Ein Hund auch für die langen Läufe: German Trailhound

Nach meinen Lauferfahrungen mit unserer Hundedame Lola, die ihre Stärken doch eher in den Kurzstrecken hat, suchte ich nach einer Rasse, die mich freudig auch auf langen Läufen begleiten würde. Nach einer ausgiebigen Recherche, die mich über Huskies (schlecht, wenn man Katzen hat), Galgos (mögen keinen Regen, frieren im Winter) und einige andere Rassen führte, landete ich schließlich beim German Trailhound: extrem lauffreudige Tiere, sanft, sehr guter Alltags- und Familienhund und auch durchaus katzenverträglich. Jagdtrieb vorhanden, aber kontrollierbar. Schulterhöhe 55 bis 75 Zentimetern, Gewicht bis zu 30 Kilogramm. Die Fotos zeigten schlanke, elegante Hunde, die aber dennoch robust und widerstandsfähig wirkten. Sie gefielen mir sofort.

Für den Schlittenhundesport gezüchtet

Auf der Website des Züchters, die aus den Anfängen des Internets zu stammen schien, fand ich noch ein paar Hintergrundinformationen: Der German Trailhound weniger eine Hunderasse als vielmehr ein Hundetyp, die von Heinrich Stahl seit 1991 gezielt für den Schlittenhundesport gezüchtet wird, so aber bereits in ähnlicher Form im Mittelalter für die Jagd gezüchtet wurde. Im German Trailhound, der gerne als GTH abgekürzt wird, stecken English Pointer, Alaskan-Husky, Deutsch Kurzhaar und Greyhound. Vom Pointer und Kurzhaar haben sie die Sanftheit, Folgsamkeit und Anpassungsfähigkeit, vom Husky die Ausdauer und vom Greyhound die Schnelligkeit. Meine Entscheidung war gefallen: Wenn ich mir einen Hund anschaffe, dann einen German Trailhound.

Das war vor knapp zwei Jahren.

Sie haben wieder Welpen

„Sie haben wieder Welpen“, sagt meine Frau.
„Wer?“, frage ich.
„Die mit den German Trailhounds.“
Wir sind gerade im Urlaub und sitzen bei einer Tasse Kaffee am gerade abgeräumten Frühstückstisch. Die Spülmaschine brummt und wirbelt das Wasser umher. Die Kinder spielen im Garten. In zehn Tagen werde ich den UTMB (Ultratrail du Mont-Blanc) laufen. Meine Frau reicht mir ihr iPad.

Ich sehe Fotos von zwei Rüden – der eine mit schwarzem Fell, der andere mit Kuhmuster –, die Mitte April geboren wurden. „Bewerbungen werden gerne telefonisch entgegengenommen“, steht am Ende einer kurzen Beschreibung. Ich nippe an meinem Kaffee. Da ist er wieder, der Wunsch, einen eigenen Hund zu haben, der mich freudig auf meinen Läufen begleitet. Merkwürdig, wie ein solcher Wunsch plötzlich wieder aufflammen kann, obwohl ich die letzten Monate nicht daran gedacht habe.
„Ich rufe mal an, vielleicht sind sie ja schon weg.“

Wir schauen heute nur mal

Als wir das Auto in einer Nebenstraße im mittelhessischen Staufenberg parken, hat es endlich aufgehört zu regnen. Seit einer Woche sind wir zurück in Deutschland, die Wunden an meinen Füßen, die der UTMB hinterlassen hat, sind halbwegs verheilt. Wir besuchen Petra, die German Trailhounds vermittelt, oder vielmehr wollen wir Joker einen Besuch abstatten, den schwarzen Rüden, den mir Petra am Telefon als sehr lebendig beschrieben hat. Der Rüde mit dem Kuhmuster war schon weg.
„Wir schauen heute nur mal“, sage ich zum wiederholten Mal zu den Kindern, die nun auf dem Rücksitz so langsam wieder wach werden.

Probelauf mit German Trailhound

Petra öffnet den Zwinger, der sich im Garten hinter dem Haus befindet. Joker stürmt heraus, tollt im Garten umher. Von mir nimmt er erst mal keine Notiz. Wir gehen vor das Haus. Joker und Lola sollen sich beschnuppern. Lola mag keine großen Hunde. Lola mag keine schwarzen Hunde. Beste Voraussetzungen also. Aber für eine erste Begegnung klappt es ganz gut. Und auf dem anschließenden Spaziergang ignorieren sich die beiden Hunde. Ich habe Laufklamotten an für einen Probelauf.
Nachdem wir an einem Pferdegatter vorbei sind, sagt Petra: „So, dann lauft mal los, wenn du willst.“
Ich laufe los, und Joker ist gleich bei mir, läuft mit mir, als hätte er das schon immer gemacht. Ich drehe um, und Joker folgt mir erneut. Seine Ohren schlackern im Wind. Sein Fell glänzt, es ist nicht komplett schwarz, seine Brust ist weiß. Ein bildhübscher German Trailhound, denke ich, auch wenn ich keinen Vergleich habe.

Erster Spaziergang mit German Trailhound Joker.
Erster Spaziergang mit German Trailhound Joker.
Gleich gibt es einen Probelauf mit Joker.
Gleich gibt es einen Probelauf mit Joker.

Spontan einberufene Familienratsitzung

„Wenn Ihr wollt, könnt Ihr ihn heute mitnehmen“, sagt Petra nach dem Spaziergang. „Das passt einfach mit Euch. Ihr könnt aber auch gerne noch ein paar Tage drüber nachdenken. Wie Ihr möchtet.“
Wir beratschlagen uns im Familienrat. Meine Frau möchte eine Nacht drüber schlafen. Ich mag spontane Entscheidungen. Mein Sohn unterstützt mich. Meine Tochter gibt sich diplomatisch unparteiisch.
„Wenn ein Hund, dann Joker“, sage ich und schaue meine Frau mit großen Augen an. „Ob wir ihn nun heute oder in einer Woche mitnehmen, macht da doch keinen Unterschied.“
Als wir mit Petra die Formalitäten erledigen, pinkelt Joker ihr vor Freude in die Küche.

Auf der Rückfahrt von Staufenberg in den Odenwald sitzt Lola auf der Rückbank bei den Kindern. In der Transportbox im Kofferraum, die wir aus Versehen viel zu groß für Lola gekauft hatten, randaliert Joker. Autofahren kennt er noch nicht. Und uns auch nicht. Irgendwann wird er ruhiger. Meine Frau und ich besprechen uns, denn wirklich vorbereitet sind wir auf Joker nicht. Wir wollten ja nur mal schauen.

Joker braucht einen neuen Namen

Der Name Joker gefällt uns nicht. Zudem denke ich, dass dies jetzt unser Hund ist und wir ihm deswegen auch einen Namen geben müssen. Aber welchen? Ich möchte ihn erstmal kennenlernen, wissen, wie er so ist. Wie hatte Petra gesagt? „Er wird euch viel Freude machen, ihr werdet ihn aber auch verfluchen.“ So oder so ähnlich.
Joker ist ein Jungspund, ungestüm, wild, aber gleichzeitig auch sehr freundlich und ohne jede Boshaftigkeit. Er zieht an der Leine, als wolle er einem die Schulter auskugeln. Er klaut mit Vorliebe Socken. Er hat Ecken und Kanten, ein weicher Name will deshalb nicht so recht zu ihm passen.
Meine Kinder haben ein paar Bücher der Reihe „Rocco Randale“, die von einem Grundschüler erzählt, der zuverlässig für Randale und Chaos sorgt. Rocco – das passt.

Seit gut zwei Monaten ist Rocco nun bei uns

Rocco, der schwarze German Trailhound, den ich zum ersten Mal kurz vor dem UTMB auf Fotos gesehen habe, ist jetzt gut zwei Monate bei uns. Sehr schöne Monate, die uns aber auch viel abverlangt haben. Er ist einfach noch ein junger Kerl, der erzogen werden muss. Und er ist sehr intelligent, clever und auch gerissen. Aber wir haben eine gute Hundetrainerin und sind schon ein gutes Stück vorangekommen.

Da sind als erstes unsere Katzen zu nennen. Unsere alte Katzendame reagierte gleich bei der ersten Begegnung souverän, verpasste Rocco ein paar Tatzenhiebe auf die Nase und hatte seinen Respekt – und ihre Ruhe. Anders unsere jungen Katzen, die sofort die Flucht ergriffen und die ersten Wochen nur zum Fressen ins Haus kamen und anschließend wieder hinausstürmten. Beutetiere aus Sicht von Rocco. Knapp sechs Wochen haben wir daran gearbeitet. Es gab ein paar unschöne Szenen, in denen wir Rocco hart angehen mussten. Aber jetzt funktioniert es sehr gut, und unser Kater Kaspar hat Rocco bereits ein paar Mal angeschmust.

In der Beziehung zu Lola ist derzeit Lola das Problem – sie ist in seiner Gegenwart angespannt und reagiert gereizt, auch wenn er nur an ihr schnuppert oder sie zum Spielen auffordert. Aber das wird schon noch.

Die Leinenführung funktioniert sehr gut, was bei einem Hund von dieser Größe und dieser Kraft sehr wichtig ist. Schließlich sollen auch die Kinder mal mit ihm Spaziergehen können.

Er hört bereits sehr gut, und die Rückrufübungen an der Schleppleine klappen bestens. Auch im Freilauf machen wir gute Fortschritte. Allerdings ist der Jagdtrieb bei diesem German Trailhound doch recht ausgeprägt, und ein paar Mal ist er uns schon ausgebüxt und hat eine große Runde durch den Wald gedreht, bevor er dann wieder zu mir zurückgekommen ist.

Viel Spaß beim Laufen über die Trails im Odenwald

Mit Rocco über Trails durch den Wald zu laufen macht einfach nur Spaß. Am Anfang war es nicht leicht, ihm das Canicross-Geschirr anzulegen, aber mittlerweile weiß er, dass dann Action angesagt ist, und lässt es sich bereitwillig überziehen. Es ist schön, gemeinsam mit ihm draußen zu sein, und ich freue mich schon darauf, dass er alt genug ist, um wirklich lange Distanzen mit mir zu laufen. Wie es ist, mit ihm zu laufen, werde ich demnächst in einem weiteren Post beschreiben.

Und vor allem hat Rocco Vertrauen und eine Bindung zu uns aufgebaut – und wir natürlich auch zu ihm.

Bilder von unserem German Trailhound Rocco:

Geschrieben von: Bert

German Trailhound: Auf den Hund gekommen

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich acht Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Transalpine Run, der mich in sieben Etappen von Fischen im Allgäu bis nach Sulden in Italien geführt hat.

Kategorie: Dies & Das
3

3 Kommentare

  • Hübsches Kerlchen, viel Spaß weiterhin zusammen 🙂

  • Das liest sich ja nach absoluter Katastrophe! Normalerweise haben die Hunde vom verrückten Stahl einen super Rückruf intus.

    Ich hab einen Husky-mix: die ist ebenfalls nicht tot zu bekommen, sieht aus wie ein Schrumpfwolf der auch bei Hitze läuft… Und läuft..
    Der jagdtrieb ist aber enorm. Sowas hab ich noch nie nach über 13 Jahren berufsleben mit verschiedensten Hunden erlebt.
    Der Stahl meinte mal irgendwo die blöden Siberian Huskys gehen einem immer von der Fahne… Und jetzt passiert das euch mit so einem wunderhund vom Hein.
    Also entweder der Stahl macht utopische Werbung für seine Hunde oder ihr seit keine wahrhaft guten hundler … Selbst mein abartig unkonzentrierter Husky Mix geht mir nicht mal im Freilauf von der Fahne.

    Ok, ich bin eben ein Vollbluthundler und mir kämen nie Katzenviecher in meinen Haushalt…

    Wie steht es denn um die Gesundheit des Rocco?

    Der Stahl züchtet ja Inzucht mäßig und ich hab schon viel über Krankheiten und Gammel beim GTH gehört. Ist da was dran?

    • Hallo Sag ich nicht,

      wo hier die absolute Katastrophe liegen soll, sehe ich nicht. Rocco ist mit vier Monaten zu uns gekommen, den Bericht habe ich verfasst, als Rocco sechs Monate war und wir noch in den Anfängen der Ausbildung waren. Und da soll ein Hund schon perfekt abrufbar sein?
      Die Gesundheit ist hervorragend. Rocco stammt auch nicht von Stahl, sondern von Baumann und ist zudem ein Outcross.

      Noch eine Anmerkung: Generell finde ich es schön, wenn ich zumindest den Vornamen erfahre, wenn hier jemand einen Kommentar verfasst. Ist kein Muss, aber irgendwie einfach netter.

      VG
      Bert

Mitreden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.