Eigentlich wollte ich mit meinem Hund nur laufen. Plötzlich machten wir Canicross.

Über Canicross wollte ich schon eine ganze Weile schreiben. Ein fertig gedrehter Videoclip wartet bereits seit einigen Wochen darauf, hier im Blog um ein paar erläuternde Zeilen ergänzt zu werden. Aber dann machte mir ein Stein einen Strich durch die Rechnung, der sich heimtückisch unter Blättern versteckt hat. Spongiosafraktur am Sprunggelenk und eine Bänderzerrung. Sechs Wochen Laufpause, in denen nicht nur ich, sondern auch Rocco unsere gemeinsamen Canicross-Läufe vermisst hat.

Richtig, mit einem Sprunggelenk schreibt man keine Blog-Beiträge, aber wenn ich nicht laufen kann, möchte ich mich auch auf dem Papier nicht damit beschäftigen. Das deprimiert mich. Jetzt ist die Verletzung langsam verheilt; noch fühlt sich das Gelenk ein wenig merkwürdig an, irgendwie schwammig, aber die ersten vorsichtigen Kilometer sind wieder gelaufen.

Canicross-Ausstattung: Zuggeschirr, Jöringleine, Hüftgurt

Eigentlich hatte ich nie vor, Canicross zu machen. Ich wollte einfach nur mit meinem Hund laufen. Dass ich hierfür ein Zuggeschirr für Rocco, einen dazugehörigen Hüftgurt für mich und eine Jöringleine (flexible Leine mit Rückdämpfer) gekauft habe, war aus Bequemlichkeit, da ich beim Laufen die Hände frei haben wollte.

Das Geschirr Rocco anzuziehen, war die ersten Male nicht ganz so einfach, denn einfach so hält ein junger Hund nicht still. Da steckte auf einmal der linke Vorderlauf da, wo der Kopf hindurch sollte, und wenn die Körperteile dann endlich in den richtigen Öffnungen waren, hatte sich das Geschirr komplett verdreht, und ich konnte von vorne anfangen. Das gemeinsame Laufen klappte hingegen sofort, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Rocco rannte los, die Jöringleine spannte, ich spurtete hinterher. Ich lächelte, glaube ich, die kompletten zwei Kilometer unseres ersten Laufs. Born to run.

Canicross mit Zuggeschirr
Erster Canicross-Lauf mit Rocco Anfang Oktober.
Nach dem ersten Lauf
Rocco und ich nach unserem ersten Lauf.

Ein irres Tempo, mit dem mich Rocco durch den Wald zieht

Es ist ein irres Tempo, das ich beim Canicross erreiche, auch wenn ich als Neuling und mit einem noch jungen Hund wohl eher langsam bin. Alleine laufe ich über meine Trails im Durchschnitt mit 5,10min/km. Mit Rocco bin ich fast eine Minute schneller, für unseren schnellsten Kilometer haben wir gerade einmal 3,20 Minuten gebraucht – über unebene Trails wohlbemerkt. Dabei sind es eher die langsameren Momente, die ich mit Rocco genieße. Auf unseren noch kurzen Strecken (für lange Läufe ist Rocco zu jung) baue ich ein oder zwei steile Steigungen ein. Ich steige die Hände auf den Oberschenkel nach oben, keuche, während Rocco entspannt schnuppernd vor mir nach oben trottet. Er zieht nicht. Ich bin ihm wohl zu schwer. Gut so. Oben angekommen machen wir eine Pause. Ich setze mich auf einen Baumstumpf, Rocco schnuppert und beobachtet aufmerksam, ob sich im Wald etwas bewegt.

Bereits zweimal sind wir Rehen begegnet, einmal sogar Wildschweinen. Rocco, der sonst einen ausgeprägten Jagdtrieb hat, ist einfach weiter über den vor uns liegenden Pfad gerannt. Beim Canicross ist Rocco in seinem Element, dafür werden German Trailhounds gezüchtet. Er ist im Arbeitsmodus, da verliert selbst Wild an Bedeutung.

Zukünftig werden wir langsamer unterwegs sein

Mittlerweile hält Rocco brav still, wenn ich ihm das Geschirr anziehe, in froher Erwartung der gemeinsamen Laufkilometer. Er hebt die Pfoten und lässt sie sich bereitwillig durch die Schlaufen ziehen. Schon wenn ich in Laufklamotten das Wohnzimmer betrete, kommt er mir schwanzwedelnd entgegen und kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht, wie ein Kind, das ungeduldig seiner Geburtstagsparty entgegenfiebert. Aber ich werde bei den nächsten Läufen mit ihm erst einmal langsam machen, ihn und mich bremsen. Und auch zukünftig werde ich das Tempo drosseln, denn schließlich soll er ein Hund für die langen Läufe werden und nicht für eine schnelle Canicross-Runde. Zudem verdanke ich die Bänderzerrung und die Spongiosafraktur einem Canicross-Lauf – da wird man vorsichtiger.

Geschrieben von: Bert

Canicross – mit dem Hund durch Wald und über Wiesen

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich sechs Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den UTMB, den Ultra-Trail du Mont-Blanc, der einmal um den höchsten Berg der Alpen führt.

Kategorie: Läufe
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6 Kommentare

  • Sehr coole Sache! Unser Hund liebt ja auch das Laufen mit mir – auch lange Distanzen – aber ich würde vergeblich darauf warten, dass sie vorlaufen und mich ziehen würde… Aber wir wissen längst, dass irgendwann ein zweiter Vierbeiner ins Haus muss, dann vielleicht einen typischen Läufer wie Du ihn hast!

    • Hi Dominik,
      Dank dir für dein Feedback. Ich bin sehr gespannt, wie sich das mit Rocco weiter entwickelt und wie es ist, mit ihm die langen Läufe zu machen. Kann es kaum abwarten, bis er alt genug ist.
      VG
      Bert

  • Cooler Bericht! Ich werde heute Abend auch das erste Mal mit meiner Hündin joggen. Mal schauen wie es läuft. 😉

  • Ich habe einen etwas lauffauleren Molosser, Joggen klappt bisher ganz gut aber mit dem Ziehen, das will geübt sein 🙂 Waren jetzt in einer Zughundeschule um Canicross, Bikejöring und Dogscooting mal auszutesten und jetzt heißt es üben, üben, üben 🙂 Meinen Erfahrungsbericht habe ich unter https://www.hundemagazin.net/dogscooter/dogscooting-kurs-zughundeschule/ veröffentlicht. Ich bin grade wirklich etwas neidisch, dass es manchmal auch einfach mit „Geschirr drum“ und „Loslegen“ getan ist. Bildlich gesprochen… Wir veranstalten hier regelrecht einen kleinen Zirkus, um Bruno zum Ziehen zu bewegen 🙂

    • Hallo Daniel,
      das wird schon noch. Ich wäre manchmal froh, Rocco würde nicht so arg ziehen. Gerade bergab ist das ordenltich anstrengend. Ich bin daher gerade dabei, ihn eher einzubremsen.
      VG
      Bert

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