Laufschuhe für Kinder – ein herstellerübergreifendes Trauerspiel

Als meine Tochter sieben Jahre alt wurde, wollte sie gemeinsam mit mir laufen – über die Trails, die keine 600 Meter hinter unserem Haus anfangen. Klar, ist man als Papa stolz, freut sich, dass sich der Nachwuchs für die eigene Leidenschaft interessiert, und sieht in Gedanken schon die kommende Emelie Forsberg vor sich. Also machte ich mich sofort auf die Suche nach einem passenden Laufschuh für Kinder.

Laufschuhe für Kinder: schlechtes und enttäuschendes Angebot

Was suchte ich? Einen flexiblen, nur leicht gedämpften Laufschuh ohne Sprengung, der aber – im Gegensatz zu Vivobarofoot und FiveFingers – den Fuß ausreichend schützt, denn schließlich wollte ich mit meiner Tochter über Trails und Feldwege, und da liegen nun mal hier und da ein paar spitze Steine rum. Ich recherchierte und war überrascht und enttäuscht, wie schlecht das Angebot an Laufschuhen für Kinder ist.

Adidas, Asics, Brooks, New Balance, Nike, Salomon – alle haben Laufschuhe für Kinder im Angebot. Und bei allen Modellen handelt es sich um abgespeckte Varianten der Erwachsenen-Modelle: mit einer in der Regel unflexiblen Sohle, die über eine Dämpfung verfügt, die auch das Gewicht eines bierbäuchigen Fußballfans abfedern könnte. Bei Adidas, Asics, Nike und Saucony haben die Schuhe zudem eine Sprengung, dass man meine könnte, die Kinder sollten das Tragen von High Heels trainieren und nicht das Laufen.

Meine Kinder laufen am liebsten barfuß

Die Füße von Kindern sind in den Entwicklung. Sie sind noch nicht durch hohe Absätze und super softe Dämpfung verdorben. Meine Kinder laufen am liebsten barfuß – im Haus, auf der Straße, im Garten. Sie laufen ganz natürlich auf dem Vorfuß, einen Fersenlauf kennen sie nicht.

Laufschuhe für Kinder
Laufschuhe für Kinder – meine Kinder sind am liebsten barfuß unterwegs

Warum, liebe Laufschuh-Hersteller, sollte ich die Füße meiner Kinder mit Eurem lausigen Angebot kaputt machen? Damit Ihr ihnen später Laufschuhe mit der neuesten Gel-Boost-Super-Soft-Energy-Dämpfung verkaufen könnt?

Positives Gegenbeispiel: Merrell und inov-8

Dass es auch anders geht, beweisen die Laufschuhe für Kinder von Merrell und inov-8. Bei inov-8 handelt es sich zwar auch um kleine Versionen der Erwachsenen-Modelle; bei ihnen wurde aber nicht einfach nur die dicke Sohle der Erwachsenen-Modelle in Länge und Breite verkleinert, die Trailschuhe wurden speziell auf Kinderfüße angepasst. Merrell verfügt gleich über ein komplettes Portfolio an Barefoot-Modellen: Null-Millimeter-Sprengung, flexible Sohle mit Schutz, leichte Dämpfung – genau das, wonach ich gesucht hatte. Und die Barefoot Trail Glove von Merrell sind es dann für meine Tochter auch geworden. Sie läuft sehr gerne mit diesen Schuhen, sie sind einfach optimal.

Appell an die Laufschuh-Hersteller

Bleibt für mich zum Schluss noch ein Appell loszuwerden. Ein Appell an die Laufschuh-Hersteller, die – im Gegensatz zu Merrell und inov-8 – noch nicht verstanden haben: Liebe Laufschuh-Hersteller, hört auf, die Füße unserer Kinder mit diesen überdämpften, hochhackigen, unflexiblen, abgespeckten Laufschuhen für Erwachsene kaputt zu machen. Nehmt Kinder als Eure Zielgruppe ernst – und zwar nicht nur als Umsatzträger, sondern mit ihren spezifischen Belangen.

Geschrieben von: Bert

Laufschuhe für Kinder – ein Appell an die Industrie

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Dies & Das
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