Chala Evo 5.0 Rezension

Chala Evo 5.0 – die Laufsandale und der Kundenservice im unfreiwilligem Test

Bereits im letzten Jahr spielte ich mit dem Gedanken, mir Laufsandalen anzuschaffen. Der Kauf der Chala Evo 5.0, der „ultimative(n) Renn-Huarache-Sandale“, wie es auf der Website heißt, war also alles andere als ein Spontankauf. Erst dachte ich an Luna Sandals, dann recherchierte ich ein wenig und stieß auf die Chala Evo, die im Schwarzwald von Hand gefertigt werden. Mit 109,95 Euro aber alles andere als ein Schnäppchen, zumal man wenig „Material“ für sein Geld bekommt. Mit einem Blick auf das bereits volle Laufschuhregal, in dem sich auch einige Barfußschuhe befinden, löschte ich den Warenkorb wieder.

In diesem Jahr war es dann aber soweit: Auch ich wollte nun endlich Laufsandalen mein Eigen nennen, zumal ich immer länger und öfter in Minimalschuhen unterwegs bin. Und ich dachte schon an meinen ersten Laufsandalen-Lauf und dass ich mal wieder eine Rezension und einen Testbericht für mein Blog schreiben könnte. Und ich bestellte nicht in Seattle, sondern im heimischen Schwarzwald – ein kleines, lokales Unternehmen zu unterstützen kann nicht verkehrt sein. Dachte ich.

Die Haltbarkeit: Vier Wochen und 20 Kilometer

Chala Evo 5.0 Test

Die Lieferung ging auch rasend schnell. Bereits am nächsten Tag erhielt ich den Baumwoll-Turnbeutel mit meinen Chala Evo 5.0, die mir super passten. Sie waren bequem, saßen fest am Fuß, schnürten ihn nicht ein – perfekt. Zumindest für vier Wochen und 20 Kilometer. Dann löste sich nämlich das Fußbett ab, also die obere Lage der Sandale. Enttäuschend, aber auch nicht weiter tragisch. Vielleicht nur ein Montagsmodell erwischt. E-Mail geschrieben, Fotos angehängt. Gleich am nächsten Tag kam eine Reaktion direkt vom Chef:

Rücksendung Chala

Klasse, dachte ich, eine schnelle Antwort, da werde ich die reparierten Chala Evo 5.0 sicherlich bald wieder in meinen Händen halten. Chala Evo 5.0 sorgsam verpackt und, wie gebeten, Mails ausgedruckt und beigelegt. Und dann? Dann passierte leider nichts mehr. Zumindest seitens Chala. Schweigen, Nichtachtung.

Nach einer guten Woche fragte ich nach, wann ich mit der Rücksendung rechnen könne. Schließlich wurde mir „zügig“ versprochen. Nach zehn Tagen eine erneute Rückfrage, die zumindest vom Ticketsystem brav beantwortet wurde:

Rückfrage Chala Evo 5.0

Nachdem auch auf diese Rückfrage keine Antwort kam, griff ich am Mittwoch, also fünf Tage später, beherzt zum Telefon. Beim vierten Versuch nahm auch tatsächlich jemand den Hörer ab. Ich schilderte einer Frau mit Verweis auf die Ticketnummer den Fall und erklärte, dass ich eine Nachbesserung nun nicht mehr akzeptieren könne und den Kaufpreis zurückerstattet bekommen möchte. Die Marke „Chala“ sei für mich durch. Nach der ganzen Nichtbeachtung sei mir schlicht die Lust auf diese Sandalen vergangen. Sie könne dies nicht entscheiden, das müsse der Chef machen. Dies könne aber bis Freitag dauern.

Der Freitag kam. Und was passierte? Nichts. Keine Mail, kein Anruf. Am Montag nahm ich dann meinen Monolog mit dem Ticketsystem wieder auf:

Kundenservice Chala

Heute ist der 11. August und noch immer habe ich nichts von meinen Chala Evo 5.0 gehört. Hätte ich doch in Seattle bestellt. Der Schwarzwald war und ist in Bezug auf Laufsandalen eine komplette Enttäuschung.

Update: 25. August 2020

Noch immer keine Rückmeldung erhalten. Dabei habe ich es sogar auf dem Postweg versucht und am 18.08.2020 ein Einschreiben verschickt, was am 19.08.2020 auch in Empfang genommen wurde. Darin habe ich um Rückerstattung des Betrages bis 24. August 2020 gebeten und eine entsprechende Frist gesetzt. Wie gesagt: Passiert ist nichts – kein Geld, keine E-Mail, kein Anruf. Ich werde es gleich noch ein letztes Mal telefonisch versuchen. Wenn dann nichts passiert, geht die Angelegenheit an den Rechtsanwalt. Wirklich schade.

Telefoniert: Chef wieder mal nicht da oder zu beschäftigt. Heute könne er sich da nicht drum kümmern, sagt die Frau am anderen Ende der Leitung. Warum auch? Ware ist ja bezahlt, was kümmert schon ein verärgerter Kunde. Bis morgen gebe ich ihm noch. Er hat ja heute ganz wichtige Dinge zu erledigen. Aber morgen hat er sicherlich Zeit, sich nach fünf Wochen auch mal ein Gewährleistungsthema anzuschauen. Ganz sicher.

Update: 5. September 2020

Nach Rücksprache mit meinem Anwalt habe ich am 31. August 2020, um auch formal alles richtig zu machen, noch einmal um Nachbesserung und um Zusendung eines neuen Paars Chala Evo 5.0 bis zum 13.09.2020 gebeten. Heute kam dann auch tatsächlich ein Paket von der Firma voycontigo an, die hinter den Chalas stehen. Es wurde nachgebessert – ob die Nachbesserung adäquat ist, mag jeder selbst beurteilen:

Nachbesserung?
Die rechte Sandale wurde „nachgebessert“ – man könnte auch sagen lieblos wieder zusammengeklebt, mit Hubbeln und Luftblasen. Das hätte ich vermutlich selbst besser hinbekommen.

Dass dem Paket kein persönlicher Gruß beilag oder eine Entschuldigung, muss ich nicht erwähnen. Ein Arschlochladen bleibt ein Arschlochladen. Und ich habe keine Lust mehr, mich mit diesem Laden zu beschäftigen. Noch nie bin ich von einem Online-Kauf und einem „Kundenservice“ so enttäuscht gewesen.

Ich habe mir übrigens vor einer guten Woche die Leadville Pacers von Luna Sandals bestellt. Sie sind heute in den Versand gegangen.

Chala Evo 5.0 – eine komplette Enttäuschung

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: LäufeTests
0

Mitreden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Es gelten die Datenschutzgrundsätze.