Höllengebirge in Österreich

Das Highlight im Training für den Transalpine Run (TAR): Über das Höllengebirge mit Freunden und Hund

Die gefürchtete neunte Trainingswoche für den Transalpine Run ist mit 158 Kilometer und 4.795 Höhenmetern geschafft. Das Training läuft gut, sogar über Plan, und zu den geplanten Highlights – Drei-Länderradtour in einem Rutsch und Trailrun über das Höllengebirge in Österreich – kamen weitere Highlights (das Ucka-Gebirge in Kroatien) hinzu, die die Vorbereitung für den Transalpine Run zu meinem bislang schönsten und abwechslungsreichsten Training gemacht haben.

Wie kamen mein Laufpartner Patrick und ich ins Höllengebirge, das im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes liegt und damit nicht gerade um die Ecke vom Odenwald? Es war zu Trainingsbeginn, als uns Josef auf Twitter fragte, wann wir denn vorhätten, zu einem gemeinsamen Trainingswochenende nach Österreich zu kommen. Ein gemeinsames Wochenende hatten wir natürlich in Planung, an Österreich hatten wir aber nicht gedacht. Schließlich wohnt Patrick in der Nähe von München und da ist die Zugspitz-Arena nicht fern. Aber warum eigentlich nicht? Eine schöne Gelegenheit, unsere Twitter-Freunde endlich mal persönlich kennenzulernen.

Im Ferienverkehr nach Österreich

Und so sitzen wir am 15. Juli morgens um 5 Uhr im Auto und fahren Richtung Salzburg. Ebenfalls mit dabei: Mein Hund Rocco, der sich eine alpine Tour nicht entgehen lassen wollte. Es schüttet, und wir kommen im dichten Verkehr elend langsam voran. Immer wieder stockt es. Ferienbeginn. Und so erreichen wir fast zwei Stunden später als geplant den vereinbarten Treffpunkt in Weißenbach am Attersee.

Die Begrüßung ist herzlich, denn auch wenn wir uns noch nicht persönlich getroffen haben, hat man durch den langjährigen intensiven Austausch auf Twitter das Gefühl, sich bereits recht gut zu kennen. Neben Josef sind Gunter und Demeter mit von der Partie. Kurz das Gepäck umgeladen, dann geht es in einem Auto zum Start der Tour nach Ebensee, wo wir mit Manuel einen weiteren Läufer begrüßen können. Kurz noch Rocco das Geschirr umgeschnallt, dann geht sie los, die Überquerung des Höllengebirges.

Streckenverlauf unserer Überquerung des Höllengebirges
Streckenverlauf unserer Überquerung des Höllengebirges mit Start in Ebensee und Ziel am Attersee.
Das Höhenprofil unseres Trailruns über das Höllengebirge
Das Höhenprofil unseres Trailruns über das Höllengebirge: Insgesamt 2.546 Höhenmetern haben wir an diesem Tag überwunden.

Die Höllengebirgstour beginnt harmlos

Der Regen hat aufgehört, als wir im gemächlichen Tempo über schmale Waldpfade nach oben steigen. Noch sind die Trails einfach zu laufen, aber das wird sich noch ändern. Knapp 1.200 Höhenmeter legen wir auf den ersten sieben Kilometern zurück. Es ist kühl hier oben auf 1.600 Metern, der Wind weht eisig und mischt sich mit einem feinen Regen. Wir ziehen unsere Regenjacken an und laufen ein Stück bergab. Die Trails werden technischer. Ich lasse mich mit Rocco zurückfallen. Bergab kann ich mit ihm nicht so schnell laufen: Zum einen verdeckt er mir die Sicht auf den Trail, zum anderen ist immer zumindest ein leichter Zug auf der Leine, da kommt man auf den regennassen Steinen schnell ins Rutschen. Trotzdem macht es Spaß, über die Steine und Wurzeln zu laufen, ich setze die Stöcke und sichere meinen Lauf ab.

Das Höllengebirge zeigt seine höllische Seite

Es wird karger, felsiger, und dann offenbart das Höllengebirge, dass es in der Tat höllisch sein kann. Kein Pfad ist mehr erkennbar, es geht über Felsen mit tiefen Kluften. Rocco weiß nicht, wo er lang soll. Ich klettere voraus – an Laufen ist hier nicht zu denken – und versuche ihm so, den Weg zu weisen. Er bleibt mit einer Pfote in einer engen Kluft stecken, Josef hilft mit und mit vereinten Kräften bugsieren wir ihn über diese höllische Passage. Es wird noch steiler. Ich mache Rocco los, er soll sich seinen eigenen Weg suchen. Und als hätte er nur darauf gewartet, kraxelt er wie eine Bergziege nach oben, vorbei an Patrick, Manuel und Demeter, die vor uns sind.

Und dann muss er wohl eine echte Bergziege gesehen haben, denn als wir alle oben angekommen sind, fehlt von Rocco jede Spur. Ich rufe. Keine Reaktion. Durch die dichten Büsche können wir das Gelände nicht überblicken. Ich klettere dahin, wo er verschwunden ist. Links geht es steil bergab in eine schmale Höhle, rechts wieder nach oben in dichtes Gebüsch. Wir schwärmen aus, alle beteiligen sich an der Suche. Manuel geht links über den Berg herum, Patrick und Demeter nach rechts. Immer wieder rufe ich, mit meiner hohen Engelsstimme, die klar machen soll, dass es keinen Ärger gibt, wenn er zurückkommt.
„Rocco, hiiiiier zu miiiiir.“
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergeht, dann höre ich Patrick rufen: „Demeter hat ihn!“ Ich bin einfach nur erleichtert.

Zum Regen gesellt sich Hagel

Rocco ist nun vollkommen überdreht. In solchen Situationen merke ich, dass er noch ein junger Hund ist – der wohl immer noch die Bergziege in der Nase hat. Er zerrt wie bekloppt. Der Regen wird wieder heftiger, wechselt sich mit leichten Hagelschauern ab. Bergab geht es jetzt nur noch sehr langsam. Die Steine sind rutschig, die Trails technisch, der Hund zerrt, und meine X-Talon 200 sind sicher prima Fellrunning-Schuhe, für nassen Fels sind die Stollen aber zu hart und haben keinen Grip. Manuel, Patrick und Demeter laufen vor, Gunter, Josef und ich bilden die Nachhut.

Das Wasser läuft mittlerweile in Rinnsalen den Pfad entlang. Und trotzdem habe ich Spaß. Ich mag die Berge – egal bei welchem Wetter. Und ich mag es, den Elementen zu trotzen, wozu wir heute reichlich Gelegenheit haben. Zudem ist das Höllengebirge faszinierend: Der karge Wettersteinkalk mit den vielen grünen Inseln und immer wieder ein Ausblick auf die umliegenden Seen. Bei Kilometer 19 machen Gunter, Josef und ich im Hochleckenhaus eine Pause. Der Kamin heizt die Stube und wärmt uns.

Am Gipfelgrad entlang Richtung Attersee

Als wir uns gestärkt wieder auf den Weg machen, hat sich Rocco beruhigt. Über Wiesen geht es bergab und bald erreichen wir den schönsten Teil dieses Abenteuers im Höllengebirge: Wir laufen am Gipfelgrad am Mahdlgupf entlang und haben einen grandiosen Blick hinunter auf den Attersee. Es regnet nicht mehr, und wir können fast die Sonne erahnen.

Nach etwas über neun Stunden erreichen wir die Autos. Ein toller Ritt war das, die Überquerung des Höllengebirges mit 31,9 Kilometern und 2.546 Höhenmetern. Abends bei Bier und Nudeln zu Hause bei Josef, der Patrick und mich für das Wochenende bei sich aufgenommen hat, fühle ich mich gut, bereit für Teil 2 unseres Trainings-Wochenendes für den Transalpine Run, bei dem wir am nächsten Tag gemeinsam mit Josef die Grünbaum- und Traunsteinrunde mit 22 Kilometern und 889 Höhenmeter drehen werden. Rocco wird noch einmal sein Klettertalent unter Beweis stellen können. Und dieses Mal wird er mir nicht ausbüxen.

Ein paar Bilder (vielen Dank an Manuel) von unserer Tour über das Höllengebirge

Geschrieben von: Bert

Gemeinsam über das Höllengebirge in Österreich

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich acht Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Transalpine Run, der mich in sieben Etappen von Fischen im Allgäu bis nach Sulden in Italien geführt hat.

Kategorie: Läufe
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