Als Vorbereitung für den Transgrancanaria: Der Rodgau 50 Ultramarathon

Viel mehr Volkslauf als beim 50 Kilometer Ultramarathon in Rodgau geht nicht; ein so bunt gemischtes Starterfeld habe ich bislang nicht erlebt: echte Spitzenläufer, die den Rodgau 50 in gut drei Stunden laufen (darunter der Gewinner der Ukrainer Oleksandr Holovytskyy), Laufanfänger, die bereits in Runde zwei ein paar Gehpausen einlegen, ein großes Mittelfeld mit Läufern in jeder Altersklasse und ein paar Greise in Laufoutfits vom 100 Marathon Club, die auch altersmäßig so langsam auf die Hundert zu gehen und die 50 Kilometer in gebücktem Laufstil meistern.

Der Rundkurs des 50 Kilometer Ultramarathon in Rodgau macht es möglich, dass auch Nicht-Ultraläufer die Saison mit einer schönen Laufveranstaltung beginnen können, denn viele Läufer steigen bereits – von vornherein geplant – mittendrin aus. Und so kommen von den knapp 1.000 Startern des Rodgau 50 in 2015 nur 538 Läufern nach den kompletten 50 Kilometern ins Ziel.

Trainingslauf für den Transgrancanaria

Ich hatte mir die komplette Distanz vorgenommen, wollte den Rodgau 50 als Trainingslauf für den Transgrancanaria nutzen, bei dem ich am 7. März in diesem Jahr 83 Kilometer mit 4.200 Höhenmeter bewältigen muss. Welche Zeit hatte ich mir vorgenommen? Da ich kaum in der Ebene laufe und es auf meinen Laufstrecken immer nur auf und ab geht, sind solche Läufe wie der Rodgau 50 mit topfebenem Kurs immer schwer einzuschätzen. Es sollte ein Grundlagenlauf werden, sozusagen ein extra langer Lauf: Bis Kilometer 30 bei ca. 70 Prozent vom Maximalpuls, bis Kilometer 40 bis ca. 75 Prozent, danach mal schauen, was noch geht. Unter 4:30 h sollten drin sein, rechnete ich mit Blick auf den Frankfurt Marathon aus.

Rodgau 50: Perfekt und mit viel Herz organisiert

Rodgau liegt nur knapp 30 Minuten mit dem Auto von mir entfernt. Am 31. Januar 2015, dem Tag der 16. Ausgabe vom Rodgau 50, stehe ich also entspannt um 7 Uhr auf. Es hat schon wieder geschneit. In die Laufsachen geschlüpft, die ich am Abend vorher rausgelegt habe, zwei Toasts mit Marmelade gefrühstückt, Auto frei gefegt, eine Tasse Kaffee trinke ich während der Fahrt.

Der Rodgau 50 ist ein perfekt, mit viel Herz organisierter Ultramarathon, bei dem es 10 Runden á 5 Kilometer zu bewältigen gilt. Das beginnt mit der Ausgabe der Startnummern – „Achtung, Stufe“, sagt eine Dame beim Hinein- und Hinausgehen – über die Begrüßungsworte in der Halle bis zu der Verpflegungsstation bei Kilometer 0,8 und der Zielverpflegung. Man merkt, dass der ganze Verein Spaß am Rodgau 50 hat und dieser überträgt sich auf die Teilnehmer.

Familientreffen des #twitterlauftreffs.

In der Halle gibt es erst einmal ein Familientreffen mit Läufern des #twitterlauftreffs: @bevegt, @laufeninleipzig, @sielaeuftde, @TeddyTria, @Lauftagebuch, @ryana_81, @MagicMike2311, @RunningStephan, @schubath, auf dem Weg zum Start-/Zielbereich treffen wir auf @ironchrisse und @ironmatze, Support an der Strecke gibt es später noch von @blondbeauty83 und bei Kilometer 38 ein Handshake mit @blabbermaul. Schön, die Personen, denen man schon eine ganze Weile auf Twitter folgt, mal persönlich zu treffen, wenn auch nur kurz beim Rodgau 50.

Ultramarathon Rodgau 50: Auf dem Weg zum Start-/Zielbereich
Ultramarathon Rodgau 50: Auf dem Weg zum Start-/Zielbereich

Zum Startbereich sind es ca. 800 Meter zu laufen. Vier Minuten vor dem Start kommen wir an – der Sprecher fordert die Teilnehmer bereits dazu auf, sich im Starterfeld einzusortieren –, schnell noch die warme Jacke für nach dem Lauf deponiert, und dann geht es auch schon los: Von 10 runter gezählt und der Rodgau 50 ist gestartet.

Trotz Rundkurs keineswegs langweilig

Der Laufweg ist schmal, und es dauert eine Weile, bis sich das Feld soweit entzerrt hat, dass man sein eigenes Tempo laufen kann. Der Himmel ist bewölkt, aber es sieht nicht nach weiteren Niederschlägen aus. Ich schaue auf meine Uhr: Ich laufe zwischen 5:10 und 5:20 min/km bei 70% – das passt. Es geht zwei Kilometer über Asphalt, dann drei Kilometer über Feldwege, die an manchen Stellen recht matschig, aber gut zu laufen sind. Bei Kilometer 3,5 geht es in ein kleines Waldstück. Die Strecke ist abwechslungsreicher als gedacht und das Im-Kreis-Gelaufe wird nicht langweilig. Sogar der Himmel klart an einigen Stellen auf, und die Sonne scheint auf das Läuferfeld.

An der Verpflegungsstelle trinke ich Tee (das Wasser ist einfach zu kalt), esse Bananenstücke und Fruchtriegel. Es läuft rund, wie ein entspannter langer Lauf, und bis Kilometer 30 bleibt mein Puls bei 70%. Dann beginnt er langsam zu steigen. Ich halte mein Tempo, mein Puls liegt jetzt bei 75%, alles in Plan. Bevor es in die siebte Runde geht, entdecke ich kurz vor dem Zielbereich des Rodgau 50 meine Familie – meine Frau und Tochter und mein Sohn feuern mich an. Ich freue mich, dass sie gekommen sind (war vom Wetter abhängig), klatsche mit meinen Kindern ab und mache mich auf in Runde acht.

Rodgau 50: Aufnahme von mir bei Kilometer 35
Rodgau 50: Aufnahme von mir bei Kilometer 35

Meine Fußsohle schmerzt ganz leicht (Asphalt bin ich einfach nicht gewohnt), und auch sonst werden die Beine müder, aber im großen und ganzen fühle ich mich noch sehr gut. Bei Kilometer 40 überlege ich, ob ich das Tempo steigern soll. Mein Puls liegt jetzt bei 80%. Ich laufe etwas schneller. Mal schauen, was noch geht.

Die letzte Runde: Noch mal das Tempo forcieren

Die letzte Runde. Meine Beine geben Rückmeldung, dass sie frisch genug sind, um das Tempo noch mal zu forcieren; die ersten langsamen 35 Kilometer haben Luft gelassen für eine schnelle letzte Runde. Wobei „schnell“ nach 45 Kilometern natürlich relativ ist. Zwischen 4:40 und 5:05 min/km pendelt sich mein Tempo ein und ich überhole zahlreiche Läufer. In welcher Runde die wohl gerade sind? Wie ich in der letzten? Mit 24:53 min laufe ich meine schnellste Runde und komme beim Rodgau 50 mit 04:21:55 ins Ziel; das ist der 96. Gesamtplatz und der 14. Platz in der Alterklasse M35.

Fazit

Meine Befürchtung, der 5-Kilometer-Rundkurs beim Rodgau 50 Ultramarathon könne langweilig sein, hat sich nicht bewahrheitet. Der Lauf hat richtig Spaß gemacht und ist perfekt und herzlich organisiert. Ein sehr schöner Einstieg in die Saison 2015.

Geschrieben von: Bert

Rodgau 50: Ein mit Herz organisierter Ultramarathon

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Läufe
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22 Kommentare

  • Glückwunwch zu dieser tollen Leistung, gute Regenartion und weiterhin viel Erfolg und Spaß in der Vorbereitung für den Transcrancanaria

    Viele Grüße aus den Bergen

    • Hi Steve,
      dank dir! Ja, so langsam geht’s den Knochen wieder ganz gut. Der Transgrancanaria rückt jetzt schnell näher – und damit steigt auch die Vorfreude.
      VG
      Bert

  • Respekt!

    Schau mal bei den Bildern von Hendrik, da biste super drauf:

    http://trailblog.de/rodgau-ultramarathon-2015-fotos/

    • Hi Martin,
      danke! Und danke auch für den Hinweis auf die Bilder von Hendrik. Mein schiefes Lachen hatte ich schon entdeckt 😉
      VG
      Bert

  • Jetzt aber auch genug Asphalt, ne? 🙂

  • Dein Blogbeitrag ist nicht gerade der Planung meiner nächsten Laufjahre förderlich 😉

    Aber liest sich auch bei Dir nach einem tollen Lauf.

    • Hi Daniel,
      Lemminge 2.0? Sag Bescheid, wenn du teilnimmst, eine Übernachtungsmöglichkeit lässt sich sicherlich organisieren.
      VG
      Bert

  • Natürlich ist Rodgau nicht langweilig! Alleine schon, weil ab der zweiten Runde das Überrunden und Überrundetwerden beginnt. Auch wenn es eine schöne und großteils asphaltierte 5-km-Runde ist – Rodgau ist kult und bringt Spaß. Schön zu lesen, dass auch du dich mal an so etwas herantraust 😉

    • Hallo Hannes,
      ja, ich hab‘ mich mal getraut 😉 Hat wirklich Spaß gemacht der Rodgau 50 und das Überrunden und Überrundetwerden hat daran einen großen Anteil. Wann gehst du in Rodgau wieder an den Start?
      VG
      Bert

  • Es war mir ebenfalls eine Freude – und solche Laufberichte sind ein schöner Ansporn, weiter zu machen…!

    • Hallo Dominik,
      lieben Dank! Und Gratulation an dich, dass du das Ding durchgezogen hast! Hoffentlich bis bald mal wieder.
      VG
      Bert

  • Hört sich wirklich nach Spaß an. Nächstes Jahr will ich da auch dabei sein. Super „Trainingsleistung“ 🙂

    • Das war es. Eine „Trainingsleistung“, die ich auch heute noch so ganz leicht in den Beinen spüre 😉

      VG
      Bert

  • Ein toller und herzlicher Bericht. Glückwunsch zur tollen Leistung :D. Ich glaube, dass ich mir den Lauf im nächsten Jahr auch gönnen werde.

    Grüße
    Sebi

    • Hi Sebi,
      vielen Dank! Das wäre doch mal was – dann könnten wir uns in 2016 mal persönliche treffen.
      VG
      Bert

  • Schön,

    dass dich das #Rodgau50 Fieber auch infiziert hat. Ich bin 2016 auch wieder am Start!

    • Hi Michael,
      ja, Rodgau 50 steckt an. Bin mir recht sicher, dass ich 2016 auch wieder starten werde.
      VG
      Bert

  • Schöner Bericht! Ich hab vor allem die angenehm entspannte Atmosphäre genossen. Kein Sprecher, der sich zu wichtig nimmt, wie man es von anderen Veranstaltungen kennt und lauter super nette Helfer. Übrigens hast Du mich ganz knapp geschlagen 😉

    • Hallo Tom,
      vielen Dank! Definitiv eine super Atmosphäre. Einfach eine tolle Veranstaltung mit tollen Menschen, die das organisieren und betreuen.
      VG
      Bert

  • Hallo Bert,
    Danke für den tollen Bericht! Wir hoffen Dich nächstes Jahr wieder begrüßen zu dürfen. Wir wünschen Dir eine erfolgreiche Session 2015!
    Grüße aus Rodgau
    Karsten vom RLT-Rodgau

  • War super schön bin 2016 auch wieder dabei .. 😀

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