Rennradfahren - mehr als ein Ausgleichssport

Wie aus dem Ausgleichssport für das Laufen Spaß wurde

Jetzt hat’s mich erwischt – dieses Rennradfahren. Eigentlich war dieses Fahrradfahrerei nur als Ausgleichssport für die Lauferei gedacht. Andere Muskelgruppen ansprechen, Verletzungen vorbeugen und so. Also kaufte ich mir im Februar vergangenen Jahres ein Rennrad, das mit 28 Millimeter Reifen recht alltagstauglich ist. Viel gefahren bin ich dann, um ehrlich zu sein, nicht, zumindest nicht zum Ausgleich. Auf knapp 661 Kilometer habe ich es in 2014 gebracht, davon 479 Kilometer auf der Rolle in der Garage, nachdem ich mir nach dem Frankfurt Marathon eine Plantar Fasciitis angelacht hatte.

In der Garage Rennradfahren – das macht auch in Zeiten von Netflix & Co. nur begrenzt Laune. Sport ist für mich gleichbedeutend mit Draußensein. Den Sinn von Fitnessstudios in puncto Ausdauersport habe ich daher noch nie verstanden. Aber im November und Dezember mit dem Rennrad raus auf die Landstraße?

Wenn aus dem Ausgleichssport Spaß wird

Daher hat es wohl auch über ein Jahr gedauert, bis das Rennradfahren nicht mehr nur Ausgleichssport, sondern Spaß geworden ist. Denn dieses Jahr hat mich eine Verletzung im Sommer und nicht im Winter auf das Fahrrad gezwungen: eine Schleimbeutelentzündung unterhalb der Zehen im linken Fuß, die auch jetzt noch nicht ganz auskuriert ist. Da ich in ein paar Wochen beim TDS in Chamonix antreten möchte, halte ich mich strickt an das Laufverbot, das ich hoffentlich in einer Woche aufheben kann. Aus dem Zwang heraus merkte ich aber, dass dieses In-die-Pendale-Treten doch auch Freude macht, als ich letzten Sonntag die erste richtige lange Ausfahrt mit knapp über 100 Kilometern gemacht habe.

Vor ein paar Jahren bin ich noch Motorrad gefahren und kenne daher die schönsten Landstraßen in meiner Umgebung ganz gut. Einige Strecken sind am Wochenende für Motorradfahrer gesperrt. Was habe ich mich damals darüber geärgert. Jetzt fahre ich fast alleine diese wunderbar gewundene Straße durch den Odenwald, werde gelegentlich von einem Auto überholt, grüße einen anderen Rennradfahrer, der mir entgegenkommt. Nicht ganz so ruhig und erholsam wie ein Trail durch den Wald, aber doch verdammt nahe dran. Einfach schön, auch wenn der Hintern langsam schmerzt.

Lieber Rennrad als Mountainbike

Warum Rennrad und nicht Mountainbike als Ausgleichssport? Liegt das nicht näher, wenn man Trailrunning betreibt und Asphalt beim Laufen, soweit es geht, meidet? Zum einen soll das Fahrradfahren nicht nur Ausgleich, sondern auch Abwechslung sein. Mit dem Mountainbike würde ich genau die Strecken erradeln, die ich ohnehin schon erlaufe. Zum anderen hätte ich beim Downhill auf einem Mountainbike zu viel Angst und würde wie eine Schnecke – die Hände permanent an der Bremse – die Hügel hinunterkriechen. Nicht dass ich auf der Straße mit dem Rennrad der Bergabheld wäre – im Gegenteil: Vor jeder Kurve bremse ich so stark ab, dass mich ein Dreijähriger auf seinem Puky-Fahrrad überholen könnte. Aber der Asphalt fühlt sich für mich kontrollierbarer an als die Trails und Forstwege.

Und zu guter letzt finde ich Rennräder – die Mountainbiker unter meinen Lesern mögen mir verzeihen – optisch einfach sexyer. Klingt doof und das Wort sieht auch irgendwie doof aus – sexyer. Es trifft es aber doch ganz gut. Ich mag dieses Puristische, dieses auf Das-Wesentliche-Reduzierte, obwohl in den heutigen Bikes natürlich eine Menge Technik steckt.

Ein bisschen kann ich leider nicht

Dass mir das Rennradfahren nun doch unerwartet viel Freude bereitet, bringt allerdings auch Probleme mit sich. Ich kann nicht nur ein Bisschen. Wenn ich etwas mit Freude und Leidenschaft mache, dann will ich es verstehen, will wissen, wie das funktioniert. Rennrad kaufen, fahren, zur Wartung in die Werkstatt, ist also nicht. Selber machen ist angesagt. An meinem Rennrad kann und will ich derzeit aber nicht schrauben. Ein bisschen was falsch verstellt und schon geht nichts mehr. Diese Erfahrung durfte ich schon machen, die ein Freund, der sich bestens in Sachen Fahrrad auskennt, dann wieder ausbügeln durfte.

Wie lernt man besser die Funktionsweise eines Fahrrads kennen, als ein Rennrad komplett neu aufzubauen? Also habe ich mir einen schönen Strada Stahlrahmen von Eddy Merckx ersteigert, den ich nun mit ein paar modernen Teilen komplettieren möchte. Der Rahmen stammt aus Belgien, ist ca. 25 Jahre alt und wunderschön blau und sieht aus wie neu. Ich sitze hier, betrachte und bewundere den Lack, die Aufkleber, den Chrom, die Form.

Ist das mehr als Ausgleichssport? Ich fürchte schon.

Mehr als nur Ausgleichssport: Eddy Merckx Rahmen als Basis für den Neuaufbau eines Rennrads
Mehr als nur Ausgleichssport: Eddy Merckx Rahmen als Basis für den Neuaufbau eines Rennrads
Road Steel Bike mit Colmbus Rahmen: Eddy Merckx Strada von 1990
Road Steel Bike mit Colmbus Rahmen: Eddy Merckx Strada von 1990

Geschrieben von: Bert.

Rennradfahren – nur ein Ausgleichssport?

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Rennrad
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4 Kommentare

  • Wie sich manche „Lebensläufe“ doch gleichen. ich war ebenfalls mit einer Plantar Fasciitis außer Gefecht gesetzt als ich mir ein 25-30 Jahre altes Rennrad gekauft hatte. Dieses jahr hab ich mir jetzt noch ein älteres Triathlonrad gekauft und im Wechsel mit den beiden drehe hin und wieder zur Alternative meine Touren. macht echt richtig Laune…dieser „Ausgleichssport“ 🙂 Viel Spaß beim schrauben.

    Wolle

    • Hi Wolle,
      vielen Dank – ja, diese Sportlerlebensläufe gleich sich doch häufig. Wenn in der ein Sport gesundheitlich gerade nicht geht, sucht man gleich nach einer Alternative, denn Stillstand geht gar nicht.
      Viele Grüße
      Bert

  • Ich fahre jetzt seit 2 Wochen Rennrad und wollte es eigentlich nie so wirklich. Ich sehe das aber so wie du, ein MTB wäre Verschwendung da ich auf Trails lieber laufe und Asphalt laufend eher meide. Ist also eine ideale Ergänzung das gute Rennrad und Rennrad fahren bedeutet ja nicht gleich 0 Höhenmeter zu fahren.

    • Hi Sascha,
      ja, da ticken wir beide gleich. Null Höhenmeter kann ich bei mir ohnehin nicht fahren. Im Odenwald geht es immer nur bergauf oder bergab.
      Viele Grüße
      Bert
      PS: Hoffentlich mal wieder auf bald!

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