inov-8 TrailTalon 250

Den Untergrund hautnah erleben mit dem TrailTalon 250 von inov-8

Ich bin irritiert – diese ersten Hundert Meter fühlen sich ganz anders an als erwartet. Der Waldboden ist vom Regen der vergangenen Nacht aufgeweicht, Äste hat es von den Bäumen geweht. Über eine Wiese geht es einen kurzen Wurzelhang hinauf zu einem mit Steinen gespickten Forstweg. Meine Fußsohlen erleben den Untergrund sehr intensiv, denn die neuen inov-8 TrailTalon 250 geben auch kleine Unebenheiten direkt weiter, viel direkter als die RaceUltra 270, die sie ersetzen sollen. Da ist keine Rockplate, die Steine filtert. Die Sohle ist extrem flexibel und weich und lässt sich – wie ich später teste – per Hand ohne Kraftaufwand in alle möglichen Richtungen biegen. Gefällt mir dieses Laufgefühl? Zu früh für ein Urteil, noch bin ich keinen Kilometer mit den TrailTalon 250 gelaufen.

Der inov-8 TrailTalon 250: Daten und Fakten

Werfen wir vorab einen Blick auf die Fakten: Der inov-8 Trail Talon 250
– hat eine Sprengung von 4mm,
– wiegt nachgemessene 252g bei Schuhgröße 44,
– hat eine weiche Fersenkappe,
– einen breiten Vorfußbereich, der den Zehen viel Platz zur Entfaltung bietet,
– verfügt über die neue Powerflow-Zwischensohle, die für mehr Dämpfung und eine bessere Energierückgewinnung sorgen soll, und
– hat eine integrierte Gamaschenbefestigung.

Kribbelnde Fußsohlen

Vom Forstweg biege ich auf einen Singletrail ein, der mit einem dichten Laubmeer bedeckt ist. So langsam gewöhne ich mich an dieses direkte Laufgefühl. Und die TrailTalon 250 machen mir von Meter zu Meter mehr Spaß. Und ich bin schnell unterwegs. Zumindest fühlt es sich so an. Unter Nadelbäumen biege ich auf einen steilen Downhill ab. Der Boden ist nass und rutschig. Aber die Sohle gibt sicheren Halt, vermittelt Zutrauen, das Tempo noch ein wenig zu forcieren. Nach 14 Kilometern komme ich wieder zu Hause an. Meine Fußsohlen kribbeln, ich merke, dass sie mitarbeiten mussten.

Mittlerweile bin ich knapp 100 Kilometer mit den inov-8 TrailTalon 250 gelaufen. Er erinnert mich mehr an den Roclite 243 als an den RaceUltra 270 mit dem er – trotz der zahlreichen Gemeinsamkeiten – vom Laufgefühl nur sehr wenig gemein hat. Er ist schnell, leicht, extrem direkt und hat eine hervorragende Sohle. Er eignet sich für trainierte Läufer, die Abwechslung in ihr Training bringen und gleichzeitig auch ihre Füße trainieren wollen, denn die haben bei den TrailTalon 250 ordentlich was zu tun.

Ist der TrailTalon 250 ein Trailschuh für Ultraläufe?

Eignet sich der inov-8 TrailTalon 250 aber auch für Ultradistanzen und kann er somit den RaceUltra 270 ersetzen? Ich finde nicht. Er bringt hervorragende Voraussetzungen mit, und in puncto Grip ist die Sohle des TrailTalon 250 sogar überlegen. Was einfach fehlt, ist eine Zwischensohle oder eine Rockplate, die die Fußsohle besser schützt. Es macht Spaß, den Untergrund hautnah zu erleben, aber nicht auf Distanzen von mehr als zwanzig Kilometern. Irgendwann möchte ich einfach nicht mehr jeden Stein spüren. Vielleicht fehlt mir noch die entsprechende Hornhaut. Vielleicht ist der TrailTalon 275 besser für Ultraläufe geeignet, aber den kann ich bei einer Sprengung von 8mm nicht laufen.

Was ich mir wünsche? Einen RaceUltra 270 mit der Sohle des TrailTalon 250. Und mehr Kontinuität seitens inov-8 bei der Produktentwicklung. Warum man den RaceUltra 270 bereits nach einem Jahr wieder abkündigt, kann ich nicht nachvollziehen. Denn einen Ersatz stellt der TrailTalon 250 nicht da.

Seitenansicht inov-8 Trail Talon 250
Seitenansicht inov-8 Trail Talon 250. Optisch ein absoluter Hingucker. Sehr gelungenes Design.
Innenansicht des Trailschuhs
Macht von beiden Seiten eine gute Figur.
Standard-Schnitt
„Standard“-Schnitt: Der breite Vorfußbereich gibt den Zehen viel Raum.
Weiche Fersenkappe.
Die Fersenkappe ist nicht verstärkt und schön weich.
Frontansicht des Trail Talon 250.
Auch von vorne schön anzusehen: Trail Talon 250.
Die Sohle des inov-8 TrailTalon 250.
Die Sohle des inov-8 TrailTalon 250 ist spitze. Wenn sie jetzt noch die Fußsohle mehr schützen würde, wäre dies ein Schuh auch für lange Distanzen.

Der TrailTalon 250 wurde mir von inov-8 kostenlos für diesen Test zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf meine Bewertung. Vorgefertigte Meinungen haben im meinem Blog nämlich nichts zu suchen.

Geschrieben von: Bert.

inov-8 TrailTalon 250: ein sehr direktes Laufgefühl

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Tests
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13 Kommentare

  • Danke Bert, dann muss ich mir das Modell mal demnächst anschauen. Für mich war der Race Ultra 270 nämlich leider ein Fehlkauf, weil mir die Sohle zu fest und zu unflexibel ist.
    Viele Grüße in den Odenwald!
    Katrin

    • …mir persönlich war die Sohle zu fest und zu unflexibel. Ich finde den TrailTalon 250 perfekt. (macht sich übrigens auch gut auf der Straße)

      sportliche Grüße Frank

      • ich meinte natürlich..die Sohle „auch“ zu…

      • Hi Frank,
        das stimmt – daran muss man sich gewöhnen. Und auf Distanzen bis zu 20 Kilometer finde ich die flexible Sohle des TrailTalon auch super. Aber bei Ultraläufen bin ich froh, wenn der Schuh mir ein bisschen Arbeit abnimmt. Und das macht der RaceUltra 270 in meinen Augen einfach besser als der TrailTalon 250.
        Viele Grüße
        Bert

    • Hi Katrin,
      dann solltest du den TrailTalon 250 auf jedenfall mal ausprobieren.
      Viele Grüße in den Taunus
      Bert

  • Hallo Bert,

    deine Idee mit dem Austausch der Sohle wäre nicht in Deinem Interesse, denn die steife Außensohle des Race Ultra 270 ist auch gleichzeitig die „Rockplate“.

    Sportliche Grüße
    Frank

  • Hi Bert

    Ich bin auf der Suche nach einem neuen Trailschuh. Aufgrund unzureichendem Steinschutz, bin ich von den FiveFingers zu den Merrel Trailgloves gewechselt. Doch auch diese lassen einen jeden Fehltritt schmerzlich spüren. Ist der Traitalon 250 hier verzeihender? Ich befinde mich in dem Dilemma, dass mit zunehmendem Schutz meist auch die Sprengung zunimmt. Seid 4 Jahren Laufe ich ausschließlich mit 0mm Sprengung. Daher möchte ich die 4mm nicht überschreiten.

    Ansonsten tolle Blog!
    Viele Grüße,
    Nicolas

    • Hallo Nicolas,
      ja, da bietet der TrailTalon 250 mehr Schutz. (Meine Tochter läuft die Trailgloves, daher kann ich ganz gut einen Vergleich ziehen.) Die TrailTalon könnten da eine gute Wahl für dich sein, das die Sohle sehr flexibel ist und du dich daher nur an die 4mm mehr Sprengung gewöhnen musst. In meinem Schuhschrank habe ich noch ein Paar Trailroc 235 mit Zero-Drop, aber die werden leider nicht mehr hergestellt. Die könnten auch eine gute Alternative sein. Vielleicht findest du ja noch welche online.
      Viele Grüße
      Bert
      PS: Danke dir auch für dein Feedback – freut mich!

  • Es ist alles nur eine Frage des Trainings. Der Fuß braucht keine Sprengung und keinesfalls eine gedämpfte Sohle beim Vorfußlauf. Da ich selbst jedoch ungern ganz barfuß laufe, trage ich aktuell Xeroshoes Amuri Z-Trek – Barfußschuh-Sandalen. Für geschlossene Schuhe empfehle ich echte Barfußschuhe. Diese haben niemals irgendeine Sprengung, haben eine flexible Sohle und vorne viel Platz. Anführen kann man z.B. Schuhe von Vivobarefoot. Alles andere wie z.B. 4mm-Sprenung und ein dickes dämpfendes Profil ist doch nur ein fauler Kompromiss.

    • Ich gebe dir Recht, Born to Run, es ist eine Frage des Trainings. (Gleichnamiges Buch lese ich übrigens gerade.) Ich laufe erst seit Anfang Febr. 2016 barfuß. 10 km Intervalltraining barfuß auf Rasen sind mittlerweile überhaupt kein Problem für mich. Auf Asphalt laufe ich mit selbstgebastelten 6mm-Vibram-Sandalen (längste Strecke 27 km) und Trail seit 4 Wochen mit meinen Luna Monos (10 mm dicke Sohle). Ich bin mit den Lunas jetzt mehrmals im Siebengebirge gemütlich 17-22 km und zuletzt recht zügig 25 km gelaufen und gerade der letzte Lauf war echt heftig über die harten Steine dort. Sprengung brauche ich prinzipiell auch keine, aber eine gute Dämpfung im Vorfuß gegen harte Steine, vor allem Downhill und im Wettkampftempo. Gemütliches Laufen über harte Steine bis ca. 20 km geht für mich mit den Lunas schon gut, aber sobald es in Richtung Wettkampftempo geht, ist das nach einer Weile nur noch Quälerei. Es dauert halt eine Weile, bis die Ballen sich an die extreme Belastung gewöhnt haben. Daher tendiere ich gerade doch dazu, mir z.B. die Race Ultra 270 mit Rockplate o.Ä. übergangsweise zu holen.

  • Ich hab den Talon250 nun beim TrailmaniakWörtherSee Ultra 62km getestet. Mir ging es wie dir,Bert. Am Anfang ungewohnt sehr direkt, an was man sich bald gewöhnt. Einmal im Gelände angekommen fliegt man förmlich über jeden Untergrund. Der Schuh passt sich an, greift überall fest zu, egal ob nasser Fels, nasse Wurzeln, Gras, Laub irgendwas. Ich fühlte mich so sicher im Tritt, unglaublich. Wo Mitläufer rutschten, griffen diese Sohlen wie ein Einser.
    Nur auf den Asphaltpassagen fand ich ihn fürchterlich. Bis etwa 35km war das gut, dann tat es mir einfach weh, so das ich den Strassenrand suchte und dort lief es wieder. Liegt vielleicht daran, dass ich 4mm nicht so gewöhnt bin und so eine Wadensprenger an mir wähnte. Demzufolge tun mir nun die Fersen etwas weh.
    Also bis Marathon mögen sie richtig toll sein, aber länger geht zwar, ist aber nicht ideal.
    Auch fehlte mir etwas mehr Schutz gegen Steine und Wurzeln umlaufend.
    Eventuell sollte mir der Talon275 mit 8mm besser liegen, bei gleichen Sohleneigenschaften

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