Ermüdungsbruch: Mittelfußhaarrisse in Behandlung

Streng genommen vertraue ich nur einem Arzt. Meinem Zahnarzt. Den kenne ich seit der fünften Klasse, und er ist ein guter Freund von mir. Und auch wenn ich damals geschworen habe, mich nie von ihm behandeln zu lassen (ja, er wollte in der Tat schon mit 11 Jahren Zahnarzt werden), bin ich heute heilfroh, dass er ist, der mir an den Zähnen rumdoktert. Er ist kompetent, und ich kann mir sicher sein, dass er sich die benötigte Zeit nimmt und stets das Optimum erreichen will. Leider habe ich in den letzten sechs Jahren auch ein paar andere Erfahrungen gemacht, was die Diagnosefähigkeit und Behandlungsmethoden von Ärzten anbelangt. Zuletzt bei meinem Ermüdungsbruch im Mittelfuß.

Fehldiagnose 1: Vier-Fingerfurche

Ja, dieser Text wird ein wenig motzig. Vielleicht auch ein bisschen polemisch und so gar nicht objektiv. Muss auch mal sein. Die ersten beiden Erfahrungen, von denen ich spreche, betreffen nicht mich, sondern meine Tochter. Das hat also noch nichts mit dem Thema Ermüdungsbruch zu tun. Bei der U2 kurz nach der Geburt trug der untersuchende Kinderarzt, ohne meiner Frau und mir etwas davon zu sagen, die Bemerkung „Vier-Fingerfurche“ ins Untersuchungsheft ein. Meine Tochter kam kurz vor Weihnachten zur Welt, und so blätterte ich zwischen den Jahren im besagten Heft, las die Bemerkung und recherchierte via Google, dass diese Vier-Fingerfurche ein Anzeichen für das Daunsyndrom sein kann. Ein Anzeichen, kein Beweis (auch Bill Clinton hat – wie ich seitdem weiß – eine Vierfingerfurche). Trotzdem kann sich jeder vorstellen, wie die Tage bis zum 2. Januar für uns waren, bis endlich wieder ein Kinderarzt aufhatte. Ich selbst konnte zwar keine Vier-Fingerfurche bei meiner Tochter erkennen, aber zum einen war sie nach der Geburt noch ordentlich zerknauscht und zum anderen musste der Arzt es ja wissen. Kurz: Meine Tocher hat keine Vier-Fingerfurche. Keine Ahnung, was der Arzt da erkannt hat, aber er bereitete meiner Frau und mir einen kleinen Horrortrip.

Fehldiagnose 2: Schiefhals

Dann der nächste Kinderarzt: Meine Tochter habe einen Schiefhals, der mit Krankengymnastik nach Vojta behandelt werden müsse. Also ein halbes Jahr quälende Gymnastik, bei der meine Tochter (erst ein paar Monate alt) jeweils die komplette Gynmastik-Stunde durchgeschrien hat. Dann sagte ein Freund, es könne auch das Kiss-Syndrom sein, also ein durch die Geburt ausgerenkter Halswirbel. Und es war das Kiss-Syndrom. Das Einrenken bei einem Spezialisten dauerte nur ein paar Sekunden. Und siehe da: Schon schlief meine Tochter länger als zwei Stunden am Stück, was vorher nie der Fall war.

Ermüdungsbruch: Haarrisse im Mittelfuß

Im Vergleich zu dem, was diese sogenannten Ärzte bei meiner Tochter falsch diagnostizierten, ist meine Ärzteerfahrung, die ich aufgrund meines Ermüdungsbruches im Mittelfuß machen musste, harmlos. Dennoch möchte ich davon berichten, schließlich geht es in diesem Blog ums Laufen. Und da ist ein Ermüdungsbruch (leider) nicht so ungewöhnlich.

Wie in diversen Beiträge (Natural Running, Laufschuhkauf) geschrieben, zog ich mir zwei Haarrisse im Mittelfuß zu. Ich hatte gleich eine solche Vermutung; die Schmerzen waren nur leicht, wollten aber auch nach ein paar Tagen nicht verschwinden. Der erste Arzt war ein Chirurg, der kaum zwei Sätze mit mir wechselte und mir, als auf dem Röntgenbild nichts zu erkennen war, nicht so recht glauben wollte, dass da wirklich was zwickte. Widerwillig schrieb er eine Überweisung für ein CT, das meine Vermutung leider bestätigte. Die Schmerzen (es war eine gute Woche vergangen) waren aber kaum noch zu spüren, so dass ich hoffte, dass ich den Fuß nur noch ein wenig ruhig stellen musste.

Ermüdungsbruch im Mittelfu0 in Behandlung
Im Hochsommer ein Traum: Aircast-Walker zur Behandlung des Ermüdungsbruchs.

Ein wenig – das wäre schön gewesen. Ich bekam einen Aircast-Walker für vier Wochen verschrieben, um den Ermüdungsbruch auszukurieren. Ob das notwendig war? Keine Ahnung. Ich habe ihn jedenfalls brav getragen. Nur nachts habe ich ihn abgenommen, denn mitten im Sommer war das Ding eher unerträglich. Zwei Tage vor dem Kontrollbesuch nahm ich den Walker ab – der Schmerz im Mittelfuß war weg. Dann der Besuch bei meinem Chirurgen, der dieses Mal fast gesprächig war.

Von wem spricht er eigentlich?

Da habe er den Aircast-Walker aber zu früh abgenommen, sagte der Arzt. Von wem er denn rede, wenn er „er“ sage, wollte ich wissen. „Na, von Ihnen“, sagte der Arzt. Schön, wenn der Arzt von einem, wenn man anwesend ist, in der dritten Person spricht. Das baut ungemein Vertrauen auf. Er (also ich) solle den Aircast-Walker noch vier weitere Wochen tragen, bis Anfang September, dann würde man ein neues CT machen. Vier Wochen, obwohl ich an der verletzten Stelle, also am eigentlichen Ermüdungsbruch, keine Schmerzen mehr habe? Meine Zehen schmerzten dafür ordentlich, da sie ja ebenfalls vier Wochen ruhiggestellt waren. Wie steif meine Zehen nach vier weiteren Wochen geworden wären, möchte ich mir nicht vorstellen.

Der „Rat“ vom Sportmediziner

Ich hörte nicht auf den Arzt und ließ den Aircast-Walker aus. Daraufhin machte ich einen Termin bei einem Sportmediziner aus, zwecks Beratung, wie ich wieder am besten mit dem Laufen beginnen sollte. (Zu dieser Zeit ging ich bereits jeden Tag ein paar Hundert Meter, um die Zehen wieder locker zu kriegen.) Ob es denn unbedingt das Laufen sein müsse, fragte mich der Sportmediziner. Ob ich nicht lieber Schwimmen oder Radfahren wolle? Nein. Dann sollte ich, wenn überhaupt, nur auf der Tartanbahn laufen. Aber auch erst in ein paar Wochen. Nicht im Wald auf unebener Strecke. Danke.

Eine Woche machte ich noch Spaziergänge, dann machte ich den ersten drei Kilometerlauf, abwechselnd gehend und laufend. Im Wald. Drei Tage später die ersten sechs Kilometer im langsamen GA1-Tempo in gedämpften Asics Excel 33 Trainingsschuhen. Wieder im Wald. Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, denn danach fühlten sich meine Zehen endlich wieder halbwegs normal an – wohlgemerkt, am Ermüdungsbruch selbst hatte ich die ganze Zeit schon keine Schmerzen mehr. Meine Zehen brauchten jetzt aber noch knapp vier Wochen, um wieder voll zu funktionieren. Aber auch nur, weil ich sie nicht mehr schonte.

Ob es das System ist, das es den Ärzten unmöglich macht, gut zu behandeln und zu beraten, oder ob ich einfach an ein paar bedauerliche Einzelfälle geraten bin – wer weiß. Es ist mir letztlich auch egal. Denn mein Vertrauen ist bei allem, was langwieriger als eine Erkältung ist, nicht mehr vorhanden. Davon ausgenommen: Mein Zahnarzt.

Nachtrag: Es muss kein Aircast-Walker sein

15. Februar 2014: Gestern hatte ich zufällig Gelegenheit, mit einem anderen Chirurgen zu sprechen und ihn zum Thema Aircast-Walker bei einem Ermüdungsbruch zu befragen. Klare Aussage: Bei einem Ermüdungsbruch ist in der Regel kein Aircast-Walker notwendig, im Gegenteil: Er ist eher kontraproduktiv, da sich der komplette Fuß versteift, wie ich ja selbst erleben durfte. Die beste Behandlungsmethode sei eine stetige Teilbelastung mit einem bewussten Abrollen des Fußes. Fahrradfahren und Schwimmen sind zur Aufrechterhaltung der Fitness kein Problem. Also liebe Läufer: Wenn Euch irgend ein Arzt einen Aircast-Walker bei einem Ermüdungsbruch im Mittelfuß verschreibt, holt Euch lieber eine zweite Meinung ein, ob das wirklich notwendig ist.

Geschrieben von: Bert

Laufverletzung: Ermüdungsbruch im Mittelfuß

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Dies & Das
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11 Kommentare

  • Daß man den Gesprächspartner in der dritten Person anspricht, ist altertümlich. In den Handwerksberufen (ehemaligen Zünften) ist diese Art zu sprechen teilweise noch üblich — jedoch nicht mit Kunden, denn die irritiert das.

  • Was man als Patient alles erleben muss
    nicht zu fassen !

    Ich hoffe sehr, dass mir ein längeres Pausieren erspart bleiben wird, nächste Woche weiß ich mehr, aber dass ich mir dieses Monstrum nicht anlegen lassen werde, das weiß ich jetzt.

    Danke für diesen Bericht !

    • Ich drück dir die Daumen, dass du dir nur eine Kleinigkeit eingefangen hast!

      Viele Grüße
      Bert

  • Die Fehldiognosen bei der Kleinen sind ja mal extrem fies, ich kann mir die Sorge wirklich gut vorstellen. Die Warterei ist grauenhaft, ähnliches haben wir bei der Mittleren auch hinter uns.

    Die Anrede in der 3. Person ist hier in der Gegend üblich, Eifel halt. Verwirrt mich auch jedes Mal aufs Neue.

    btw. sehe grade der Bericht ist schon was älter…macht aber nix. Bin grade am stöbern 😉

  • Hallo, ich habe seit vier Jahren auch mega schmerzen im linken Fuß und der ist auch geschwollen, durch unseren Umzug letztes Jahr, hatte ich endlich die Möglichkeit andere Ärzte mit in das Geschehen eingreifen zu lassen(da die Ärzte vorher die Schwellungen immer nur auf mein Übergewicht geschoben hatten und die Schmerzen ignoriert hatten), nach unzähligen Schuheinlagen, Ratlosigkeit, Schmerztabletten und Schmerzgelen, verschiedenen Ärzten und Orthopäden, Röntgen und MRT und auch einem Aircast-Walker, hat nun ein Arzt beim letzten Röntgenbild auch Risse und einen Spalt im Knochen entdeckt (und ganz nebenbei noch eine Sehnenentzündung festgestellt), jetzt soll ich noch zu einem anderen (befreundetem Kollegen von ihm) Arzt in einer Klinik, der dann entscheiden soll, ob es operiert werden sollte 🙁

    • Hallo Peggy,
      entschuldige die späte Antwort. Ich bin die letzten Wochen kaum zu meinem Blog gekommen. Ja, die Ratlosigkeit vieler Ärzte mit ihrem Patentrezept „Schuheinlage“, das auf die Dauer eher schadet als hilft, ist schon erschreckend. Termine bei Orthopäden meide ich mittlerweile, da ich nicht den Eindruck habe, dass mir dort wirklich geholfen wird.
      Ich drücke dir die Daumen, dass du um eine OP herumkommst und bald wieder laufen kannst.
      VG
      Bert

  • Ein interessanter Bericht, ich habe ähnliche Erfahrungen bei einer Stressfraktur im Mittelfuss. KEINE komplette Ruhigstellung, ausser bei Metatarsale V.
    Mich würde noch interessieren ob Du Thromboseprophylaxe betrieben hast?
    Alles Gute von Läufer zu Läufer.

    • Hallo Tobias,
      sorry für die späte Rückmeldung – wir waren über das lange Wochenende verreist. Ja, ich musste Thromboseprophylaxe betreiben und spritzen.
      VG
      Bert

  • Hallo,

    Danke für diesen interessanten Bericht! Er spiegelt ziemlich genau meine jetzige Situation wieder. Durch ein CT wurde bei mir vor einer Woche eine Fissur am Os metatarsale IV im linken Fuß diagnostiziert. Der Schmerz im Fuß ist jedoch schon weg, dennoch soll ich weitere 3 Wochen mit diesem Aircast-Walker herumlaufen, was mir ehrlich gesagt unnötig erscheint. Dann bin ich auf diesen Artikel gestoßen.

    Sie schreiben, dass die beste Behandlungsmethode „eine stetige Teilbelastung mit einem bewussten Abrollen des Fußes“ sei. Können Sie diese Aussage etwas näher erläutern? Spontan verstehe ich darunter das Gehen mit Unterarmgehstützen im 3-Punkt-Gang bis die Schmerzen verschwinden.

    VG Nathanael

    • Hallo Nathanael,

      vielen Dank für dein Feedback. Ja, so habe ich dies auch verstanden: über die Gehstützen das Gewicht reduzieren, das sonst beim Abrollen auf den Fuß einwirken würde. Wie dies genau auszusehen hat, kann ich aber nicht sagen, da ich diese Information erst hatte, nachdem bei mir schon lange alles verheilt war.

      Ich wünsche dir eine schnelle Genesung!

      Viele Grüße
      Bert

  • ich 60jährig 10% zuviel kg, weibl. bin über meinen Staubsauger gestolpert, mittelfußfrktur (haarrisse 3. 4.)
    habe GSD auch kein vertrauen mehr in ärzte (taugen nur für gelben schein m.E.) Notaufnahme Schiene und zwei krücken -Hausarzt – Schmerzmittel ibu – (nicht genommen) ich dachte an die ausgestorbenen Geier in Indien Turm der Winde – ortopädie – Schiene ab – so ein komisches zehen band klettverschluß – soll zehen 500 mal am tag auf und ab bewegen – ? – 4 Tage später – hatte klettband nicht dran – äh wieso – ja tut weh – also dann walker – aber dann thrombosespritzen jeden Tag wir geben ihnen gleich eine und sie müssen dann jedentag..- – nenene – ich geh zum hausarzt. Gelben zettel abholen- Walker geholt 10 euro – ok walker oder spritze – liegestuhl Fuss hochgelegt – hausarzt – Tabletten statt Spritze – uff- Beipackzettel – nenene – ohne mir – Fuss sogut es geht geschont Bein bewegt- sogar mit Pedaltretter – Schmerzen hielten sich immer erträglich auch ohne salbe oder Tabl. .- Es vergehen Monate und ich schwanken bin natürlich besorgt – ich lauf das was notwendig – manchmal zuviel – röntgen – nix verändert – ohne walker ohne krücken – ich hab Bedenken hausarzt kG – 20 min sanfte massage 6x tut schon gut aber? – termin bei anderem orthopäden top bewertung – termin 3,5 mon. nach unfall – sie sagt – wie gehts -ich sage – wenn ich länger laufe spüre ich dass der fuss nicht richtig abrollt taub ist – sie schaut sich die röntgenbilder an – das ist ja eine alte verletzung – hä – ne -ja ich hatte schon immer senkfüsse – also einlagen – sie verschreibt mir nur so auf verdacht 2 mal einlagen ich sag danke – hatte ich als kind schon mal – soll ich 20 euro für nix ? – tu ich sowieso nicht rein denk ich

    eigentlich hatte ich gedacht da wird mein fuss untersucht – laufband – mrt – ob alles ok ist – fehlanzeige
    ich glaub ich lauf lieber barfuss

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