Laufen mit Hund

Meine Grundprobleme beim Laufen mit Hund

Laufen mit Hund, oder genauer gesagt, Laufen mit unserem Hund ist nicht nur Vergnügen – sowohl für den Zwei- als auch für den Vierbeiner. Grundproblem Nummer 1 ist, dass ich in der familieninternen Beliebtheitsskala aus Hundesicht nur an dritter Stelle stehe. Ganz vorne steht meine Frau, die diesen laufende Mini-Flokati von einer spanischen Hundehilfe erworben hat. Dann kommt meine Tochter, die unseren Hund (eine Hündin namens Lola, ein munterer Mix aus Terrier, Podenco und vermutlich noch ein paar andere Rassen) auch nach knapp zwei Jahren immer noch so süß findet, dass es kaum auszuhalten ist. Zumindest findet Lola mich toller als unseren Sohn, vermutlich weil sie von mir auch mal was zu Fressen bekommt und ich mich ein bisschen zurückhaltender (sprich: leiser) verhalte als dieser vierjährige Master of Make-some-Noise. Wenn ich also mit Lola laufen gehe, bleiben Top 1 und 2 der Top 4 daheim und da läuft der Hund schon mal nicht ganz so gerne mit.

Achtung, in Deckung gehen: Es wird wieder gelaufen

Grundproblem Nummer 2 sind meine Laufklamotten, die sofort als Warnsignal identifiziert werden: Achtung, es wird nicht spazieren gegangen, sondern gelaufen, und das heißt beim Laufen mit Hund (aus Hundesicht), dass keine Stöckchen und kein Fallobst geworfen werden und dass die Schnüffelzeit auch eingeschränkt ist, denn das Herrchen will ja vorankommen, da wird leider nicht angehalten. Dann stehe ich da in meinen Laufklamotten, denke, jeder andere Hund wäre doch froh, so viel Auslauf zu bekommen, noch dazu über weite Strecken ohne Leine, und dieser Hund, unser Hund, macht sich ganz klein, in der Hoffnung, übersehen zu werden. Hilft aber alles nichts. Ich sehe ihn trotzdem. Leine um, los gehts.

Achtung Laufkleidung: Lieber verstecken
Laufen mit Hund unter erschwerten Bedingungen: Lieber mit dem Kater unter dem Backofen verstecken.

Bis zum Point-of-no-Return – dann geht’s auch ohne Leine

Laufen mit Hund ist bei uns eigentlich wunderbar — man begegnet so selten jemandem, dass unser Hund eigentlich komplett ohne Leine laufen könnte. Er könnte mir frank und frei auf meinen Trails folgen, vorauslaufen oder mal zurückbleiben, um zu schnüffeln (eines dieser Hundehobbys). Könnte, wenn er denn wollte. In der Realität muss ich ihn bis zum Point-of-no-Return angeleint lassen, also bis zu dem Punkt auf der Wegstrecke, der so weit von zu Hause (und somit von Top 1 und 2) entfernt ist, dass es kürzer ist, mir zu folgen, als zurückzulaufen. Bis zu diesem Punkt bleibt Lola an jeder Wegkreuzung stehen, schaut mich groß an, ob es denn wirklich noch weiter gehen muss. Da hilft kein Leckerli, wenn ich sie nicht anleine, bleibt sie stur stehen. Bis zu einem Kilometer bin ich einmal vorausgelaufen — und dann wieder zurück, wo Lola geduldig auf mich gewartet hat. Sehr brav.

Rennender Mini-Flokati: Sportlich ist er, unser Hund

Grundproblem Nummer 3 ist nicht, dass unser Hund irgendwie unsportlich wäre. Im Gegenteil: Er reicht zwar gerade bis unterhalb des Knies, ist aber ein richtiger Rennsemmel, oder, um beim Bild vom Anfang zu bleiben, ein rennender Mini-Flokati. Wenn er mit anderen Hunden auf der Wiese spielt, rennt er noch, wenn alle anderen Hunde bereits hechelnd die Nähe ihres Herrchen oder Frauchen suchen.

Grundproblem Nummer 4 könnte in dem einen Lauf im Sommer 2012 zu suchen sein. Da wurde aus dem Laufen mit Hund ein Freiluft-Duschen mit Hund, denn wir sind in ein Gewitter geraten, das uns bis auf die Haut durchnässte; in Bächen floss das Wasser den Weg herunter, es donnerte und blitzte, dass es — mitten im Wald — wirklich gefährlich wurde. Mag sein, dass unser Laufverhältnis dadurch einen leichten Knacks bekommen hat. Da helfen wohl nur noch leckerere Leckerlis, um das Verhältnis wieder zu kitten. Ob ich aber eine Leberwurst, wie von meiner Tochter vorgeschlagen, mit zum Laufen nehmen sollte, muss ich mir noch mal schwer überlegen.

Geschrieben von: Bert

Laufen mit Hund – mit Vierbeiner durch den Wald

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Hunde
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8 Kommentare

  • Das hört sich ja nicht sehr vielversprechend an – wir wollten auch schon immer einen Hund, eben auch mit „der kann ja dann mitlaufen, wenn Anette trainiert“ ….
    Aber klasse Foto, von Hund und Katze. Zeigen deutlich, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen 🙂
    Gruß aus Nürnberg
    Anette und Iwan, der bärige Laufcoach

  • Hallo Anette und Iwan,

    danke für Euren Beitrag. Es ist ja nur unser Hund, der nicht so richtig will. Andere Hunde sind sicherlich begeistert, wenn’s mehrere Kilometer durch den Wald geht. Bei einem Welpen (wie bei uns) weiß man das natürlich nicht vorher, bei einem älteren Hund aus dem Tierheim kann man das ja vorher erfragen und mal Probe laufen. Da Lola unser erster Hund ist, haben wir sicherlich auch ein paar Fehler gemacht. Nicht nur Laufen mit Hund ist kein einfaches Thema, auch die Hundeerziehung generell.

    LG nach Nürnberg
    Bert

  • Hallo Bert,
    bin durch die Suunto Ambit 2 auf Deine Seite gekommen. Bin mit der Uhr auch sehr zufrieden, allerdings verliert sie leider öfter das GPS-Signal, wenn ich -auch- im schönen Odenwald unterwegs bin. Aber das ist wohl weniger ein Problem der Uhr…

    Bei meinem Hund ist es zum Glück anders. Sie freut sich immer riesig, wenn ich mit Laufklamotten auftauche. Problematisch wird es, wenn ich einen Wettkampf laufe -wie gestern den Melibokuslauf-und sie partout nicht verstehen will, warum ich sie nicht mitnehme. Als ich wieder nach Hause kam, hat sie mich erstmal eine Stunde komplett ignoriert. Durch eine laaange Krauleinheit sind wir uns dann wieder näher gekommen.

    PS: Hundeleberwurst in der Tube ist auch der absolute Favorit von meiner Pepper 😉
    Gruß aus Zwingenberg
    Bettina

    • Hallo Bettina,
      vielen Dank für Deinen Beitrag und willkommen in meinem Blog. Mit unserem Hund läuft das Laufen mittlerweile auch besser. Zwar noch nicht optimal, aber mittlerweile macht es Lola doch auch Spaß, mit mir unterwegs zu sein, und so wird das Laufen mit Hund auch für mich immer schöner. Vielleicht laufen wir uns ja mal im Odenwald über den Weg.
      Viele Grüße
      Bert

  • Warum muss man denn einen Hund zu etwas zwingen wofür er gar nicht gemacht ist?
    Warum geht man nicht nach den Talenten seines Hundes anstatt ihm irgendwas aufdrängen zu wollen??
    Da muss man dann eben besser wählen was man sich anschafft..,

    Auch euer GTH würde wohl lieber ziehen als „nur“ zu laufen…
    Ihr hättet euch eher einen Dalmatiner anschaffen sollen….

    Ich hatte bis vor kurzem drei Hunde.
    Und JEDer hat unterschiedliche Talente.
    Diese habe ich gefordert. Aber ich denk auch nicht nur an mich.

    Ich finds ehrlich gesagt auch nicht witzig wenn man den Hund zu was zwingen muss…

    Meine alte Hündin wäre perfekt für Dich gewesen: laufen bis der Arzt kommt ohne jede Ambition zu ziehen, ohne jagdtrieb und absoluter „Führertreue“ mit will to please das der Hund niemals nicht eine Leine oder ein Halsband braucht.

    120 Kilometer laufen und neben Pferd vergaloppieren in 1 1/2 Tagen : no Problem!
    Immer gesund gewesen!
    Ein Mix aus Schäferhund mit Schuss windhund! Hammer legendäres Tier! Und dabei schön wie ein Soagetti-wolf! Mit Muskel aus Stahl
    Auch heute mit 13 1/2 Jahren läuft sie noch für ihr alter wie ein Uhrwerk und spielt jeden Tag mit meiner jungen Hündin.
    Neulich sind wir 14 Kilometer Rad gefahren!

    • Hallo Sag ich nicht,

      wie im Bericht geschrieben, ist Lola der Hund meiner Frau – die nicht mit ihr laufen geht. Bei zwei kleinen Kindern konnte es aber vorkommen, dass ich sie auch mal mit auf eine Laufrunde genommen habe – auch wenn sie nicht wollte, aber auch ein Hund muss „Kompromisse“ eingehen und sich in unser Familienleben und zeitlichen Möglichkeiten einfügen.

      Wer sagt, dass unser GTH nicht ziehen darf? Ich laufe nur mit Geschirr. Wenn Rocco ziehen will, darf er ziehen. Aber bei über 20°C hat er dazu gar keine Lust und läuft locker vorne weg. Am Wochenende sind wir in den Alpen zusammen auf einen 2.000er rauf. Zudem mache ich auch Bikejöring mit ihm. Er ist bei uns glücklich und wir sind mit ihm glücklich.

      Noch eine Anmerkung: Generell finde ich es schön, wenn ich zumindest den Vornamen erfahre, wenn hier jemand einen Kommentar verfasst. Ist kein Muss, aber irgendwie einfach netter.

      VG
      Bert

  • Hallo,

    Das ist ja mal toll, dass auch kritische Beiträge hier veröffentlicht werden.

    In Sachen Hund bin ich durch 13 Jahre Hundetrainer-Dasein und das Leiten einer Hundepension im
    Alleingang einfach ein gebranntes Kind.

    Ich wäre froh die Leute würden ihre Hunde Typ – und Anlagegerecht fördern, erziehen und auswählen. Viele unschöne Dinge könnten so vermieden werden.

    Rocco ist übrigens der schönste GTH den ich nebst einer grauen Hündin vom Stahl je gesehen habe 😉

    • Hallo Sag ich trotzdem nicht 😉

      klar, so lange die Beiträge sachlich sind, wird alles veröffentlicht. Ich gebe dir recht, der Hund muss passend ausgewählt werden. Und Rocco wird bei uns gemäß seiner Anlagen gefordert und gefördert. Dazu gehören, wie erwähnt, Bikejöring (https://www.youtube.com/watch?v=Utpne8h8_3E) und auch „Jagd“ nach einem Dummy an der Schleppe, den er mir auch (meistens) brav zurückbringt. Da kommt der Deutsch Kurzhaar in ihm durch.

      Das Kompliment gebe ich weiter 😉

      Viele Grüße
      Bert

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