Rapha Festive 500 - eine Tour durch den Odenwald

512 Kilometer durch den Odenwald – meine Festive 500 zum Jahresende 2015

500 Kilometer zwischen dem 24. Dezember und 31. Dezember mit dem Rennrad fahren – eine Herausforderung, zu der Rapha, der englische Hersteller von Rennradbekleidung, mit Festive 500 seit 2010 aufruft. Als ich zum ersten Mal davon hörte – ich glaube, es war Ende November –, dachte ich sofort daran, mitzumachen. Dabei war ich bis Anfang Dezember gerade mal 1.200 Kilometer auf dem Rennrad in diesem Jahr gefahren. Wieso wollte ich die Festive 500 fahren? Zum einen hat mir die Rennradfahrerei im Laufe dieses Jahres immer mehr Spaß gemacht. Zum anderen konnte ich aufgrund meines Schlüsselbeinbruchs nach dem TDS-Trailrun im August 2015 lange Zeit nicht mehr so richtig Sport machen, geschweige denn an einem weiteren Wettkampf teilnehmen. Da wären die Festive 500 doch, so dachte ich, ein schöner sportlicher Jahresabschluss. Und eben eine echte Herausforderung. Denn 500 Kilometer sind nur das eine – die Höhenmeter, die im Odenwald zwangsläufig zu jeder Fahrt mit dazugehören, sind das andere. Irgendwie geht es immer bergauf oder bergab. Und dann das vermutlich nicht ganz so tolle Wetter; den Elementen trotzen, darauf stehe ich einfach.

Tag 1: Cross-Tour durch den Odenwald mit insgesamt 45,42 Kilometern und 697 Höhenmetern

Ich starte meine Festive 500 mit einer Cross-Tour über Waldwege und Trails, die ich normalerweise laufe. Meine Tochter (9) ist bei der ersten Runde mit von der Partie, und wie fahren gemeinsam gut 6 Kilometer, bevor ich sie wieder sicher nach Hause bringe. Dann starte ich zu einer weiteren Runde. Es ist sehr warm für einen 24. Dezember, über 12°C. Ein langes Jersey reicht vollkommen aus. Nur die Sonne will sich heute noch nicht zeigen.

Festive 500: Tag 1 Cross-Tour durch den Odenwald
Tag 1: Start der Festive 500 mit einer Cross-Tour durch den Odenwald

Tag 2: Kurzer Trip nach Laudenbach an den Main mit 36,51 Kilometern und 605 Höhenmetern

Heute habe ich nicht so richtig Zeit. Ich stelle den Wecker und sitze zum Sonnenaufgang auf dem Sattel. Wobei von Sonne keine Spur ist. Es regnet. Ich fahre eine Strecke, die ich schon öfter dieses Jahr nach Feierabend gefahren bin. Nach einem Anstieg folgt eine lange Abfahrt hinunter nach Laudenbach. Ein kurzes Stück am Main entlang, bevor es bergauf nach Hause geht.

Tag 2: Kurzer Tripp an den Main
Tag 2: Kurzer Tripp an den Main nach Laudenbach

Tag 3: Nach Darmstadt auf einen Espresso mit 106,77 Kilometern und 1.122 Höhenmetern

Die erste neue Tour bei meinen Festive 500, die ich vorab erstellt habe und nun über das Fahrrad-Navi abfahren möchte. Festive 500 sind für mich auch eine schöne Gelegenheit, den Odenwald noch besser kennenzulernen. Zum Sonnenaufgang sitze ich wieder im Sattel. Es ist kurz nach 8:00 Uhr. Und heute scheint die Sonne. Ich fahre meine BMC Teammachine, der Crosser bleibt zu Hause. Es geht erst mal bergauf Richtung Groß-Umstadt, dann relativ eben über Babenhausen nach Darmstadt, der nächstgelegenen größeren Stadt. Vor dem Café Chaos sitzen ein paar Studenten in der Sonne. Ich trinke einen Espresso und mache mich auf den Rückweg. Hinter Groß-Bieberau folgt ein Streckenabschnitt, den ich kenne und fürchte, zumal ich bereits 90 Kilometer in den Beinen habe. Mit durchschnittlich 8% Steigung geht es bergauf. Die lange Abfahrt runter nach Höchst entschädigt.

Tag 3: Nach Darmstadt auf einen Espresso
Tag 3: Nach Darmstadt auf einen Espresso

Tag 4: Über das Brombachtal an den Main mit 77,48 Kilometern und 1.197 Höhenmetern

Es ist deutlich kälter als die letzten Tage. Aber das merke ich erst bei der ersten Abfahrt, als der Wind an meiner Jacke zerrt. Als ich im Brombachtal ankomme, überlege ich, die geplante Strecke abzukürzen. Aber jeder Kilometer zählt und so fahre ich weiter, an Michelstadt vorbei, durch Bad König hindurch. Dahinter geht es steil über Serpentinen auf knapp 500 Meter nach oben. Mir wird wieder warm.

Tag 4: Über das Brombachtal zurück an den Main
Tag 4: Über das Brombachtal zurück an den Main

Tag 5: In den südlichen Odenwald nach Kirchzell mit 100,15 Kilometern und 1.371 Höhenmetern

Am fünften Tag meiner Festive 500 fahre ich eine mir bekannte Strecke. Es geht in den südlichen Odenwald nach Bayern. Es ist wieder sonnig, aber noch ein bisschen kälter geworden. Ich trage heute die warme Softshell-Jacke von Isadore Apparel, die mir in den kommenden Tagen ein treuer Begleiter sein wird, und ein Halstuch. Dennoch habe ich nicht so richtig dazu gelernt, denn die Zehenkappen wärmen, obwohl winddicht, meine Füße nicht genug. Als ich die bayerische Landesgrenze passiere, werde ich von dichtem Nebel empfangen. Meine Kleidung wird nass, die Brille beschlägt, meine Füße verwandeln sich in Eiszapfen. Ich bin froh, als es steiler bergauf geht und meine Körpertemperatur ansteigt. Hinter Kirchzell folgt einer der schönsten Anstiege über eine wunderbar kurvige Landstraße, die auch bei Motorradfahrern beliebt ist. Aber an Sonn- und Feiertagen ist sie für Motorradfahrer gesperrt. Und so kann ich die Straße, die Kurven und die Landschaft alleine genießen. Denn sonst verirrt sich kaum jemand in diese Gegend.

Tag 5: In den südlichen Odenwald nach Kirchzell
Tag 5: In den südlichen Odenwald nach Kirchzell

Tag 6: In den bayerischen Odenwald nach Miltenberg mit 103,61 Kilometern und 1.158 Höhenmetern

Eine weitere komplett neue Strecke bei meinen Festive 500. Heute bin ich eine Stunde später als die vorherigen Tage unterwegs. Die Muskeln, die Beine werden schwer, und selbst in den Armen und Schultern spüre ich einen leichten Muskelkater. Über Fahrradwege, die von dichtem Raureif überzogen sind, fahre ich Richtung Main. Dort geht es rechts über welligen Asphalt ins bayerische Miltenberg. Ich werde gut durchgeschüttelt, als ich über das Kopfsteinpflaster durch das kleine Städtchen fahre. Hinter Miltenberg zieht sich die Deutsche Limesstraße kurvenreich einen Berg nach oben. Die Sonne versteckt sich immer mehr hinter Hochnebel, und schließlich stecke ich wie am Tag zuvor in einer dichten Suppe mit nur wenig Sicht. Zumindest habe ich heute halbwegs warme Füße, den Neopren-Überziehern sei Dank. Hinter Walldürn folgt eine rasante Abfahrt mit 8% Gefälle, die an einem Schild endet, das mich ordentlich einschüchtert: 12% für 1 Kilometer. Bergauf. Meine Oberschenkel schreien, und ich glaube, ich habe auch geschrien, ganz sicher aber laut geflucht, als ich mich diesen Kilometer nach oben gequält habe.

Tag 6: In den Nebel im bayerischen Miltenberg
Tag 6: In den Nebel im bayerischen Miltenberg

Tag 7: Abschluss des Festive 500 mit einer Fahrt nach Michelstadt mit 42,20 Kilometern und 327 Höhenmetern

Ich gönne mir einen leichten Abschluss meiner Festive 500. Eine kurze Fahrt mit dem Crosser durch den Wald, dann geht es über Landstraßen hinunter zur Mömling und über den Kurpark in Bad König zum Rathaus nach Michelstadt, das bereits 1484 erbaut wurde. Zuhause wartet die schönste Überraschung meiner Festive 500 auf mich: Meine Familie hat das Garagentor mit einem großen Banner und Luftballons behängt – darauf steht eine große 500.

Tag 7: Abschluss der Festive 500 mit einer Fahrt nach Michelstadt
Tag 7: Abschluss des Festive 500 mit einer Fahrt nach Michelstadt

512 Kilometer mit 6.477 Höhenmeter (positiv)

Mit 512 Kilometern und 6.477 positiven Höhenmetern habe ich die Festive 500 in sieben Tagen geschafft. So konnte ich am 31. Dezember ausschlafen, was am letzten Tag des Jahres auch mal eine gelungene Abwechslung war. Eine Übersicht meiner Fahrten dokumentiert mit Movescount:

Meine Festive 500 Rennradtouren
Meine Festive 500 Rennradtouren: Aufgezeichnet mit meiner Suunto Ambit 2 und dokumentiert in Movescount.
Die Festive 500 waren ein tolles Erlebnis, zu dem natürlich auch das relativ milde und schöne Wetter beigetragen hat. Ich bin überrascht, dass ich die Kilometer doch relativ locker abspulen konnte. Mein Dank geht an meine Familie: Für den tollen Empfang am letzten Tag und für die Geduld und das Verständnis, denn zeitintensiv waren die Festive 500.

Was bleibt sonst festzuhalten? Bayern ist neblig. Hessen ist einfach schöner.

On the Road: Bilder von meinen Odenwald 500:

Geschrieben von: Bert

Festive 500: In sieben Tagen durch den Odenwald

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Rennrad
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