Laufschuhkauf: Wo bekomme ich den besseren Schuh?

Meine ersten Laufschuhe kaufte ich vor gut zwei Jahren – in einem reinen Laufshop. Fünf oder sechs Modelle probierte ich an. Ich lief im Hinterhof mit jedem Paar einmal auf und ab, unter den prüfenden Blicken des Verkäufers, der mir dann zum Nike Structure riet, ein Schuh der, wie ich mittlerweile weiß, für Läufer mit starker Überpronation und normalen bis höherem Gewicht konzipiert wurde. Ich habe eher einen Normalfuß und wiege 62 Kilo bei 177cm.Die ersten zwei Monate hatte ich nach dem Laufen Schmerzen in den Knien und den Knöcheln. Dann verschrieb mir ein Orthopäde Einlagen und alles wurde gut. Ich frage mich, ob ich die Einlage überhaupt gebraucht hätte, wenn ich gleich die richtigen Schuhe getragen hätte. Soviel zu meinem ersten Laufschuhkauf.

Laufschuhkauf im Online-Shop

Anschließend lief ich den Nike Lunarglide 3, den Asics Gel Excel 33 und den Asics Gel DS Racer 9, den Nike mit den Einlagen, die Asics zumeist ohne. Keine Probleme mehr. Die Schuhe hatte ich mir nach ausgiebiger Recherche in diversen Online-Shops gekauft. Jetzt Anfang Juni 2013 war ich dann das erste Mal wieder in einem Laufshop (einem anderen als beim ersten Kauf), denn ich wollte mich dem Thema Natural Running von der praktischen Seite nähern. Laufschuhkauf, die zweite.

Fachgeschäft: Beratung zum Thema Natural Running

Ich hatte bereits einen Schuh ins Auge gefasst: den Trailroc 255 von inov-8. Der Schuh mit der stärksten Dämpfung innerhalb der Trailroc-Serie, mit einer stabilen, schützenden Sole. Die Sprengung beträgt 6 Millimeter. Zum Einstieg perfekt. Und auch für die Waldwege, auf denen ich den Schuh ausschließlich laufen wollte. Dennoch dachte ich, dass bei diesem für mich neuen Thema eine Beratung nicht verkehrt wäre. Also rein in die Stadt und hin zum Laufshop.

Passt der Schuh? So scheint es erstmal

Dort war der Schuh leider nicht vorrätig. Nur der Trailroc 235 aus der Serie war da, aber der war mir mit 0 Millimeter Sprengung und der minimalen Dämpfung zu extrem. Der Verkäufer schlug mir daher den Roclite 285 von inov-8 vor, der wie der Trailroc 255 eine Sprengung von 6 Millimetern hat. Er ist aber sehr viel schmaler geschnitten, was, wie der Verkäufer sagte, aber für mich von Vorteil sei, da er mir als Einsteiger ins Natural Running mehr Halt gebe als der Trailroc (den er ja ohnehin nicht vorrätig hatte.) Während des Laufens auf dem Laufband fühlte sich der Schuh gut an, ungewohnt, aber gut. Und auch der Verkäufer sagte, dass der Schuh passt. Ich kaufte den Schuh.

Vier Wochen Laufpause trotz Beratung

Beim dritten Lauf holte ich mir eine fiese Blase, und zwar nicht an der Fußsohle oder am Zeh, sondern an der rechten Innenseite – der Schuh war für meine Füße zu schmal geschnitten. Nachdem ich den Schuh dennoch mit Pflaster noch drei Wochen immer wieder (abwechselnd mit dem Ascis Excel 33) für sechs bis sieben Kilometerläufe genommen hatte, zog ich mir zwei Haarrisse am Mittelfuß zu und musste für über vier Wochen pausieren.

Schlecht beraten beim Laufschuhkauf

Falsch beraten beim Laufschuhkauf: Die Sohle ist zu weiche.
Roclite 285: Weiche, komplett biegsame Sohle, die nur wenig Schutz bietet.

Ich kann sicherlich nicht alles auf den Schuh schieben. Mein Pensum an Natural Running Läufen war am Anfang zu hoch. Das hatte ich völlig falsch eingeschätzt. Ich bin mir aber sicher, dass er einen Anteil an dem Dilemma hatte. Im Gegensatz zum Trailroc hat der Roclite eine sehr weiche Sohle, die sich komplett biegen lässt und deutlich weniger Schutz bietet. (Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Roclite ist sicherlich ein sehr guter Schuh, aber für den Einstieg in dieses für mich neue Laufen war er einfach die falsche Wahl.)

Besser im Online-Shop den Laufschuh kaufen

Aber auch wenn ich von diesen Beispielen absehe, denke ich, dass man im Internet den für sich besseren Laufschuh findet. Vorausgesetzt man ist dazu bereit, seinen eigenen Laufstil selbst oder mit fremder Hilfe zu analysieren und ausgiebig und ohne Scheu vor einzelnen Marken nach bestmöglichen Modellen zu suchen. Da kann man sich schon eine ganze Weile mit beschäftigen, denn das Angebot ist riesig, jedwedes Modell ist verfügbar, und sei es in einem ebay-Shop in Großbritannien. Der Verkäufer vor Ort kann mir nur verkaufen, was er da hat. Und das wird er im Regelfall auch tun, auch wenn der Schuh nicht optimal ist.

Vielleicht sollte in den Laufshops mehr beraten und anschließend bestellt werden, falls der passende Schuh gerade nicht vorrätig ist. (Eine Laufbandanalyse ist ohne Schuhe ohnehin sinnvoller.) Bei einer guten Beratung komme ich gerne ein paar Tage später rein und hole mir meine wirklich passenden Laufschuhe ab.

Habe ich einfach zweimal nur richtig Pech gehabt? Wo kauft Ihr Eure Schuhe? Was sind Eure Erfahrungen beim Schuhkauf im Laufshop oder im Internet?

Geschrieben von: Bert

Laufschuhkauf: Online-Shop oder Fachgeschäft

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Dies & Das
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1 Kommentar

  • Hi Bert,
    meinen ersten richtigen Laufschuh kaufte ich in einer Laufprofi Filiale, geführt von ehemaligen guten Läufern, nach Laufbandanalyse, da ich gleich am Anfang alles richtig machen wollte.
    Hier wurde mir ein Stabischuh für Überpronierer verkauft. Durch zu ehrgeiziges Training und einen komplett unpassenden Schuh für meinen Fuß fingen ca. 2 Monate später die Probleme mit der Achillessehne an, mit der ich dann 6 Monate „Spaß“ hatte.
    Ich bin Neutralfußläufer, Supinierer, Hohlfuß. Alles in allem das komplette Gegenteil vom gekauften, sehr teuren Schuh.
    Ca. 3 Monate später versuchte ich mein Glück in einem anderen ebenfalls auf Laufsport ausgerichteten Shop. Hier gab es unter der Fußsohle Sensoren, die die Druckpunkte messen, nun denn, man durfte nur im sehr kleinen Laden und die Ständer traben. Wie soll man so wie normal laufen für eine richtige Messung?
    Nun denn, zumindest kaum ein Neutralschuh dabei heraus.
    Nach den ersten Trainingseinheiten mit rund 8 km fühlte sich der Fuß dann jedesmal an, als wenn ich mit Sandalen gelaufen hätte, obwohl auch er eigentlich zu den gut gedämpften Schuhen gehört.

    Um dem Problem mit der Achillessehne Herr zu werden, habe ich dann bei einem Orthopäden (Schuhgeschäft mit Sportwissenschaftler) eine Laufbandanalyse mit Beinachsvermessung vornehmen lassen.
    Seit dem weiß ich, auf was ich beim Schuhkauf achten muss und habe die letzten Schuhe daher nur noch dort gekauft.

    Bislang habe ich den Online kauf gescheut, da selbst bei einem Nachfolgemodell plötzlich der Schuh kleiner ausfallen kann (Nimbus 18/19). 2 Paar kaufen und dann zurückschicken wollte ich bislang nicht. Wenn einem das Modell gar nicht zusagt, muss man sogar beide zurückschicken.
    Da mein Orthopäde aber nur von Salomon Trailschuhe im Programm hat und ein oder zwei Asics Modelle, bin ich gerade am Überlegen, was das kleinere Übel ist; dies könnte z. B. der Kauf auf einer Messe sein.
    Die Zeiten wo ich einen Verkäufer vertraut habe, dass er entsprechend kompetent ist, sind vorbei.

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