Einmal durch meine Heimatstadt: Der BMW Frankfurt Marathon 2014

Nachdem ich die letzten beiden Jahre verletzungsbedingt absagen musste, hat es dieses Jahr endlich geklappt: Ich konnte beim BMW Frankfurt Marathon 2014 starten. Frankfurt ist meine Heimatstadt, da bin ich geboren und aufgewachsen, und ich mag die Stadt, wie es bei Heimat meistens so ist. Deswegen ist der Frankfurt Marathon ein besonderer Marathon für mich.

Auch ohne gezielte Vorbereitung einen neue persönliche Bestzeit?

Zielgerichtet hatte ich mich nicht auf den BMW Frankfurt Marathon 2014 vorbereitet, was nicht heißt, dass ich nicht trainiert hätte. Mein Herbst-Fokus lag aber auf dem Pfalztrail-Ultra mit 85,6 Kilometern, und für so einen Ultra sieht das Training ein bisschen anders aus als für einen Marathon: Noch längere lange Läufe ohne Endbeschleunigung und weniger Tempoeinheiten. Das Trainingsgelände: Trails im Odenwald, bei denen es ordentlich auf und ab ging. Die Läufe auf ebenem Asphalt summierten sich – betrachtete ich die letzten vier Monate – auf vielleicht 100 Kilometer.

Trotzdem war es mein Ziel, meine persönliche Bestzeit vom Mainz Marathon 2013 von 03:36:46 Stunden zu schlagen und den Frankfurt Marathon 2014 unter 03:30:00 Stunden zu laufen. Da der Pfalztrail aber gerade zwei Wochen zurücklag und ich keine Ahnung hatte, wie meine Beine nach dieser relativ kurzen Erholungspause auf 42,195 Kilometer Asphalt reagieren würden, entschied ich mich vorab nach Puls und nicht nach Pace zu laufen: Bis Kilometer 20 bis zu 80 Prozent, bis Kilometer 30 bis zu 85 Prozent und danach so schnell und so gut durchkommen wie möglich.

Der Tag des Wettkampfs: 26. Oktober 2014

Der Wecker klingelt um 6:00 Uhr. Ich habe gut geschlafen. Ungewohnt für mich (vor Prüfungen, Wettkämpfen etc. schlafe ich sonst eher mäßig), aber nach einem Ultra verliert ein Marathon wohl ein bisschen von seinem Schrecken. Zusammen mit meiner Frau, unserer Tochter (7) und unserer Hundedame Lola geht es los, mein Sohn (5) darf sich währenddessen von Oma ein wenig verwöhnen lassen. Das Auto am Lindenbaum geparkt und mit den U-Bahnen U8 und U4 bis zur Festhalle/Messe gefahren – Start und Zielbereich des Frankfurt Marathon.

Ich bin überrascht, wie gut sich die Massen verteilen. Sind ja nur knapp 14.900 Starter mehr als in der Pfalz. Musik dröhnt aus den Boxen, die Stimmung ist bestens, das Wetter mit wolkigen, windstillen 14°C perfekt. Ich starte im zweiten Startblock (Zielzeiten zwischen 3:15 h und 3:30 h) mit der ersten Welle. Punkt 10:00 Uhr zählen wir gemeinsam runter, dann geht es los – der Startschuss zum Frankfurt Marathon 2014 ist gefallen.

Rasch finde ich mein Wohlfühl-Tempo

Hatte ich schon erwähnt, dass mein Geburtstag mit dem Frankfurt Marathon in diesem Jahr zusammenfiel? Ich wollte daher vor allem auch Spaß beim Rennen haben und den Marathon nicht zu verbissen angehen. Auch ein Grund, warum ich nach Puls laufen wollte. Nach ein paar Überholmanövern hatte ich mich im Feld einsortiert und lief locker mit einer Pace von 4:45 min/km bei einem Puls von 156, was bei mir 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz entspricht. Mal schauen, wann die Pulsfrequenz ansteigen würde.

Es geht in die Frankfurter Innenstadt, die Bockenheimer Landstraße nach oben in Richtung Alte Oper. Das Publikum macht Stimmung und ordentlich Krach. Eigentlich hatten mich hier meine Frau und meine Tochter anfeuern wollen. Lola hätte sicherlich auch ein- oder zweimal freudig gebellt.
„Wir stehen auf der rechten Seite“, hatte meine Frau gesagt.
Also laufe ich brav auf der rechten Seite, aber von meiner Familie keine Spur. Die Blase meiner Tocher hatte, wie ich nach dem Frankfurt Marathon erfuhr, ein schlechtes Timing und wollte kurz vor meinem Vorbeilaufen geleert werden.

Nach der Halbmarathon-Marke steigt mein Puls

Bei Kilometer 10 nehme ich das erste Gel und spüle ordentlich mit Wasser nach. Dieses Trinken an den Verpflegungsstellen muss ich noch üben: Ich kippe mir den halben Becher über T-Shirt und Hose, ich schnappe mir einen zweiten und trinke ihn im Gehen.

Nach Kilometer 13 laufen wir über die „Alte Brücke“ auf die andere Seite des Mains, kurz über den Schaumainkai, dann weiter über Niederrad nach Schwanheim. Immer wieder sorgen Bands am Rand der Laufstrecke für Stimmung, aber es gibt auch einsame Abschnitte, auf denen wir Läufer quasi unter uns sind.

Ich passiere die Halbmarathon-Marke des Frankfurt Marathon 2014: 01:40:10 Stunden zeigt meine Uhr an. Ich bin also sehr gut unterwegs, aber ich merke, wie mein Puls langsam steigt: Zwischen 162 und 165 zeigt die Suunto jetzt an. Entspricht ja in etwa der Planung, sage ich mir, denn langsamer Laufen wäre jetzt auch irgendwie blöd. Also versuche ich das Tempo zu halten, auch wenn meine Oberschenkel langsam zu verstehen geben, dass sie Asphalt in Verbindung mit diesem hohen Tempo nicht so richtig mögen. Bei Kilometer 25 nehme ich ein Magnesium-Calcium-Granulat, um Krämpfen vorzubeugen.

Die schnurgerade Mainzer Landstraße fordert

Es geht weiter nach Höchst. Der Geruch von Bratwurst steigt mir in die Nase. Nicht gut – mir wird leicht übel, aber kurz darauf ist die Wurst wieder vergessen. Denn die Beine werden schwerer, und noch ist Kilometer 30 nicht erreicht. Es folgt der quälendste Abschnitt des Frankfurt Marathon 2014: Die Mainzer Landstraße, die sich schnurgerade über mehr als vier Kilometer zieht und uns wieder zurück in Richtung Innenstadt führt. Hier ist nur wenig Publikum an der Strecke. Mein Puls nähert sich nun der 170. Ich suche mir einen Vordermann, der etwas langsamer als ich läuft. Einholen, sage ich mir. Den packst du. Dann den nächsten. Und wieder den nächsten. So schaffe ich es, mein Tempo irgendwo zwischen 4:40 und 4:50 min/km zu halten.

Einmaliger Zieleinlauf des Frankfurt Marathon 2014 in der Festhalle

Der Messeturm und die Festhalle kommen in Sicht, aber vorher müssen wir noch einmal durch die Innenstadt. Ich fühle mich ein wenig wie ein Hungernder, dem man ein Stück Torte vor die Nase hält und dann wieder wegzieht. Der Schmerz in den Beinen nimmt zu. Das Coffein-Gel, das ich bei Kilometer 35 genommen habe, hat nur kurz geholfen. Ich bin kaputt. Ich bin müde. Ich laufe über die Fressgasse in Richtung Alte Oper. Und da sind sie: Meine Tochter und meine Frau. Sie winken mir zu, feuern mich an, und ich glaube, sie singen „Happy Birthday“. Lola bellt aufgeregt. Ich werde wieder wach, meine Laune bessert sich schlagartig. Noch zwei Kilometer bis zum Ziel des Frankfurt Marathon 2014.

Gut gelaunt bei Kilometer 39 des Frankfurt Marathon 2014
Gut gelaunt bei Kilometer 39 des Frankfurt Marathon 2014: Der Anblick meiner Familie gibt mir neue Kraft.

Es geht an der Deutschen Bank vorbei, dann nach rechts in Richtung Festhalle. Ich atme nur noch durch den Mund. Meine Herzfrequenz liegt bei 180. Egal, es sind nur noch ein paar Hundert Meter. Nach links und durch das offene Tor in die bläulich erleuchtete Festhalle. Unscharf nehme ich das Publikum an den Seiten wahr. Ich höre fast nichts, außer dem puckernden Puls in meinen Ohren. Die Scheinwerfer funkeln. Rauch liegt in der Luft. Eine Atmosphäre, bei der man sich wie der Sieger fühlt. Ich hebe die Arme und laufe durch das Ziel und finishe den Frankfurt Marathon 2014 mit 03:20:07 Stunden.

This was my day

„This is your day“, lautete das Motto des BMW Frankfurt Marathon 2014. Und ein bisschen ist es mein Tag, denke ich, als ich in Alufolie gewickelt ein kühles Bier genieße. Eine neue Marathon-Bestzeit und ein perfekter Saisonabschluss in meiner Heimatstadt. Und das an meinem Geburtstag.

Belohnung nach dem Finish des Frankfurt Marathon 2014: Es geht doch nichts über ein kühles Bier nach 42,195 Kilometern
Belohnung nach dem Finish des Frankfurt Marathon 2014: Es geht doch nichts über ein kühles Bier nach 42,195 Kilometern

Geschrieben von: Bert

Frankfurt Marathon 2014 – This was my day

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Läufe
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10 Kommentare

  • Hey Bert,
    Glückwunsch zum Finish und zu dieser super Zeit.
    Bei mir haben am Wochenende die letzten 5 Kilometer in Salzburg auch ganz schon gezwickt und letztes Jahr bei meinem letzten HM war ich zwei Tage danach noch platt.
    Ich ziehe den Hut vor jedem, der einen Marathon auf der Straße läuft und dann auch noch in solch einem Tempo.
    Ich glaube mir würde es nach 25 Kilometern die Oberschenkel zerfetzen und die Knöchel pulverisieren. 😉

    Gute Regeneration wünsche ich dir

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

    • Hi Steve,
      Dank dir! Den Asphalt habe ich am nächsten Tag (und auch heute noch) gut gemerkt – das linke Knie zwickte ordentlich. Das hatte ich bislang in dieser Form auch nicht nach den beiden Ultras, die ich bislang gelaufen bin. Jetzt ist komplette Laufpause bis zum Wochenende angesagt. Dann geht’s wieder auf die Trails. Mal schauen, ob ich nächstes Jahr einen Marathon laufe. Gibt ja auch so viele schöne Trail-Läufe… Und da schmerzen im Anschluss die Knochen nicht so sehr.
      Viele Grüße
      Bert

  • Hallo Bert,

    herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit und zum spannenden Bericht. Richtig rührend fand ich die Stelle mit dem Geburtstagsständchen. Und das Glück sieht man dir auf dem Bild an.

    Viele Grüße!

  • Glückwunsch zu Finish! Deine Best-Zeit hast du ja um längen geschlagen, ist doch super – ich kanbbere nächstes Jahr erst mal weiter an den 3:30 🙂
    Das Stück Zwischen Höchst und Güterplatz ist echt das schlimmste, zumal hier auch genau die magischen 30er-Kilometer liegen. Meiner Meinung nach das „Stille Ende“, an dem viele abbrechen, auh weil hier kaum AnfeuerInnen sind.
    Tipp zum Trinken: die (Papp-) Becher zu einem ()-förmigen Schlitz falten, dann geht weniger daneben 😉

    • Hi Robert,
      vielen Dank! Ja, bin sehr happy mit meiner Zeit beim Frankfurt Marathon. Und danke für deinen Tipp mit dem Becher! Bei den Ultras muss man ja nicht so hetzen und kann „in Ruhe“ trinken.
      Viele Grüße
      Bert

  • Da hast du dein Ziel aber noch ordentlich unterboten. 3:20 ist ne super Zeit. Ich brauche da immer ne Stunde mehr für.

  • Habe mir auch das Knie lädiert. Frankfurt war mein erster Marathon. Hätte nicht gedacht, dass die paar Kilometer mehr zu den 30ern in der Vorbereitung so sehr zehren. Laufpause ist angesagt. Seufz…

    Bericht hier:
    http://runomatic.de/we-are-marathoners-ein-review-zum-frankfurt-marathon-2014/

    • Hallo Martin, endlich mal eine Rückmeldung von mir. Viel los die letzten Woche, dann hatte ich auch mit den Nachwehen vom Frankfurt Marathon zu kämpfen. Und kämpfe leider immer noch. Das macht zusätzlich träge. Bei mir ist es nicht das Knie, sondern die Ferse, vermutlich die Plantarsehne, die den Frankfurter Asphalt wohl nicht mochte. Dies und meine Einlagen, die ich jetzt erst mal weglasse. Irgendwas ist halt immer.
      Viele Grüße
      Bert

  • Ich finde 3:20 ist eine sehr gute Zeit… Ich benötige zurzeit dafür ca 4:30. Aber ich bleibe dran und mal schauen, vielleicht schaffe ich diese Zeit auch in der nächsten Zeit.

  • Respekt, 3:20 ist eine gute Zeit. Ich freue mich auf den Marathon in Karlsruhe im September, ich peile 4:25-4:30 an, bin mal gespannt.

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