Wald, vorbei an Windrädern, es ist hügelig, ich begegne für gut eine Stunde niemandem – keinem Radfahrer, keinem Spaziergänger, nicht mal der Förster lässt sich blicken.

Gerade noch rechtzeitig

Es geht raus aus dem Wald, raus in die Sonne. Meine beiden Trinkflasche sind fast leer. Ich bin jetzt kurz vor Beerfelden. Keine Tankstelle in Sicht. In einem Garten vor einem großzügigen Einfamilienhaus springt eine Horde Kinder durch den Rasensprenger, während die Mütter in sicherer Entfernung sitzen und sich unterhalten. Freundlich werden mir die Flaschen gefüllt – ja, Leitungswasser ist vollkommen okay –, ich schmiere mich noch mal dick mit Sonnencreme ein, dann geht es rasch weiter. Denn ich komme langsamer voran als geplant, und die Hotelrezeption schließt um 20 Uhr. Es geht wieder in den Wald hinein und dann endlos downhill über Forstwege. Ich bin gut durchgeschüttelt, als ich schließlich in Hirschhorn ankomme. Ich schaue auf die Uhr. Es ist bereits kurz nach 19 Uhr. Meinen Plan, idyllisch am Neckar entlang zu rollen, verwerfe ich kurzerhand. Stattdessen: Kilometerfressen auf der Bundesstraße. Um 19:45 Uhr stehe ich an der Rezeption, fünf Minuten später unter der Dusche. Um 20:10 Uhr trinke ich ein Bier und warte auf die Pasta.

Höhenprofil des 3-Länder-Radwegs
Höhenprofil des ersten Tages

Der zweite Tag: Über den Neckar nach Mosbach, Miltenberg und Obernburg

Für den nächsten Tag hatte der Wetterbericht Starkregen, Gewitter, Hagel und weitere Katastrophen vorhergesagt. Und in der Nacht hatte es auch ordentlich geregnet. Aber am Morgen ist es trocken, als ich in Richtung Neckar rolle. Gestern war ich knapp 80 Kilometer geradelt. Heute soll die Strecke deutlich länger werden – aber auch einfacher zu fahren. Der erste Beweis hierfür: Mir kommen Tourenfahrer entgegen. Es geht entlang des Neckars über unebenen Asphalt, Schotter und hin und wieder ein kurzes Stück Landstraße. Es regnet noch immer nicht. Im Gegenteil: Der Himmel klart an einigen Stellen auf. Bei einem Bäcker kaufe ich Laugenstangen und zwei Wasserflaschen, die ich auf meiner Satteltasche festschnalle. Tankstellen liegen nur selten direkt an der Strecke, da kann ein bisschen Extra-Wasser nicht schaden.

Hinter Mosbach geht es erstmals wieder bergauf. Ein feiner Kiesweg führt in gemäßigter Steigung konstant nach oben. Vor Buchen mache ich meine geplante längere Pause. Schuhe aus, Laugenstangen ausgepackt. Es stinkt. Irgendwo muss ein Bauer Gülle auf die Felder gekippt haben. Nicht direkt nebendran, aber eben auch nicht weit weg. Merke: Erst riechen, dann pausieren.

Die letzten Kilometer im strömendem Regen

Es geht durch Buchen hindurch Richtung Walldürn. Ich bin froh, dass das Navi mich führt, denn der 3-Länder-Radweg ist nicht immer gut ausgeschildert. Oder übersehe ich einfach nur die Schilder? Ein paarmal verfahre ich mich auch, da das Garmin ohnehin die ganze Zeit der Meinung ist, dass ich von der Strecke abweiche. Importierte Strecken gehören nicht zu den Stärken des Geräts. Hinter Miltenberg, das ich aufgrund einer solchen Streckenabweichung zweimal anfahre, komme ich langsam wieder in vertraute Gegegenden. Ich nähere mich dem Main. Und einem Unwetter, das im Osten aufzieht. Die ersten Regentropfen fallen, als ich noch gut 20 Kilometer von zu Hause entfernt bin. So lohnt es sich wenigstens, dass ich die Regenjacke griffbereit auf der Packtasche festgezurrt habe. Im strömenden Regen fahre ich die letzten Kilometer auf dem 3-Länder-Radweg zurück nach Höchst im Odenwald.

Höhenprofil des zweiten Tages.
Höhenprofil des zweiten Tages.

Beim nächsten Mal: Den 3-Länder-Radweg an einem Tag

Knapp 170 Kilometer bin ich am zweiten Tag geradelt. Die Tour hat mir richtig viel Spaß gemacht. Das Saddle Pack hat sich mehr als bewährt. Es war während der Fahrt fast nicht spürbar und doch ging alles für einen Zweitagestrip hinein. Die Strecke des 3-Länder-Radweges ist sehr abwechslungsreich, zum Teil fordernd und nur ganz selten langweilig. Zeit für Kultur und Historisches habe ich mir auf meiner Fahrt nicht genommen, obwohl es in den zahlreichen kleinen Ortschaften, die man passiert, viel zu entdecken gibt. Mir ging es um den Sport, darum, möglichst rasch voranzukommen und dabei die Landschaft zu genießen.

Ob ich den 3-Länder-Radweg noch einmal fahren würde? Ja, aber dann an einem Tag und ohne Abstecher nach Neckargemünd. In gut zehn Stunden sollten die 220 Kilomter doch zu schaffen sein.

On the Road: Bilder vom 3-Länder-Radweg:

 

Geschrieben von: Bert

3-Länder-Radweg: Einmal Odenwald und zurück

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Rennrad
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