Laufen im Winter

Laufen im Winter heißt Laufen im Dunkeln

Laufen im Winter bedeutet für mich vor allem, dass ich häufig im Dunkeln laufen muss. Die Tage sind einfach zu kurz, um Arbeit und Hobby immer unter einen Hut zu kriegen. Letztes Jahr bin ich nur ein paar Mal im Wald gelaufen, meist direkt nach der Arbeit oder wenn die Kinder im Bett waren. Wald heißt bei mir Odenwald, der 500 Meter von meinem Haus entfernt beginnt, na ja zumindest ein Teil davon. Da ist es richtig dunkel: Wenn der Himmel Wolken verhangen ist, sieht man streckenweise sprichwörtlich die Hand vor Augen nicht.

Im Vergleich zur Nachtwanderung, die wir in der sechsten Klasse gemacht haben, war ich schon letzten Winter richtig mutig, aber wenn einem die Augen eines Fuchses (oder einer Katze, die ein weites Revier hat?) aus dem Nichts im Licht der Stirnlampe anblitzen, wird einem schon ein wenig anders. Daher bin ich dann doch (nur ein ganz bisschen feige) auf die Straße ausgewichen. Aber die große Runde, die ich durch unser Dorf drehen kann, hat gerade mal zwei Kilometer. Macht vielleicht keine Angst wie der dunkle Wald, ist dafür aber komplett unspannend.

In den Tag hineinlaufen

Dieses Jahr stört mich die Dunkelheit beim Laufen im Winter (oder Herbst, ist ja noch Anfang Dezember) nicht mehr, und ich laufe ausschließlich im Wald. Es macht mir sogar richtig Spaß, durch die Finsternis zu laufen, aber nur auf Wegen, die ich sehr gut kenne. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Läufe auf den frühen Morgen verlegt habe. So zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr starte ich meistens. Es geht in den finsteren Wald hinein, und wenn ich wieder hinauskomme, dämmert es oder die Sonne ist, wenn sie sich vor lauter Nebel denn zeigt, bereits aufgegangen. Es ist schön und irgendwie beruhigend in den Tag hineinzulaufen. Abends rennt man in die Nacht hinein, da wird’s höchstens noch dunkler. Vielleicht habe ich auch einfach unbemerkt eine gute Dosis neuen Mut getankt, ohne es zu merken.

Das Winter-Wetter interessiert mich kaum

Das Wetter interessiert mich beim Laufen im Winter herzlich wenig. Wie sagte Muttern schon immer: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung. Wenigstens eine wasserdichte Laufjacke ist für mich Pflicht im Kleiderschrank. Bei knapp über Null Grad und Regen kühlt man viel zu schnell aus, wenn man nass wird. Optimal sind Jacken mit Kapuze, da es nur wenige Mützen und Beanies gibt, die wirklich wasserdicht sind und gleichzeitig so atmungsaktiv, dass die Kopfbedeckung nicht zur Hitzeglocke wird. Die Beine können ruhig mal ein bisschen nass werden, die sind mehr in Bewegung als der Oberkörper und bleiben länger warm. Wenn’s richtig eisig wird, ziehe ich mir unter die Long Tights eine Leggins, bei der die Oberschenkel mit winddichtem Material geschützt werden. Vor ein paar Jahren bin ich noch Motorrad gefahren, daher stammt das gute Stück mit Windstopper-Membran. Bei knackigen Minusgraden ist auch Obenherum der klassische Zwiebellook angesagt: T-Shirt, langes Shirt, Hoddy (weiche Laufjacke mit Kapuze – super ist die „Essential“ von Gore Running Wear), Laufjacke mit Goretex (Windstopper tut es, wenn es trocken ist, auch).

Laufschuhe mit Spikes wären gut gewesen

Das einzige, was mich beim Laufen im Winter wirklich stört, sind dicke Eisschichten, die zum Teil offen und zum Teil unter Schnee verdeckt liegen. Das war letztes Jahr schlimm und nervig. Fast alle Waldwege waren dick vereist, da Förster (und vielleicht auch die Holzwirtschaft) auf Kontrollfahrten den Schnee tagsüber aufweichten, der dann über Nacht wieder gefror. Trailschuhe mit Spikes wären wahrscheinlich gut gewesen. Aber noch ein Paar Laufschuhe ins Regal stellen? Für die paar Läufe im Jahr, bei denen man welche braucht? Im Nachhinein hätte es sich gelohnt, wenn ich daran denke, wie ich immer zwischen Wegmitte und Wegrändern hin- und her hopsen musste, um nicht auf der Fahrspur auszurutschen. Mal sehen, wie es diesen Winter wird; falls es wieder eisig wird, will ich auf Trails, die zwischen den Wegen verlaufen, ausweichen und so einen Bogen um die ätzende Rutscherei machen.

Schwierig ist die Getränkemitnahme im Winter

Problematisch ist die Getränkemitnahme beim Laufen im Winter, wenn die Strecke über 20 Kilometer hat. Wenn Trinkflasche oder Trinkrucksack nicht isoliert sind, gefriert das Wasser zwar nicht, wird aber doch so kalt, dass es unangenehmen zu trinken ist. Von Nathan gibt es zum Beispiel die Quickdraw Plus Trinkflasche auch als isoliertes Modell, das allerdings stolze 30 Euro kostet. Viele Rucksäcke haben das Fach für den Wasserbeutel ebenfalls isoliert. Ich habe beim Kauf meines Trinkrucksacks leider nicht darauf geachtet und trage den Rucksack, wenn es sehr kalt ist, unter der Jacke. Nicht optimal, aber preiswerter als ein neuer Trinkrucksack.

Was vergessen, was das Laufen im Winter, oder mein Laufen im Winter anbelangt? Ich glaube nicht, außer dass die Dusche nach dem Lauf gerne besonders heiß sein darf.

Geschrieben von: Bert

Laufen im Winter – Nacht ist’s und die Sterne funkeln

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Läufe
7

7 Kommentare

  • Kompliment fürs Laufen im Winter im dunklen Wald, das traue ich mich nicht, nicht mal im Sommer, tief in den Wald hineinzulaufen,nachdem hier eine junge Frau vor ein paar Jahren umgebracht wurde !!

    Was Winterlaufschuhe mit Spikes angeht, kann ich dir die Investitionen nur empfehlen, ich laufe bei spiegelglatter Piste an allen vorbei mit der Leichtigkeit, mit der ich sonst auch unterwegs bin – ohne Gefahr zu laufen, auszurutschen – es lohnt sich, denn schließlich trägt man diese Schuhe (meine Icebug) nicht nur in einem Winter, aber dafür bist du auf der sicheren Seite !!

    Orkan-Grüße von der Ostsee !

  • Vielen Dank für deinen Beitrag. Laufschuhe mit Spikes sind wirklich eine gute Idee, damit das Laufen im Winter auch richtig Spaß macht. Icebug hatte ich mir auch schon mal angesehen. Mal sehen, wie sich dieser Winter entwickelt. Wenn’s wieder eine einzige Rutschpartie wird, dann gibt’s Laufschuhe mit Spikes.

  • Hallo Bert,
    ich laufe auch meistens früh morgens und kann nachvollziehen, dass die Augen eines Tieres. die durch das Licht der Stirnlampe angeleuchtet werden, etwas ängstlich machen. Ich habe mir vor 2 Wochen die Petzl MYO RXP Stirnlampe zugelegt und ärgere mich, dass ich nicht schon viel früher in etwas Besseres investiert habe. Die Augen schauen Dich zwar immer noch an, aber die Streckenausleuchtung ist deutlich länger und homogener, da fühlt man sich fast so sicher wie im Hellen zu laufen.

    Das mit dem Trinken wird meiner Meinung nach überbewertet. Bei Läufen im Winter unter 30km reicht es mir, wenn ich vorher noch gut hydriere, darüber hinaus nehme ich eine schmale Thermoskanne, die liegt gut in der Hand, mal links, mal rechts. Deinen Bericht über die QuickDraw Trinkflasche fand ich trotzdem interessant, bei meiner Thermoskanne geht langsam der Lack ab :-).

    By the way: Ich trage für’s Trailrunning nur Innov-8 Schuhe, das ist wie Barfußlaufen, man schwebt förmlich über die Trails.

    Viele Grüße aus dem wilden Südwesten,
    Amos

    P.S.: Super Blog

  • Hallo Amos,
    Danke für deinen Beitrag. Freut mich natürlich, dass das Blog dir gefällt. Die gleiche Stirnlampe habe ich mir auch vor ein paar Woche für’s Laufen im Winter gekauft. Sicher auch ein Grund, warum das Laufen im Dunkeln jetzt mehr Spaß macht.

    Beim Trinken merke ich, dass ich bis 20 Kilometer gut klar komme. Darüber brauche ich was für unterwegs – auch beim Laufen im Winter.

    Bis auf einen Ausflug zu Salomon und Asics für die Straße laufe ich nur noch inov-8. Da hast du mich übrigens drauf gebraucht: Im Kraichgau hast du so begeistert von der Marke erzählt, dass die auch unbedingt ausprobieren musste. Neben dem Roclite laufe ich die Trailroc 245 und Trailroc 255 – die machen einfach nur Spaß.
    Viele Grüße
    Bert
    PS: Nächste Jahr laufe ich am Samstag hier mit: http://www.black-forest-trailrun.de/. Wäre das nicht auch was für dich?

  • Aber hallo, da sind wir auch dabei. Wir haben schon letztes Jahr teilgenommen, tolle Strecke, hoher Trailanteil :-))

    Viele Grüße
    Amos

  • Hallo,
    also ich brauche quasi durchgängig etwas zu trinken. 🙂
    Aus dem Grund habe ich immer, wenn ich in den Wald einsteige meinen Rucksack mit Trinkblase dabei. Ich brauche das irgendwie auch für den Kopf im Sinne von „du bist auf der sicherern Seite, du trinkst genug, du bist fit“.

    Gestern war das Wasser schon recht kalt (5°C Außentemperatur) und nach zwei Stunden war ich froh, dass ich wieder daheim war. Das Wasser hat mich doch (gefühlt) von innen ausgekühlt. Das ist dann irgendwie doof.
    So eine richtige Lösung habe ich dafür auch noch nicht gefunden.

    Schönen Adventssonntag wünsche ich euch allen. 🙂

  • Hallo Benni,
    schön, dich hier zu sehen und danke für deinen Beitrag. Ja, die Wassermitnahme beim Laufen im Winter ist schwierig. Und mein Tipp mit Trinkrucksack unter die Laufjacke taugt ja nicht immer und nur, wenn auch genug Platz unter der Jacke ist. Ich hatte schon mal überlegt, so eine Kühltasche für die Supermarkteinkäufe für die Trinkblase zurechtzuschneiden. Mal schauen, vielleicht probiere ich das mal aus.
    Viele Grüße
    Bert

Mitreden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Es gelten die Datenschutzgrundsätze.