Die Trinkrucksäcke Nathan Vapor Wrap und Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 im Härtetest

Werfe ich einen Blick von meinem Schreibtisch aus nach links, sehe ich dort – sauber an Haken aufgehängt – meine Laufrucksäcke. Darunter gleich zwei hochpreisige Modelle: der Nathan Vapor Wrap mit einem Listenpreis von 159,95 Euro und der Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 mit einem Listenpreis von 169,95 Euro. Der Nathan Vapor Wrap war zuerst da, der Salomon S-Lab Hydro 12 folgte nach meinen Erfahrungen mit dem Nathan beim Zugspitz Supertrail, bei dem der Trinkrucksack über 60 Kilometer und 10 Stunden den ersten Härtetest bestehen musste. Hatte mich der Vapor Wrap also enttäuscht? Nein, überhaupt nicht; er ist wie der Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 ein hervorragender Laufrucksack. Warum also ein zweites High-End-Modell?

Nathan Vapor Wrap: Trinkrucksack mit genialen Besonderheiten

Beide Trinkrucksäcke liegen eng am Körper und stören beim Lauf überhaupt nicht. Sie haben zahlreiche Taschen und sind, wie man im Video sehen kann, bis ins Detail durchdacht. Der Nathan Vapor Wrap wartet zudem mit zwei wirklich genialen Besonderheiten auf: Ein Bladder-Control-System reguliert die Größe des Faches für die Trinkblase, so dass diese sich bei abnehmendem Füllstand nicht störend bewegt; einfach die entsprechenden Gurte etwas fester gezogen und schon schwappt nichts mehr unruhig auf dem Rücken umher. Ebenfalls genial ist auch die Befestigung des Trinkschlauchs mittels Magnet – das geht einfach und reibungslos, selbst wenn die Hände schon etwas zittrig sind.

Vergleich Nathan Vapor Wrap Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12

Nachteil bei Trinkblasen: Man weiß nicht, wie viel Wasser noch drin ist

Mit 8,19 Litern ist das Volumen des Nathan Vapor Wrap für einen Ultra mit entsprechender (Pflicht-)Ausrüstung ausreichend, aber doch knapp bemessen. Es passt alles rein, aber eben nur gerade so. Was mich während des Zugspitz Supertrails aber wirklich gestört hat – und dies bezieht sich auf jeden Rucksack mit Trinkblase, nicht allein auf den Vapor Wrap –, ich wusste bei den Verpflegungsstationen nie, wie viel Wasser ich noch hatte. Der Rucksack ist voll gepackt mit Stirnlampe, Ersatzkleidung, Energieriegeln: Was von diesem Gewicht ist nun Ausrüstung, was Wasser? Viel zu häufig kramte ich an den Verpflegungsstationen völlig unnötig die Trinkblase aus dem Rucksack, füllte einen halben Liter nach und stopfte sie umständlich zurück in den vollen Rucksack. Das nervte.

Ganz anders beim Pfalztrail, bei dem ich über 85 Kilometer und ebenfalls 10 Stunden den Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 ausgiebig testen konnte. Das Soft-Flask-System ist genial. Die Flaschen stören überhaupt nicht und man weiß stets, wie viel Wasser noch drin ist. Weiterer Vorteil ist, dass sich noch „stressfreier“ trinken lässt: ein bisschen auf die Flask gedrückt und schon läuft das kühle Nass die Kehle herunter. Zwar lässt sich der Nathan Vapor Wrap an den Fronttaschen mit Trinkflaschen nachrüsten. Dies funktioniert aber nur mit harten Flaschen, nicht mit Soft-Flasks. Das fühlte ich unbequem an, wie ich bei einem Testlauf feststellte.

Nachteile des Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12

Hat der Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 auch Nachteile oder ist er der perfekte Laufrucksack? Schließlich lässt er sich auch mit einer Trinkblase nachrüsten, so dass man die Wahl hat: Trinkblase für das Training, Soft-Flasks für den Wettkampf. Der S-Lab Hdyro 12 ist noch viel mehr ein Wettkampf-Rucksack als der Nathan Vapor Wrap: Die Materialien sind noch dünner, um Gewicht zu sparen, was dazu führt, dass man den Rucksack schnell durchschwitzt und damit auch der Inhalt nass wird. Ersatzkleidung sollte man daher in Tüten wickeln. Was ich vermisse, ist eine größere Tasche für Smartphone oder Kamera an den Schultergurten über den Taschen für die Soft-Flasks. Schließlich will man bei einem Ultra das eine oder andere Foto schießen oder ein kurzes Twitter-Update geben. Klar, dafür wurde der Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 nicht entwickelt. Ein echter Wettkampfläufer hat für solche Nebensächlichkeiten keine Zeit. Voraussetzung für den Einsatz des Salomon-Trinkrucksacks sind aber ausreichend viele Verpflegungsstationen, denn die Soft Flasks, die im Lieferumfang enthalten sind, fassen jeweils nur 0,5 Liter, also gerade mal halb soviel wie die Trinkblase des Nathan Vapor Wrap.

Fazit

Wie Eingangs erwähnt: Sowohl der Nathan Vapor Wrap als auch der Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 sind hervorragende Laufrucksäcke, die beide mit durchdachten Details aufwarten. Der Salomon S-Lab ist eindeutig noch mehr auf Wettkampf getrimmt, für was ich ihn auch in 2015, z.B. beim Zugspitz Ultratrail, einsetzen werde. Zu wissen, wie viel Wasser ich noch dabei habe, ist mir wichtiger als der unkomplizierte Zugriff auf Kamera und Smartphone. Da bei diesem Lauf 1,5 Liter Flüssigkeit mitgeführt werden müssen, werde ich aber vorab testen müssen, ob sich die Soft Flasks durch zwei andere Modelle von Hydrapak mit je 750 ml Fassungsvermögen ersetzen lassen. Bei einer Trockenübung funktionierte dies schon mal ganz gut. Der Nathan Vapor Wrap ist meine Wahl für die langen Trainingsläufe, denn da sind die Verpflegungsstationen doch eher spärlich gesät.

Geschrieben von: Bert

Nathan Vapor Wrap und Salomon S-Lab Advanced Skin Hydro 12 im Vergleich

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Tests
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5 Kommentare

  • es gibt/gab von camelbak einen durchflussmesser, den man in den trinkschlauch der blasen einbauen kann und nach einer eichung dann damit weiß, wie viel wasser noch in der blase ist (oder eben, wie viel schon rausgetrunken wurde). ich hab‘ mir den mal zwar besorgt, bin aber (v.a. mangels langer läufe ;-)) noch nicht zum testen gekommen, kann also nix zur praxistauglichkeit sagen …

    • Hallo Matthias,
      dank dir für den Tipp. Das wäre natürlich eine Möglichkeit – werde ich mir mal anschauen!
      Viele Grüße
      Bert

  • Schöner Vergleich, auch nett mal ne Stimme zum „Twitterbild“ zu hören! 😀
    Ist glaub ich im Video auch besser zu erklären mit den 1000 Taschen überall 🙂
    Hab jetzt zum Geburtstag den Salomon Skin Pro bekommen, ma schauen wie der sich so macht!

    Sehen uns beim ZUT !
    LG aus Berlin

    • Hi Chris,
      vielen Dank für dein Feedback. Lieben Dank auch dafür, dass du über die Motorsäge vom Nachbarn im Hintergrund so gut hinweghören konntest 😉
      Wir sehen uns in Grainau!
      Viele Grüße
      Bert

  • Haha, hab die ganze Zeit überlegt was dieses Geräusch ist, dachte schon mein Pc hat ne Macke 🙂

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