Wie ich bei Race Worx in Aschaffenburg zu meiner BMC Teammachine SLR01 kam.

Zugegeben: Am Anfang spielte ich mit Gedanken mir wieder ein Canyon zu bestellen. Warum? Ich bin bequem. Und eigentlich kaufe ich (fast) alles online. Und dann dieses oft beschworene Preis-Leistungsverhältnis, das bezogen auf die Bikes sicherlich sehr gut ist, das man sich als Kunde aber letztendlich doch teuer mit einem Kundenservice erkauft, der die Performance eines platten Hollandfahrrades hat. Den Gedanken an ein weiteres Canyon verwarf ich daher schnell, zumal mein Inflite von 2014 auch nicht so richtig passt – das Perfect Position System hat exakt eine ganze Rahmengröße zu klein berechnet, und der Vorbau dürfte auch zwei Zentimeter länger sein. Das merke ich nicht bei zwei Stunden, aber ab drei Stunden wird es unbequem. Aber welche Fahrradmarke sollte es dann sein? An eine BMC Teammachine SLR01 dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Auf Umwegen zur BMC Teammachine SLR01

Die Markenvielfalt im Rennradbereich überforderte mich. Testberichten in einschlägigen Fachzeitschriften schenkte ich nur wenig Glauben, da der Zusammenhang zur Schaltfrequenz von Anzeigen doch recht offensichtlich ist, wie Lars für einen Blog-Beitrag treffend recherchiert hat. Feststand, dass ich ein Rennrad im Fachhandel kaufen wollte, in dem vor dem Kauf über ein Bikefitting die passende Geometrie ermittelt wird. Ich entschied daher, zuerst nach passenden Fachhandelsgeschäften zu recherchieren und anschließend zu schauen, welche Marke dort zu haben waren. Der Weg zur BMC Teammachine SLR01 verlief also nicht gradlinig.

Kauf im Fachhandel – aber in welchem?

Websiten von Fahrradläden – ein Trauerspiel. Und Unternehmen, die keine richtige Website haben, kann ich nicht ernst nehmen. Sie müssen kein besonders kreatives Design haben, aber wenn ich mich schon ins Auto setze, möchte ich vorab wissen, wie der Laden so aussieht, wer da arbeitet, welche Marken sie im Programm haben, welche Leistungen sie anbieten, und ich möchte einen Eindruck davon bekommen, wie die Leute in dem Laden so ticken. Machen die ihr Ding mit Leidenschaft? Sind die selbst „sportlich“ unterwegs oder fahren lieber Elektrobike und verkaufen nur hin und wieder ein Rennrad? Vermutlich mache ich beruflich einfach schon zu lange (Online-)Marketing. Bei Race Worx in Aschaffenburg wurde ich schließlich fündig und machte einen Termin für ein Bikefitting zwecks Radkauf aus. An eine BMC Teammachine SLR01 dachte ich noch immer nicht, auch wenn ich mir die Marken von Race Worx natürlich vorab genauer auf den jeweiligen Hersteller-Websiten ansah. Eher an ein Scott oder ein Giant, die Race Worx ebenfalls im Programm haben. Aber mal schauen, was das Bikefitting ergab.

Bikefitting bei Race Worx in Aschaffenburg

Punkt 9:00 Uhr betrat ich zum vereinbarten Termin den Fahrradladen – ich habe es sehr mit Pünktlichkeit – und wurde von Michael, Mitinhaber und bei Race Worx für die Rennräder verantwortlich, in Empfang genommen. Bei einem Kaffee besprachen wir in lockerer Atmosphäre meine Anforderungen und Vorstellungen (Carbonrahmen, schön leicht, Flat is boring, Radmarathon), und ich beichtete auch von meinem Canyon. Dann ging es ans Bikefitting, also erstmal an meine Vermessung: Schritthöhe, Rumpflänge, Armlänge, Fußlänge, Schulterbreite. Das Ergebnis: Ich bin fast in der Norm. Ein bisschen sitzriesig, die Beine ein bisschen kürzer, was mein Oberkörper ein bisschen ausgleicht, die Arme ein bisschen zu kurz, der linke Fuß ein bisschen kürzer als der rechte. Also alles so ein bisschen daneben. Michael gab die Daten in den Computer ein und verglich sie mit den Rahmen der von Race Worx vertriebenen Marken. Das Ergebnis: Die BMC Teammachine SLR01 sollte es sein. Nein – das wäre zu einfach.
„Das Gallium Pro von Argon 18 – das passt am besten“, sagte Michael und deutete auf ein Diagramm mit einer Linie und ein paar Punkte, deren Zusammenhang er mir anschließend erläuterte.
Das Gallium Pro? Von Argon 18? Okay. Noch nie von gehört. Nach knapp zwei Stunden verließ ich nach eingehender Beratung und mit einem Angebot für ein Gallium Pro von Argon 18 und nicht für eine BMC Teammachine SLR01 Race Worx wieder.

Wenn die Markenbegeisterung ausbleibt

Zuhause wieder das Ding mit der Website, mit diesem (Online-)Marketing, meine Berufskrankheit. Denn die Website von Argon 18, die Markendarstellung machte mich so überhaupt nicht an. Alle Hersteller blubbern Marketingphrasen vor sich hin, aber das Geblubbere in den Produktvideos von Argon 18 war schwer auszuhalten. Die investieren in die Entwicklung der Räder und nicht ins Marketing, versuchte ich mir einzureden. Aber es half nichts: Eine Markenbegeisterung wollte sich nicht einstellen. Zudem hat der Rahmen deutlich rote Elemente, und auch die Farbe rot gefällt mir bei Rennrädern nicht, zumindest kein so grelles wie beim Gallium Pro. Eine Ducati darf rot sein, ein Ferrari. Bei Rennrädern stehe ich eher auf Understatement wie bei einer BMC Teammachine SLR01, aber soweit sind wir noch nicht.

Ein Rennrad muss Emotionen wecken

Ich schrieb eine E-Mail an Michael: Mit dem Argon18 würde ich einfach nicht warm werden. Ob sie nicht auch ein Scott, Giant oder BMC für mich passend machen könnten. Schließlich sei ich doch noch nur ein bisschen neben der Norm. Am nächsten Tag rief mich Michael zurück: Klar, auch die andere Marken gingen, mit kleineren Einbußen beim Handling, da ich dann einen etwas längeren Vorbau benötige. Das Gallium Pro wäre halt von der Geometrie am besten. Aber was hilft das, wenn die Marke nicht zu einem spricht? Wenn man in die Garage geht und denkt: Da steht das Fahrrad mit der für mich richtigen Geometrie. Klingt unsexy? Ja. Ich will denken: Da steht mein Rennrad und das ist verdammt noch mal ein geiles Teil.

BMC Teammachine SLR01 Ultegra in Grau-Weiß

Abends dann vor dem Laptop: Bike-Reviews (vorzugsweise von Blogs), Hersteller-Websites, obligatorische YouTube-Videos, Bike Porn. Emotional schoss ich mich langsam aber sicher auf die BMC Teammachine SLR01 ein. Mit Ultegra-Ausstattung aus Budget-Gründen, aber auch weil mir die Lackierung dieser Variante am besten gefiel. Dunkelgrau mit Weiß – viel mehr Understatement geht nicht. Was mich auch an BMC begeisterte – die machen nur Fahrräder, nicht anderes. Ich mag Marken, die sich auf eine Sache konzentrieren. Die verzetteln sich nicht, denke ich mir, machen die eine Sache, die sie machen, einfach richtig. Richtig gut. Scott macht noch einen Haufen anderen Kram. Aber das Addict 10 ist besser ausgestattet, fast komplett mit Dura-Ace. Wieder dieses Preis-Leistungs-Ding. Mal schauen, was Michael von Race Worx dazu sagt, denn mein Vertrauen hatte er gewonnen, da ich nicht das Gefühl hatte, dass er nur verkaufen will.

„Scheiß auf die Dura-Ace vom Scott“

Am nächsten Tag fuhr ich erneut nach Aschaffenburg. Michael hatte einen Gallium Pro Rahmen für einen anderen Kunden da. Anschauen wollte ich ihn mir zumindest, auch wenn schon jetzt klar war, dass ich kein Argon 18 kaufen würde. Es war früher Abend. Zwei andere Kunden holten gerade ihre Giant-Aero-Rennräder ab. Michael holte den Rahmen aus dem Lager. Eindrucksvoll leicht. Aber auch mit ziemlich viel rot.
„Schickes Teil“, sagte ich, „aber einfach nicht meine Marke. Hatte ja schon geschrieben. Tendiere zur BMC Teammachine SLR01 mit Ultegra oder zum Addict 10. Das Scott hat halt die bessere Ausstattung. Was meinst du?“
„Scheiß auf die Dura-Ace vom Scott“, sagte Michael. „Nimm die BMC Teammachine SLR01.“
„Der Rahmen?“, fragte ich.
Michael nickte. Und ich bestellte. Die BMC Teammachine SLR01 mit Ultegra-Ausstattung in Dunkelgrau-Weiß.

Ein echter Fahrbericht folgt

Ich kaufe alles online, von Lebensmitteln mal abgesehen. Manchmal glaube ich, dass unsere Postbotin mich verflucht. Aber ich bin froh, dass ich bei Race Worx meine BMC Teammachine SLR01 gekauft habe – ein super Fahrradladen für sportliche Räder, ob nun Rennrad oder Mountainbike.

Und wie fährt sich die BMC Teammachine SLR01 nun, die ich knapp zwei Wochen später fertig montiert und auf mich angepasst bei Race Worx abholen konnte? Das kann ich noch nicht so genau sagen. Denn einen Tag nach dem Kauf entschloss sich der frühlingshafte Herbst zu einem blöden Winter umzuschlagen. Es schneite. Es wurde nass. Es wurde glatt. Und ich leide, denn bislang bin ich nur auf der Straße ein paar Hundert Meter auf und ab gefahren. Diese haben sich sehr gut angefühlt, einfach wie ein Bike, das passt. Aber für ein Review ist es noch zu früh. Ich fürchte also, Ihr müsst hier demnächst noch einmal für den ersten Fahrbericht zur BMC Teammachine SLR01 vorbeischauen. Bis dahin gibt ich aber zumindest einen spektakulären Walkaround-Video (s.o) und ein paar Bilder:

Die Laufräder: DT Swiss R-23 Spline.
Meine BMC Teammachine SLR01, die ich bei Race Worx in Aschaffenburg gekauft habe.
Das SLR01 gehört zur Altitude Series.
Flat is boring: Das SLR01 gehört zur Altitude Series.
BMC Teammachine SLR01 2016
Der Rahmen der BMC Teammachine SLR01 wiegt gerade mal 790 Gramm.
Wie es hier steht, wiegt mein SLR01 inklusive Pedalen 7,4 Kilogramm.
Interne Kabelführung.
Interne Kabelführung: Die Kabel sind sauber im Rahmen verlegt. Bei Bedarf kann man auch auf elektronische Schaltung umstellen.
Lenker und Vorbau stammen von BMC.
Lenker und Vorbau stammen von BMC.
Komplette Ultegra-Ausstattung.
Komplette Ultegra-Ausstattung mit 52-36 Kurbelsatz und 11-28 Kassette. Die Laufräder: DT Swiss R-23 Spline. Sicherlich ein Punkt, den man noch optimieren könnte. Vielleicht im nächsten Jahr.
Der mit ACE-Technologie entwickelte Rahmen ist traumhaft schön verarbeitet.
Der mit ACE-Technologie entwickelte Rahmen ist traumhaft schön verarbeitet.

Der echte Fahrbericht

Mittlerweile hat die BMC Teammachine über 400 Kilometer auf dem Tacho, da ich zwischen den Jahren die Festive 500 gefahren bin. Ich bin begeistert – sowohl vom Bike selbst, als auch vom Bike-Fitting von Race Worx, also der Abstimmung auf meine Körpermaße, die ja so ein bisschen daneben sind. Selbst nach drei aufeinander folgenden Tagen im Sattel mit jeweils gut vier Stunden hatte ich keine Schmerzen im Rücken oder im Nacken, und auch mein linker Fuß ist mir nicht mehr eingeschlafen. Ich könnte jetzt noch irgend etwas über die Steifigkeit des Rahmens erzählen, aber davon habe ich ganz einfach keine Ahnung. Die BMC Teammachine SLR01 macht einfach Spaß. Woran das nun im Einzelnen liegt, ist mir ziemlich egal.

Geschrieben von: Bert

BMC Teammachine SLR01 – der Weg zum Traumbike

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: RennradTests
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4 Kommentare

  • Herzlichen Glückwunsch zum neuen Rad. Ich finde die Gänge übertrieben schwer – gerade für Berge. Kein Nicht-Sprinter fährt 52×11 aus. Am Berg fährt Contador 32×28. Wer weniger Watt pro Kilo aufbringt braucht wohl noch kleinere Gänge.

    • Hallo Max,
      vielen Dank für die Glückwünsche. Die Übersetzung ist knackiger als bei meinem Eddy Merckx mit 50/34, aber im Odenwald noch sehr gut fahrbar. Ob ich mit der Übersetzung in die Alpen fahren würde? Mal sehen, wenn die Oberschenkel bis dahin dick genug sein sollten…
      Viele Grüße
      Bert

  • Very nice quality video, there’s not much HQ ones of BMC on the web because of rarity.

  • Hallöchen.
    Bin auch gerade über deinen Blog „gestolpert“.
    Wenn auch etwas spät (über ein Jahr), habe ich deinen Bericht über das BMC gerne gelesen.
    Ein echt schickes Rad mit einem tollen Rahmenset.
    Hatte einen ähnlichen Fall mit meinem Canyon Ultimate.
    Damals wurde bei der Bestellung die Rad Größe „genau“ vom Programm auf der Canyon Homepage errechnet und mir dann teilmontiert zugeschickt.
    Leider war es zu groß und somit hatte ich 3Jahre lang auf längeren Touren Rückenprobleme.
    Nun habe ich mir (Anfang des Jahres) ein Stevens Ventoux-Rahmenset in meiner richtigen Größe beim Fachhändler gekauft und es mir exakt passend selbst aufgebaut.
    Alles top, alles passt, alles funktioniert tadellos…
    Auch ich suchte zuerst online nach Räder bei etlichen Herstellern, aber kein anderer Hersteller als Stevens hatte bei mir in der Wahl des Rades so viel Emotion ausgelöst wie der Rahmen des Ventoux.
    Ich hoffe du hast auch noch immer so viel Spaß mit deinem Rad.
    Ein Fachhändler ist nach meiner Erfahrung durch keinen Onlineshop ersetzbar.
    Viele Grüße von der Möhne,
    Michael

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