inov-8 Race Ultra 270: Ein minimalistischer Trailschuh für lange Distanzen

Als inov-8 im vergangenen Jahr den Race Ultra 290 herausbrachte, war ich im ersten Moment begeistert — ein Ultradistanz-Trailschuh von inov-8, das kann doch nur ein genialer Wurf sein. Dachte ich. Dann ein Blick auf die Daten: 8 Millimeter Sprengung. Das ist doch nicht typisch inov-8, deren Stärke doch im minimalistischeren Bereich liegt. Aber wer weiß. Ab nach Darmstadt zum nächstgelegenen Laufshop, der inov-8 führt, und das Modell in die Hand genommen. Viel Schuh, verdammt viel Schuh. Schwer, klobig, unsexy. Jedenfalls für inov-8, für Asics & Co. das normale Maß. Schuh zurück ins Regal gestellt und enttäuscht nach Hause gefahren. Aber dies war zum Glück nicht das letzte Wort in puncto Race Ultra, denn noch in 2014 wurde der Race Ultra 270 angekündigt: leichter, mit 4 Millimetern Sprengung deutlich flacher und in zwei Farbvarianten, die alles andere als langweilig aussahen.

Ein Trailschuh, der einfach Spaß macht

Zwei Wochen vor dem Transgrancanaria konnte ich einen ersten 12 Kilometer-Lauf mit dem Race Ultra 270 machen — und war sofort begeistert. Die Trailroc-Modelle laufe ich ja bereits seit einiger Zeit sehr gerne, der Race Ultra 270 gefällt mir noch besser. Dies liegt insbesondere an der Sohle: Sie ist flexibel, wie man im Video sehen kann, aber ein wenig steifer als beim Trailroc und vor allem flacher; der Schuh bietet somit mehr Stabilität und erlaubt es dem Fuß dennoch, sich natürlich zu bewegen. Eine durchgehende Rockplate schützt vor spitzen Steinen. Das Profil gibt ordentlich Halt auf Waldwegen, bei Matsch und Fels (bei Geröll konnte ich den Race Ultra 270 bislang nicht testen, das ist vor meiner Haustür eher rar). Der Halt im Schuh ist sehr gut, auch wenn er nicht über eine feste Fersenkappe verfügt. Die Zehen sind im vorderen Bereich gut geschützt, ansonsten ist die Protektion eher gering, wie dies für inov-8 typisch ist. Und der Race Ultra ist schnell, er trägt seinen Namen zu recht.

Am nächsten Tag lief ich mit ihm den letzten längeren Vorbereitungslauf vor dem Transgrancanaria mit 33 Kilometern, ohne Probleme, Blasen oder sonstige Zickereien. Dieser Schuh macht einfach Spaß. Er ist ein wenig gedämpfter Trailschuh, aber dennoch sehr bequem. Kurz überlegte ich sogar, ob ich ihn beim Transgrancanaria tragen sollte. Aber dafür hatte ich einfach noch zu wenig Erfahrung mit dem Race Ultra machen können und entschied mich beim Salomon Sense Pro zu bleiben, der sich schon beim Zugspitz Supertrail und Pfalztrail bewährt hatte. Ein bisschen vernünftig sollte man bei einem 85 Kilometer langen Lauf ja schon zu Werke gehen.

Der Race Ultra 270 im Vergleich mit dem Salomon Sense Ultra

Am ehesten ist der Race Ultra 270 vielleicht mit dem Salomon Sense Ultra zu vergleichen, über den ich hier auch schon begeistert berichtet hatte, da beide über 4 Millimeter Sprengung verfügen. In meinen Augen ist der Race Ultra 270 aber der bessere Schuh oder, neutraler formuliert, er passt besser zu meinen Füßen. Zum einen ist er breiter geschnitten, und zum anderen hat es inov-8 irgendwie geschafft, diesen Trailschuh trotz der minimalistischen Dämpfung äußerst komfortabel zu gestalten — komfortabler als das Salomon mit ihrem Racer geschafft hat. Der einzige Nachteil im Vergleich zum Salomon ist das höhere Gewicht von nachgemessenen 300 Gramm bei Größe 44.5 — da wiegt der Sense Ultra ganze 60 Gramm weniger.
Die Qualität ist nach den gut 150 gelaufenen Kilometern sehr gut: kein erkennbarer Abrieb an der Sohle, keine Ermüdungserscheinungen am Obermaterial.

Fazit: mein neuer Lieblingsschuh

Der Race Ultra 270 ist definitiv ein Racer, aber ist er auch ein Ultra, eignet er sich also für die ganz langen Läufe? Sicherlich nicht für alle Läufer, denn dafür ist die Dämpfung einfach zu gering. Ich bin ihn, wie gesagt, bislang bis maximal 33 Kilometer gelaufen, was für mich kein Problem war. Der echte Härtetest steht aber noch aus — in der Vorbereitung für den Zugspitz Ultratrail werde ich zwei Läufe mit knapp 50 Kilometern machen. Wenn das gut läuft, wird der Race Ultra 270 meine Wahl für diesen 100 Kilometerlauf sein. Fest steht schon jetzt, dass der Race Ultra 270 mein neuer Lieblingsschuh ist und eine klare Empfehlung für alle Trailläufer, die gerne flach und schnell unterwegs sind und dabei nicht auf Komfort verzichten wollen.

inov-8 Race Ultra 270
Der inov-8 Race Ultra 270 in grün-schwarz. Er ist auch in einem knalligen Rot erhältlich.
inov-8 Race Ultra 270 in Frontansicht
Der Zehenbereich ist gut geschützt.
Die Fersenkappe ist flexibel.
Die Fersenkappe ist flexibel.
Die durchgehende Rockplate des Race Ultra 270 sorgt für guten Schutz.
Die durchgehende Rockplate des Race Ultra 270 sorgt für guten Schutz vor spitzen Steinen.
inov-8 Race Ultra 270
Schöne Details: Muster beim Race Ultra 270

Update 13.6.2015: Wie Ultra ist der Race Ultra?

Hier das versprochene Update: Nach einem Trainingslauf für den Zugspitz Ultratrail von 4.5 Stunden steht für mich fest, dass ich ihn nicht mit dem Race Ultra 270 laufen werden. Warum nach der ganzen Begeisterung? Ich laufe den Schuh immer noch sehr gerne, aber der oben beschriebene Komfort wird für mich ab Kilometer 30 zu einem Problem. Der Schuh gibt durch den breiten Schnitt viel Bewegungsfreiheit, was meine Füße in dieser Form auf solchen Strecken einfach nicht gewohnt sind. Mein Sprunggelenk find an zu meckern. Ich werde in Grainau daher mit dem Salomon S-Lab Ultra und dem Sense Pro antreten, die durch die Sensifit-Technologie den Fuß enger umschließen und besser führen. Der Race Ultra 270 bleibt ein super Schuh — ein Ultra ist er für meine Füße aber (erst einmal) nicht.

Update 02.09.2015: Doch richtig Ultra, der Race Ultra

Schon wieder muss ich mein Urteil revidieren. Der Salomon S-Lab Ultra SG 4 machte zwar beim Zugspitz Ultratrail einen super Job, mir danach aber auch gehörige Probleme – gerade wegen der engen Führung des Fußes, die ich im Juni noch so gelobt hatte. Ich vermute zumindest, dass der enge Schnitt des Schuhs für die Schleimbeutelentzündung im linken Fuß verantwortlich war, da er den Zehen zu wenig Raum gelassen hat. Daher setzte ich beim TDS alles auf eine Karte und ging mit dem Race Ultra 270 an den Start.

Was soll ich sagen – der Race Ultra machte auf den 119 Kilometern und 7.200 Höhenmetern einen perfekten Job. Keine Probleme mit den Füßen, den Gelenken, den Schleimbeuteln, den Sehnen. Nur eine kleine Blase an der Ferse, aber das will ich ihm bei dieser Distanz gerne nachsehen. Bei Kilometer 60 hatte ich Schuhe zum Wechseln deponiert (u.a. den Sense Pro) – ich ließ sie im Beutel.

Komme ich nun also zu einem abschließenden Urteil: Der Race Ultra 270 bleibt mein Lieblingsschuh – auch nach mittlerweile über 500 gelaufenen Kilometern. Und er ist so richtig Ultra.

Geschrieben von: Bert

Race Ultra 270 von inov-8: Test nach 500 Kilometern

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich acht Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Transalpine Run, der mich in sieben Etappen von Fischen im Allgäu bis nach Sulden in Italien geführt hat.

Kategorie: Tests
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12 Kommentare

  • Habe diese Rakete auch gerade zum testen an Füßen und bin ebenfalls ziemlich begeistert.
    Echt ein toller Schuh mit einer Menge Potential!

    • Hi Steve,
      wir scheinen einen ähnlichen Geschmack zu haben, was Trailschuhe anbelangt. „Rakete“ trifft den Race Ultra 270 sehr gut. Freue mich schon auf deine Rezension.
      VG
      Bert

  • Seit kurzem bin ich auch mit dem Race Ultra 270 unterwegs und bisher auf eher kurzen, steilen und zum Teil sumpfigen Gelände gebraucht. Ich bin total begeistert vom Schuh und freue mich auf weitere Trainingseinheiten mit ihm.

    • Hi Roger,
      dank dir für deinen Kommentar und willkommen bei mir im Blog. Freut mich, dass dir der Race Ultra auch so gut gefällt.
      VG
      Bert

  • dann muss ich der erste sein, der was dagegen sagen muss!

    ich bin ein Engländer der neulich nach Trail-paradies Wien gezogen ist. Seit schon lange her trailroc fan (hab schon 3x 235 gehabt), und wollte was kaufen, dass gut für die Mischung von harte, ‚gebackene‘ trails und straßen, die es hier in der Österreischischen Hauptstadt gibt. Fand schon am Anfang dass die 270s VIEL steifer/unflexibler waren als trailrocs. Die waren ausreichend auf trail, aber auf den Straßen hatte ich den Gefühl, dass ich zwei Stücke Holz auf den Füßen hatte.

    Hab mich an leichte, flexible Schuhe daran gewöhnt, aber wollte ein bißchen dicker, für Ultra Strecken geiegnete Schuhe kaufen…. Leider waren die 270s nicht das, was ich haben wollte. Dünn aber steif, und die Sprengung (ich laufe normalerwiese in zero-drop) war aufmerksam und unbequem. Für lange Strecke sind die Altra Lone Peaks immer noch die beste Schuhe, meine Meinung nach.

    Still love my trailroc 235 and f-lite 192, but the 270 is the first inov-8 shoe I owned that gets a thumbs-down from me!

    • Hi Ross,
      vielen Dank für deinen Beitrag! Das kann ich gut nachvollziehen – wenn man lange Zeit den Trailroc 235 gelaufen ist, ist der Race Ultra sicherlich ungewohnt steif. Auch die vier Millimeter Sprengung werden sich nach Zero Drop komisch anfühlen. Mir geht es da ähnlich, wenn ich einen Schuh laufe, der mehr als 6 Millimeter Sprengung hat.
      Den Altra Lone Peaks hatte ich mir auch schon mal angesehen. Ich bin allerdings vor der doch sehr starken Dämpfung zurückgeschreckt. Hat man da noch ein Gefühl für den Trail?
      Viele Grüße
      Bert

  • Hei hei,
    Ich laufe im juni einen 62 km ultratrail in der nähe von Stavanger mit ( meinen ersten) Dieser hat Zu beginn eine ca 10 km lange Pasage über Strasse bevor es auf den trail geht. Dafür suche ich noch den passenden Schuh, ich bin mit ca 100kg bei 2 meter relativ schwer, würdest du den 270 trotzdem empfehlen oder sollte ich eher den 290 nehmen? Zur Zeit laufe ich meine reinen trailrunden mit nem mizuno hayate, inov8 roclite 282 GTX ned dem asics runagade( nicht so glücklich mit)
    Grüße Guido

    • Hallo Guido,
      willkommen in meinem Blog und vielen Dank für deinen Beitrag. Der Race Ultra 270 lässt sich aufgrund der flachen Sohle sehr gut auf Asphalt laufen. Ob du besser den 290er nehmen solltest? Es ist für mich einfach ein anderer Schuh, insbesondere aufgrund der 8mm Sprengung. Aus diesem Grund könnte ich ihn nicht laufen. Wenn du mit der höheren Sprengung keine Probleme hast und auf Nummer sicher gehen willst, machst du mit dem 290 aber sicher nichts verkehrt. Das mit dem Gewicht ist schwer für mich zu beurteilen, da ich selbst fast 40kg weniger wiege – prinzipiell sollte sich der Schuh auch für höheres Gewicht eignen.
      VG
      Bert

  • Hallo Bert,
    Echt toller Blog. Kompliment!! Ich selbst bin ein begeisterter Inov Läufer. Habe während des Jungel Marathon im Amazonas den Rocklite 295 getragen. Für mich war die grosse Toebox sehr wichtig auf solch langen Strecken und ich hatte keine Probleme mit Blasen. Auch der Halt im Schuh war echt toll. Der Einzige Nachteil, welcher ich nun bei diesem Schuh wie auch dem Inov X-Talon 200 hatte ist, dass ich schon nach kurzer Zeit Löcher im Gewebe hatte (Vom stetigen Knicken). Dies jeweils auf beiden Seiten. So machte ich mich auf die Suche nach anderen Schuhen und bin auch jetzt noch nicht fündig geworden. Bei allen Schuhen habe ich immer das selbe Problem. So nun auch beim La Sportiva. Der nächste grössere Lauf steht in einem Monat an und ich bin nun etwas ratlos. Wieder zurück zu Inov, welche ich ja eigentlich vom Laufen her einfach nur toll finde oder weitersuchen? Welcher Schuhe würdest Du empfehlen für einen 101 km Lauf mit fast 7000 Hm? Hast Du bereits Erfahrungen mit dem Trailtalon 250/275?. Besten Dank für Dein Feedback. LG aus der Schweiz

    • Hallo Simon,

      lieben Dank für dein Feedback – freut mich sehr.

      Ich hatte bislang nie Qualitätsprobleme bei inov-8, außer dass sich mal die Grafik abgelöst hat. Den TDS mit 120km und 7000hm bin ich letztes Jahr mit den RaceUltra 270 gelaufen – was eine sehr gute Wahl war. Allerdings war es ein trockener Lauf, denn bei richtig viel Matsch gerät die Sohle an ihre Grenzen. Den Trailtalon 250 habe ich gerade zum Testen erhalten. Da erscheint in Kürze eine Rezension. Ich bin sehr gespannt auf diesen Schuh. Vielleicht meine Wahl für den UTMB im August.

      Viele Grüße
      Bert

  • Hi Bert,

    Paul hier von Twitter aka paul_running 😉
    Bin überglücklich deinen Bericht gefunden zu haben – super geschrieben und macht echt Lust, diesen Schuh anzuziehen und auszuführen 😉
    Eine Frage habe ich noch: Wie fällt der Schuh in der Größe aus? Meine tatsächliche Fußgröße beträgt ca. 28,5cm, was einer UK 9.5 entspricht. Ich würde in jedem Fall auf eine 10.5 (UK) gehen, wenn der Schuh klein ausfällt auch auf eine 11 UK. Was meinst du?
    Laufe aktuell fast ausschließlich Altra… 

    Danke für eine kurze Rückmeldung!
    p.s. Bist du eigentlich auf Strava?

    • Hi Paul,

      schön, dich hier zu lesen. Ich laufe in der Regel eine EU44, auch beim RaceUltra 270 – da passt er mir perfekt. In Altras laufe ich eine EU44.5. Musst aber schauen, ob du den Schuh noch kaufen kannst. Er wird von inov-8 leider nicht mehr hergestellt. Nachfolger ist der TrailTalon 250, der für mich aber nicht gepasst hat.

      Auf Strava bin ich auch zu finden: https://www.strava.com/athletes/12107576

      VG
      Bert

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