Keep on Running 2014: Ein perfektes Trailrunning-Wochenende

Eigentlich passte mir dieser Trailrunning-Wettkampf nicht so richtig ins Konzept. Eigentlich hatte ich – dank einer Sehnenentzündung – viel zu wenig trainiert und war nach fünf Wochen Pause erst knappe 20 Tage wieder aktiv am Laufen. Eigentlich hatte ich Angst, dass diese vielen Kilometer an einem Wochenende zuviel für meine gerade abgeklungene Entzündung sein könnten. Andererseits hatte ich aber richtig Lust auf Keep on Running 2014 in Alzenau und Mömbris, denn bislang hatte ich noch nie an einem Trailrunning-Wettkampf teilgenommen.

Über 1.000 Starter bei Keep on Running 2014

Angemeldet hatte ich mich für das Triple von Keep on Running 2014, also für insgesamt 55 Kilometer und über 1.800 Höhenmeter. Mein längster Lauf in diesem Jahr lag bei gut 24 Kilometern. Ob ich alle drei Rennen packen würde? Nimm das Wochenende als Training, sagte ich mir, als lockere Läufe im Grundlagenbereich. Im Juni steht schließlich der Zugspitz Supertrail mit 60 Kilometern und knapp 3.000 Höhenmetern an. Da ist Keep on Running 2014 doch keine schlechte Vorbereitung. So zumindest der Plan.

Freitag, 11. April 2014: CityNight Sprint durch Alzenau 2.5 km, 15 hm

Los geht’s mit Keep on Running 2014 am Freitag mit einem CityNight Sprint durch Alzenau. Gestartet wird in Abständen von je 10 Sekunden. Mit meiner Startnummer 19 gehöre ich zu den ersten, die auf die Strecke geschickt werden. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 – eine gut sichtbare Digitaluhr zählt runter –, und ich renne los.

Es geht durch die Fußgängerzone, eine Treppe hinunter, durch eine Tiefgarage, dann wieder eine Treppe nach oben durch die Burg, wieder runter. Es folgt ein bisschen City-Trail: eine steile Böschung nach oben, ein schmaler Pfad nach rechts, an einem gespannten Strick abseilen, durch Gestrüpp hinaus auf einen Parkplatz. Mein Puls hämmert. Diese Kurzdistanzen sind so gar nicht mein Fall. Es folgen eine Bachüberquerung, Holzstämme, die mir den Weg versperren. Noch einmal geht’s um den Marktplatz herum, bevor ich mit 10:22 Minuten ins Ziel komme. Ob das gut war? Keine Ahnung und es ist mir auch ziemlich egal. Hauptsache ohne Verletzung durchgekommen. Der richtige Spaß beginnt ja erst morgen.

Samstag, 12. April 2014: Hahnenkamm-Trail von Alzenau nach Mömbris 27.5 km, 1037 hm

Punkt 12 Uhr startet Keep on Running 2014 Teil 2: der Hahnenkamm-Trail, der uns von Alzenau nach Mömbris führen wird. Es ist fast sommerlich warm: Die Sonne scheint, das Thermometer zeigt knapp 20°C. Ich bin froh, dass ich einen gefüllten Trinkrucksack dabei habe und daher nicht auf die Verpflegungsstationen angewiesen bin.

Raus geht’s aus Alzenau über Feld- und Wiesenwege. Dann folgt der erste Anstieg und gibt einen Vorgeschmack auf diese Strecke bei Keep on Running 2014, die es richtig in sich haben wird. Es geht so steil bergauf, dass an Laufen nicht mehr zu denken ist. Ich reihe mich brav ein und steige mit zügigen Schritten nach oben. Auf einen Pulsgurt habe ich verzichtet. Dass mein Puls den Grundlagenausdauerbereich längst verlassen hat, merke ich aber auch so. Ich keuche. Beim Gehen. Es folgt eine kurze Bergab-Passage zur Entspannung.

Weiter geht’s über traumhafte Singletrails, vorbei an Weinbergen mit Blick auf das Rhein-Main-Gebiet bis zur Frankfurter Skyline. Und immer wieder diese steilen Bergaufpassagen. Meine Oberschenkel fühlen sich hart an. Es schmerzt. Soviel zum Thema lockerer Trainingslauf. Aber die Natur, die Wälder des Spessarts entschädigen. Durchhalten. Kurz vor dem Ziel noch mal ein steiler Anstieg, eine Kletterlaufpassage, wie es so schön heißt. Dann geht’s bergab ins Ziel nach Mömbris. Verdammt bin ich alle. Diese Höhenmeter hatten es in sich.

Sonntag, 13. April 2014: Kahlgrund-Trail von Mömbris nach Alzenau 24.7 km, 758 Hm

Als ich mich am nächsten Morgen um 10:30 Uhr im Startfeld für Teil 3 von Keep on Running 2014 in Mömbris einsortiere, fühle ich mich richtig gut. Ich wundere mich selbst. Die Beine sind recht locker (die Blackroll-Behandlung am Vorabend hat wohl gewirkt), das Wetter ist wieder perfekt, und die Strecke soll im Vergleich zum Hahnenkamm-Trail nicht ganz so wild sein. Gemeinsam zählen wir die letzten zehn Sekunden runter, und los geht’s: über Asphalt raus aus Mömbris und einen steilen Wiesentrail nach oben.

Insbesondere die nun folgenden steilen Bergab-Passagen auf unebenen Singletrails erfordern Konzentration. Aber bergab kann ich, und ich überhole einige Läufer, die mich bei der nächsten Bergauf-Passage wieder einkassieren. Dann folgt der schönste Streckenteil über einen wunderschönen Singletrail am Fluss Kahl entlang, bevor der härteste Streckenabschnitt folgt: Es geht einen Weinberg nach oben, der so steil ist, dass ich quasi auf den Zehenspitzen nach oben tripple. Aber nach dem Weinberg liegen die meisten Höhenmeter hinter mir. Es geht einige Kilometer in der Ebene weiter, zurück in den Wald, ein schneller Wechsel zwischen Bergauf- und Bergab-Passagen. Die Wälder leuchten im satten Frühlingsgrün. Es ist einfach nur schön, ich fühle mich zwar müde, aber noch ausreichend fit. Vorbei an einem Reiterhof, der tiefe Sand, der die Trails hier bedeckt, tut noch einmal richtig weh, aber es sind jetzt nur noch gut sieben Kilometer.

Das Ziel rückt näher: Auf den letzten Kilometern von Keep on Running 2014 in Alzenau und Mömbris
Das Ziel rückt näher: Auf den letzten Kilometern von Keep on Running 2014 in Alzenau und Mömbris (c) Sportograf

Über abwechslungsreiche Waldtrails nähern wir uns wieder Alzenau, wo wir lautstark vom Publikum empfangen werden. Mein Highlight: Meine Familie wartet am Ziel auf mich, und ich laufe mit meinen beiden Kindern über die Ziellinie. Ich bin stolz, die 55 Kilometer und 1.800 Höhenmeter ohne Vorbereitung gepackt zu haben.

Großes Lob Plan-B, die Keep on Running 2014 organisiert haben

Insgesamt gingen 1.039 Läufer am gesamten Wochenende an den Start, das Triple bestritten 278 Trailrunner. Ein großes Lob geht an Plan-B, die (von Viking gesponsert) Keep on Running 2014 perfekt organisiert haben und für eine familiäre Atmosphäre sorgten: Die Strecken waren hervorragend markiert, an kritischen Punkten standen Helfer, die per Fahne den richtigen Weg wiesen; die Verpflegungsstellen boten Wasser, Iso-Getränke, Obst, Kuchen; und auch sonst gab es keinen einzigen Grund zur Klage. Bei Keep on Running 2015 werde ich sicherlich wieder mit dabei sein. Und dann gibt es hoffentlich auch kein „Eigentlich“ mehr.

Geschrieben von: Bert

Keep on Running 2014 in Alzenau und Mömbris

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Läufe
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