Zum Mittelfußlauf gezwungen – Teil 2 der Umstellung

Nach Ermüdungsbruch ganz natürlich zum Mittelfußlauf

[08.09.2013] Wer den Teil 1 meiner Umstellung auf Mittelfußlauf gelesen hat, weiß, dass ein Ermüdungsbruch mich zu einer mehrwöchigen Pause gezwungen hat. Auslöser war, dass ich alle meine Ziele gleichzeitig erreichen wollte und zu lange Distanzen in einem Schuh mit zu geringer Dämpfung und mit zu geringem Schutz gelaufen bin. Für meine Knochen war der Roclite 285 von inov-8 zwar nicht gut, für die Neuausrichtung meiner Lauftechnik auf Mittelfußlauf hat er aber beste Dienste geleistet.

Ungedämpft zum Vor- und Mittelfußlauf gezwungen

Ich laufe seit August 2011, die ersten zwei Jahre (und die gut dreißig Jahre davor) war ich Fersenläufer. Die drei Wochen, in denen ich den Roclite bis zu meiner Verletzung getragen habe, haben ausgereicht, um meine Lauftechnik komplett umzustellen. Ich habe mir den Vor- und Mittelfußlauf sozusagen aufgezwungen, mit dem Ergebnis, dass ich ihn bereits jetzt vollkommen natürlich laufe, ohne darüber nachdenken zu müssen, in welchem Winkel ich meine Füße aufsetze. Und das nach nicht einmal drei Monaten, innerhalb derer ich gut sieben Wochen aufgrund der Haarrisse überhaupt nicht gelaufen bin. Aber der Reihe nach.

Erster Lauf nach Ermüdungsbruch mit Asics Excel 33

Meinen ersten vorsichtigen Nachverletzungslauf machte ich mit meinen Asics Excel 33, die bereits ein paar Hundert Kilometer auf dem Buckel haben (u.a. auch bei zwei Halbmarathons). Es war der 15. August, also gut sechs Wochen nach der Diagnose, zwei Wochen hatte ich bereits Spaziergänge und kleinere Wanderungen gemacht, um meine Zehen wieder locker zu bekommen (siehe „Ermüdungsbruch“). Richtig locker waren sie leider noch immer nicht, und ich hatte schon das Gefühl, dass sie sich nie mehr normal anfühlen würden.

6.8 Kilometer natürlich auf dem Mittelfuß

Dann beschloss ich, einfach meine „Kleine Runde 3“ zu laufen, eine 6.8 Kilometer lange Strecke im Wald ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt, die nach einem kurzen Anstieg drei Kilometer sanft nach unten geht und dann etwa zwei Kilometer etwas steiler wieder bergauf. Schon mit meinem ersten Schritt landete ich auf dem Mittelfuß – zu meiner eigenen Verwunderung, da ich mich darauf eingestellt hatte, wieder ganz von vorne beginnen zu müssen.

Mittelfußlauf in meiner Kleinen Runde 3
Hier beginnt meine „Kleine Runde 3“ und für mich der Wiedereinstieg in den Mittelfußlauf nach der Verletzungspause.

Strenggenommen hatte ich mir sogar vorgenommen, den ersten Lauf komplett auf der Ferse zu machen, um meine Füße und gerade den so lange stillgelegten linken Fuß erst mal wieder flott zu kriegen. Aber auch der zweite Schritt landete wieder auf dem Mittelfuß, ganz so, als wäre ich schon immer so gelaufen. Verwunderlich, da mich der Roclite ja zum Vorfußläufer gemacht hatte und ich von einem Mittelfußlauf vor der Verletzung noch weit entfernt war. Dies verleitet mich zu der wissenschaftlich äußerst fundierten Äußerung, dass der Mittelfußlauf unser natürliche Laufstil ist und uns irgendwie sogar im Blut liegt. Natural Running eben. Aber auch der Laufschuh – der Asics Excel 33 – hat mich sicher unterstützt, da bei der recht hohen Sprengung von 10 Millimetern der Mittelfußlauf eher begünstigt wird als der reine Vorfußlauf.

Über meinen Laufstil denke ich nicht mehr nach

Meine Methode der Technikumstellung möchte ich wirklich niemandem ans Herz legen; eine mehrwöchige Verletzungspause ist für jeden passionierten Läufer Höchststrafe. Bei mir hat sie aber – auf die Technik, nicht auf die Gesundheit bezogen – funktioniert. Ich bin seit dem Ermüdungsbruch neunmal wieder gelaufen. Die ersten Läufe noch unsicher, da ich erst wieder lernen musste, meinem Fuß zu vertrauen. Aber ich landete immer auf dem Mittelfuß. Die meisten Mittelfußläufe habe ich mit den Asics Excel 33 absolviert, da die Dämpfung mir Sicherheit gab. Die ersten sieben Läufe hatten Distanzen zwischen 6,5 und 7,2 Kilometern, zwischen ihnen lag immer wenigstens ein Ruhetag, meist waren es zwei Tage. Dann folgte ein 12 Kilometer-Lauf, heute dann standen 15 Kilometer auf dem Programm mit mehreren Hundert Höhenmetern.

Über meinen Laufstil denke ich gar nicht mehr nach, nur noch ganz gelegentlich stelle ich erfreut fest, dass ich gerade wieder auf dem Mittelfuß gelandet bin. Schön locker und leichtfüßig fühlt es sich an, mit kürzerer Schrittlänge als beim Fersenlauf, immer versucht, ein bisschen schneller zu laufen.

Salomon Sense Mantra mit 6 Millimetern Sprengung

Bei den Schuhen laufe ich jetzt abwechselnd den Asics und den Salomon Sense Mantra. Der Sense Mantra gefällt mir sehr gut: Er hat ausreichend Dämpfung, ist aber dennoch direkt und keinesfalls zu stark gepolstert, die Sprengung beträgt 6 Millimeter. Ideal für den Mittelfußlauf, wofür er ja auch entwickelt wurde. Ich möchte jetzt aber noch nicht zu viel zu diesem Schuh schreiben, da 25 gelaufene Kilometer noch zu wenig sind für eine Bewertung.

Zwischenfazit: Der Umstieg auf Mittelfußlauf geht trotz Verletzungspause schneller voran, als ich gedacht habe. Die Technikumstellung kann quasi als abgeschlossen bezeichnet werden. Damit hätte ich zu diesem Zeitpunkt nie gerechnet. Jetzt geht’s an die Dämpfung und die Sprengung. Aber langsam. Ganz langsam. Eine Verletzungspause langt.

Hier geht’s zur Übersichtsseite Mein Natural Running Projekt.

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Geschrieben von: Bert