Laufen wie Kilian Jornet mit dem Salomon S-Lab Sense Ultra?

Ich wollte es einfach mal wissen: Ist der Salomon S-Lab Sense Ultra sein Geld wert? Der Trailschuh, der, so das Marketing von Salomon, zusammen mit dem derzeit besten Trailrunner Kilian Jornet entwickelt wurde, und der in seiner weiß-roten Farbkombination so herrlich dekadent daher kommt, wie ein Ferrari unter den Trailschuhen. 159,- Euro lautet der stolze Listenpreis des S-Lab Sense 3 Ultra, der in manchen Online-Shops sogar für 10 Euro mehr angeboten wird, wohl in der Hoffnung, dass das Haben-Wollen blind für den Preis macht. Ich habe gut 111,- Euro im Ausverkauf bezahlt, denn 159,- würde ich für keinen Laufschuh ausgeben, auch nicht für den Sense Ultra von Salomon.

Eine ziemlich enge Socke ist der S-Lab Sense Ultra 3

Ein wenig ehrfürchtig ist mir schon zumute, als ich den Schuhkarton zum ersten Mal öffne und dieses Federgewicht in den Händen halte. 240 Gramm lautet das nachgemessene Gewicht in der Größe 44.5, ganze 40 Gramm leichter als der Sense Pro, mit dem sich der Sense Ultra das Obermaterial teilt. Die erste Anprobe: Er sitzt wie eine Socke, eine ziemlich enge Socke, und ich bin froh, dass ich den Schuh eine halbe Nummer größer als den Sense Pro bestellt habe. Ist er zu eng? Ich wüsste nicht, dass meine Füße sonderlich breit wären. Darum baue ich darauf, dass der S-Lab Sense Ultra 3 schon passen und sich beim Laufen weiten wird. Denn ein bisschen habe ich mich schon jetzt in diese High-Tech-Schlappen verliebt. (Ja, man kann sich durchaus in einen Schuh verlieben. Ihr Läufer wisst, was ich meine.)

High-Tech-Schlappen mit Carbon

Das Carbon der Bodenplatte, die sich über den kompletten Vor- und Mittelfußbereich erstreckt (die Ferse wurde ausgelassen, da der Schuh ausschließlich für Vor- und Mittelfußläufer entwickelt wurde), ist an den Auslassungen der Sohle sichtbar.

Salomon S-Lab Sense Ultra: Carbon-Platte
Salomon S-Lab Sense Ultra: Die Carbon-Platte ist an den Auslassungen gut zu erkennen.

Die Schnürung ist perfekt. Die Sohle ist dünner als die Fotos (siehe unten) vermuten lassen; sie beginnt nämlich nicht direkt unterhalb des Mesh-Materials, sondern unterhalb des Absatzes darunter. Am liebsten würde ich gleich eine Runde über meine Lieblingstrails drehen, aber es regnet, und ich will die Sense Ultra 3 nicht gleich beim ersten Lauf total einsauen. Absurd, schließlich handelt es sich doch um einen Trailschuh? Ja, ist es, aber so ist es eben mit einer neuen Trailschuhliebe.

Ein unvergleichliches Laufgefühl

Ein paar Tage später ist es dann soweit: Bei sonnigen 24 Celsius geht’s raus auf die getrockneten Trails. Schon auf den ersten hundert Metern bin ich überrascht, wie anders sich der Salomon S-Lab Sense Ultra im Vergleich zum Pro anfühlt. Das hatte ich so nicht erwartet – ähnliche Plattform, fast identisches Laufgefühl hatte ich gedacht. Denkste. Der Sense Ultra ist zum einen auch beim Laufen merkbar leichter, direkter und härter. Ich laufe stärker auf dem Vorfuß, da die Sprengung nicht 6, sondern nur 4 Millimeter beträgt. Und ich laufe schnell; der S-Lab Sense Ultra 3 ist eben ein Racing-Schuh und animiert automatisch zu einem zügigen Laufstil. Der Untergrund – die Steine, Wurzeln, der Kies und das Gras – ist spürbar, die Bodenplatte gibt aber sehr guten Schutz, so dass spitze Steine nicht durchschlagen. Und er ist im Vergleich zum Sense Pro sehr viel flexibler. Am ehesten lässt sich das Laufgefühl mit dem Trailroc 245 von inov-8 vergleichen, nur dass der Fersenhalt besser ist wie auch der Schutz im Zehenbereich. Ein Hauch von Nichts, der aber Schutz und Vertrauen gibt. Hierzu trägt auch die enge Passform bei, die sich beim Laufen aber nicht unangenehm eng anfühlt, sondern Stabilität gibt; aus Schuh und Fuß wird nahezu eine Einheit. Ein Traum und ein einmaliges Laufgefühl, das ich so bislang bei keinem Trailschuh hatte. Aus den geplanten 10 Kilometer werden 20.

Salomon S-Lab Sense Ultra
Außenseite des Sense Ultra
Innenseite des Minimalschuhs
Die Sohle des Sense Ultra ist der vom Pro sehr ähnlich.
Racing-Schuh: Daran lässt der S-Lab von Salomon keinen Zweifel

Close up vom Salomon S-Lab Sense Ultra
Dass der Salomon S-Lab Sense Ultra 3 eng geschnitten ist, kann man anhand der obigen Bilder gut erkennen. Die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck.

Direkter Minimalschuh für schnelle Läufe

Für wen eignet sich der Salomon S-Lab Sense Ultra 3? Wie bereits erwähnt, wurde er für Vorfuß- und Mittelfußläufer entwickelt, Fersenläufer werden mit diesem kaum gedämpften Minimalschuh nicht glücklich werden. Er eignet sich für trainierte Läufer, die ein direktes Laufgefühl schätzen und gerne im Training und im Wettkampf auch mal schnell unterwegs sein wollen und dabei auf guten Schutz nicht verzichten möchten.

Stellt sich abschließend noch die Frage nach der Haltbarkeit. Gut 100 Kilometer bin ich mittlerweile mit dem Sense Ultra gelaufen auf Distanzen zwischen 10 und 22 Kilometern und mittlerweile auch durch Matsch. Meine Begeisterung ist ungebrochen. Bislang zeigen sich kaum Spuren der Abnutzung weder am Obermaterial, noch an der Sohle. Wie bei meinen anderen Tests werde ich dies aber im Auge behalten und diesen Test mit entsprechenden Updates aktualisieren.

Ist der Salomon Slab Sense Ultra 3 denn nun sein Geld wert? Leider ja.

Abschluss-Fazit nach 500 Kilometern

500 Kilometer hat der Sense Ultra gehalten, jetzt ist die Dämpfung durch. Sonst steht er noch gut da: das Sohlenprofil ist noch top und auch das Obermaterial hat keine Risse. Für eine so leichten Racer finde ich das beachtlich und bezüglich Preis-Leistung in Ordnung. Klar, 100 Kilometer mehr hätten es sein können. Aber die schafft dann vielleicht der Sense Ultra 4, der jetzt bei mir im Schuhregal steht – denn bei ihm soll die Haltbarkeit verbessert worden sein. Ein paar Abschiedsbilder vom Ulra 3, den ich zum Schluss auch auf Distanzen von bis zu 50 Kilometern getragen habe:

Sense Ultra 3 nach 500 Kilometern
Sohlenprofil mit sehr guter Haltbarkeit
Keine Risse im Obermaterial

Geschrieben von: Bert

Salomon S-Lab Sense Ultra im Trailrunning-Test

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Tests
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2 Kommentare

  • Ich bin gerade vom Sense Pro (Bericht folgt) sehr angetan.
    Dein Bericht macht Lust auf das Teil…hmm! 😉

    • Hallo Steve,
      freut mich sehr, dich hier zu treffen. Ja, der Sense Pro ist mein aktueller Lieblings-Trailschuh für lange Distanzen. Bin u.a. den Zugspitz Supertrail mit dem gelaufen. Und der Sense Ultra macht einfach nur Spaß – ein Wahnsinns-Teil.
      Viele Grüße
      Bert

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