Der TDS 2015: 119 Kilometer und 7.250 Höhenmeter um den Mont Blanc

Es schreibt sich langsam mit nur einer Hand. Ich sitze in unserer Ferienwohnung und tippe umständlich ein paar Stichpunkte in den Laptop. Wo fange ich an? So viel habe ich auf den 119 Kilometern des TDS 2015 oder den knapp 30 Stunden, die ich auf der Sur les Traces des Ducs de Savoie unterwegs war, erlebt und gesehen. Die wilde Seite des UTMB – so wird der TDS auch bezeichnet. Beginnen wir mit dem Naheliegenden: dem Start im italienischen Courmayeur. Es ist Mittwoch, der 26. August 2015.

Start in Courmayeur kurz vor der Dämmerung

Die Morgendämmerung kündigt sich durch ein lichter werdendes Himmelsgrau an. Es ist sechs Uhr und so eben ist der Startschuss zum TDS 2015 gefallen. Einerseits freue ich mich auf das Erlebnis. Andererseits habe ich ein mulmiges Gefühl, denn aufgrund einer Schleimbeutelentzündung im linken Fuß konnte ich kaum trainieren. Zudem weiß ich nicht, wie die gerade abgeklungene Entzündung auf die Strapazen dieses Ultralaufs reagieren wird.

Unter dem Jubel der Zuschauer – ganz Courmayeur scheint auf den Beinen zu sein – laufen wir einmal durch das kleine Dorf. Mir wird zu warm. Wann lerne ich das endlich? Die Jacke vor dem Start wegpacken und nicht auf dem ersten Kilometer des Rennens. Hilft nichts. Kurz rechts ran und die Jacke in den Beutel des Salomon Rucksacks gestopft.

Hinauf zum Col Chavanne auf 2.584 Metern Höhe

Über breite Feldwege geht es bergauf. Einige Läufer keuchen, als stünde uns bereits der letzte Anstieg zum Col du Tricut bevor. Nach dem ersten Verpflegungspunkt staut es sich wie im allabendlichen Berufsverkehr nach einem Auffahrunfall. Der Weg verschmälert sich zu erst zu einem Zweier- dann zu einem Singletrail. Immer wieder stockt es auf den nächsten Kilometern, die sich hinauf zum Col Chavanne auf 2.584 Metern Höhe ziehen. Die Natur ist einfach nur beeindruckend. Die Zugspitz-Arena ist wunderschön. Das Mont-Blanc-Massiv und die es umgebende Bergwelt machen sprachlos. Daher enthalte ich mich blumiger Naturbeschreibungen, die die Kitschgrenze wohl mehr als einmal überschreiten würden, und verweise auf den Videoclip mit einigen Impressionen zu Beginn des Beitrags.

Stau auf den ersten Kilometern des TDS 2015
Stau auf den ersten Kilometern des TDS 2015

Diesen Sturz kannst du nicht mehr abfangen

Vom Col Chavanne geht es fast zehn Kilometer eine einfach zu laufende Strecke mit Schottersteinen bergab. Zu einfach nach den sonst sehr technischen Trails des TDS? Vielleicht ließ deswegen meine Konzentration für einen Moment nach. Vielleicht habe ich auch einen Augenblick zu lange die wieder grüner werdende Landschaft rechts von mir bewundert.

TDS 2015 beim UTMB
Ausblick vom Col Chavanne auf knapp 2.600 Metern Höhe
Ich strauchele. Und merke sofort: Diesen Sturz kannst du nicht mehr abfangen. Aus vollem Lauf pralle ich auf meine rechte Seite. Schnell rappele ich mich wieder auf, sammele meine Stöcke ein, die ich zusammengefaltet mit den Händen getragen hatte.
„Everything okay“, antworte ich einem Läufer, der wissen will, wie es mir geht.
Aber so richtig okay bin ich nicht: mein rechtes Knie und mein rechter Ellenbogen sind ordentlich aufschrammt und bluten, und auch meine Schulter meldet ganz deutlich eine fiese Prellung. Weiterlaufen. Erst mal weiterlaufen.

Medizinische Versorgung in Col du Petit St Bernard

In meiner Schulter pocht es, aber der erste Schmerz lässt nach. Bis zur nächsten Verpflegungsstation Col du Petit St Bernard bei Kilometer 37 ist es noch ein gutes Stück. Es geht wieder bergauf. Ich klappe die Stöcke auf und belaste vorsichtig den rechten Arm. Ein leichter Schmerz, aber nur, wenn ich mich mit vollem Gewicht abstütze. Wenn der Schmerz so bleibt, dann laufe ich den TDS 2015 mit eineinhalb Armen zu Ende. Wenn es schlimmer wird, steige ich aus.

In Col du Petit St Bernard lasse ich meine Schürfwunden reinigen. Auf einer Trage liegt ein Mann mit Halskrause. Ich esse zwei Bananenstücke, aber so richtig Hunger habe ich nicht. Der Sturz steckt mir noch in den Knochen, und es wird immer wärmer. „Attention risk of hot weather“, hatte in der SMS gestanden, die der Veranstalter am Abend vor dem Lauf an die Teilnehmer geschickt hatte. Es folgt der lange Abstieg nach Bourg St Maurice, einem größeren Verpflegungspunkt auf 837 Metern Höhe, den ich um kurz nach 15:00 Uhr erreiche. Kilometer 50 ist geschafft.

Bergwelt mit See bei traumhaften Wetter während des TDS 2015
Bergwelt mit See bei traumhaftem Wetter während des TDS 2015

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist alles

Mühsam und mit einigen Verrenkungen ziehe ich den Rucksack vom Rücken. Laufen geht mit der geprellten Schulter, aber jede Bewegung seitlich und nach oben wird sofort mit stechenden Schmerzen quittiert. Positiv: Mein Fuß fühlt sich gut an, der vermaledeite Schleimbeutel gibt Ruhe. Der inov-8 Race Ultra 270 mit seinem breiten Vorfußbereich war eine gute Wahl – ich bin erleichtert, denn mehr als 30 Kilometer am Stück bin ich mit diesen Schuhen bislang nicht gelaufen. Wasservorräte aufgefüllt – auch die vierte Soft Flasks (zwei vorne, zwei hinten im Rucksack) mache ich jetzt voll, denn die Hitze nimmt weiter zu, und für den Abschnitt, der mir nun bevorsteht, sind zwei Liter Wasser das absolute Minimum.

Aber einfach so den Verpflegungspunkt verlassen, ist nicht: Kontrolle der Pflichtausrüstung. Und was will die freundliche Dame sehen, beide Stirnlampen? Also auch die Ersatzlampe, die man höchst wahrscheinlich nicht brauchen wird? Denn wo verstaut man eine Ersatzlampe, die man höchst wahrscheinlich nicht benötigen wird? Richtig, ganz unten im Rucksack, eingewickelt in die warme Mütze zwischen den wasserdichten Handschuhen und der wasserdichten Hose, die man bei Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit höchst wahrscheinlich auch nicht brauchen wird. Ich krame meine Hauptlampe hervor, zeige meine wasserdichte Laufjacke. Dann setze ich meinen super vertrauenswürdigen Hundeblick auf und versuche der Kontrolleurin klar zu machen, dass das so richtig doof wäre, wenn ich jetzt meinen kompletten Rucksack auspacken müsste, um meine Ersatzlampe zu zeigen, die ich doch höchst wahrscheinlich nicht benötigen werde und die ich aber natürlich dennoch pflichtbewusst als Teil der Pflichtausrüstung dabei habe. Mein Blick wirkt, meine Startnummer erhält einen Haken auf ihrer Liste und ich darf Bourg St Maurice passieren, ohne meinen Rucksack komplett entleeren zu müssen.

Der mörderische Teil des TDS 2015

Jetzt soll der mörderische Teil des TDS 2015 folgen, vor der man eigens ein paar Tage vorab vom Veranstalter noch per E-Mail gewarnt worden war: „We would like to remind you that the greatest difficulty in the race is when you leave Bourg Saint-Maurice (Km 51), with 2000m of ascent almost uninterrupted up to the Passeur de Pralognan, followed by a very technical descent towards the Cormet de Roselend. Each year, numerous runners under estimate this section, unnecessarily putting themselves into danger and are forced to abandon.“

Ich hatte mich auf die 2.000 Höhenmeter am Stück gefreut, auf die Quälerei, das sich Stück um Stück nach oben drücken. Jetzt klebe ich in diesen Serpentinen fest, der Schweiß rinnt von Kopf und Armen, das Wasser aus den Soft Flasks will nicht erfrischen, und die Sonne kokelt den letzten Rest Motivation aus meinem Kopf. Es ist richtig heiß geworden. Mein Puls rast, alle zehn Meter muss ich pausieren. Noch über 60 Kilometer, wenn ich die 2.000 Höhenmeter und den darauf folgenden technischen Downhill geschafft habe. Ich mag nicht mehr. Und vor allem glaube ich in diesem Moment auch nicht mehr daran, dass ich den TDS 2015 überhaupt bewältigen kann. Viel zu wenig trainiert, dann noch die Prellung an Arm. Das große Wehklagen.

Pause beim langen Anstieg zum Passeur de Pralognan
Pause beim langen Anstieg zum Passeur de Pralognan

Fast vier Stunden quäle ich mich nach oben, 2,4 km/h im Schnitt. Ich stelle diese ganze bescheuerte Lauferei in Frage. Zweimal will ich meine Frau anrufen und sie bitten, mich (wenn möglich) am nächsten Verpflegungspunkt abzuholen, aber ich habe kein Netz. An den Seiten liegen immer öfter Läufer, die versuchen bei einem kurzen Schlaf neue Energie zu finden. An die letzten 100 Höhenmeter erinnere ich mich nicht mehr. Plötzlich stehe ich oben. Erleichtert schließe ich die Augen.

Lupine an, Nacht aus

Es dämmert langsam. Ich beginne sofort mit dem Abstieg, denn diesen Downhill will ich nicht im Dunkeln klettern: Es geht fast senkrecht über spitze Steine mit Klettersteigen gesichert nach unten. Freiwillige Helfer weisen den einfachsten Weg, während ich mich mit einer Hand an den Seilen festklammere und ängstlich einen Fuß vor den anderen setze. Die Stöcke sind keine Hilfe; auf dem Stein könnten sie zu leicht abrutschen.
„Four kilometers you get food and fresh clothes“, ruft einer der Helfer.
Warmes Essen, das klingt verdammt gut.

Sonnenuntergang - jetzt kommt die lange Nacht
Sonnenuntergang – jetzt kommt die lange Nacht
Der Abhang endet an einem mit Felsen gespickten Trail. Ich fühle mich besser – der forderndste Teil des TDS 2015 liegt hinter mir. Ich laufe noch ein paar hundert Meter, dann packe ich meine Stirnlampe aus. Auf Stufe zwei bringt die Lupine immer noch 450 Lumen; das Licht ist ein bisschen Heimat, denn meine Frau hat mir das gute Stück geschenkt. Ich überhole ein paar Läufer, die sich mit ihren Funzeln nur mühsam durch die Dunkelheit tasten. Dann ein Licht in der Dunkelheit: Der Verpflegungspunkt Cormet de Roselend, wo Wechselkleidung und warmes Essen warten. Mittlerweile bin ich 15:33:26 Stunden unterwegs und 66,4 Kilometer mit 4.485 Höhenmeter gelaufen. Zum Vergleich: Für den Zugspitz Ultratrail mit in diesem Jahr 90,4 Kilometern und knapp 4.500 Höhenmetern habe ich 14:28:29 Stunden gebraucht – dies gibt einen Eindruck von der Schwierigkeit der Strecke des TDS.

Cormet de Roselend: Nudeln und frische Klamotten

Im Zelt des Verpflegungspunktes bekomme ich sogleich meinen Beutel gereicht, den ich in Courmayeur abgegeben hatte. Das wird jetzt schmerzhaft. Beim Laufen spüre ich Schulter und Arm noch immer nur leicht. Für den T-Shirt-Wechsel muss ich den Arm aber richtig anheben. Zentimeter für Zentimeter rupfe ich das klebrige Shirt mit der linken Hand über den Kopf. Kurz vor Schluss den rechten Arm nach oben, der Schmerz schießt in die Schulter, dann ist es geschafft. Nun muss ich nur ein frisches Shirt auch wieder anziehen. Ich wähle ein Kurzarm-Shirt, den Montane Minimus Smock darüber; die Nacht ist mit 8°C nicht wirklich kalt, und vor allem möchte ich mir einen weiteren Shirt-Wechsel beim TDS 2015 ersparen. Noch die Socken gewechselt (ich beschließe, weiter mit den inov-8 Race Ultra 270 zu laufen und nicht auf die Salomon Sense Pro zu wechseln), dann geht es zum Essen.

Nudeln. Warm. Göttlich. Wasser aufgefüllt, Coffein-Gels in die Vordertasche des Rucksacks gesteckt, iPod ausgepackt, Köpfhörer eingestöpselt, Lupine an. Es geht raus in die Nacht. Noch knapp 60 Kilometer mit 3.000 Höhenmetern liegen vor mir.

Beim TDS 2015 ist man fast nie alleine unterwegs

Ich fühle mich frisch, gestärkt, ja, regelrecht erholt. An ein DNF (Did not Finish) beim TDS 2015 denke ich nicht mehr. Es geht breite Feldwege nach oben, und das erste Mal seit sechs Stunden kann ich wieder Tempo machen, setze gleichmäßig die Stöcke und überhole. Der Weg geht kurz darauf in einen matschigen Singletrail über. Das Schöne bei 1.600 Startern: Selbst bei einer Strecke von 119 Kilometern läuft man nie oder nur selten allein; es findet sich immer eine passende Gruppe für das nächste Teilstück. So auch hier: Mit zwei Spaniern steige ich über und durch die Matschlöcher. Über 80 Nationen sind beim UTMB vertreten.

Hinter La Gitte ein steiler Anstieg, dann geht es über Wiesentrails bergab nach Col Joly. Kuhglocken in der Dunkelheit. Ich wende meinen Kopf nach links und strahle eine Kuh an, die direkt am Trail steht. Cool bleiben, locker vorbeilaufen. Verfolgt mich das Läuten der Kuhglocke? Habe ich die Kuh verärgert, weil ich mit meiner Stirnlampe ihre wohlverdiente Nachtruhe gestört habe? Ich laufe schneller. Gong, gong, gong. Bestimmt eine andere Kuh, dennoch erhöhe ich noch mal das Tempo. Gong, gong, gong. Ich schließe zu einem anderen Läufer auf, der auch sichtlich um Tempo bemüht ist. Wir erreichen das Ende der Weide. Das Läuten der Glocke verstummt.

Es wird wieder Tag

Es ist früher Morgen, aber noch dunkel, als ich Les Contamines bei Kilometer 95 erreiche. Ich pausiere nur kurz: Stein aus dem Schuh geschüttelt, der trotz Gamaschen seinen Weg hinein gefunden hat, Soft Flasks aufgefüllt, eine Nudelsuppe, zwei Bananenstücke gegessen. Endspurt. Nur noch ein Halbmarathon mit 1.335 Höhenmetern. Sofort geht es steil bergauf, von einem Forstweg in einen Trail, der von Wurzeln durchzogen ist. Ich fühle mich gut. Es geht doch nichts über ein paar Nudeln im Bauch.

Die Sonne geht auf – ein surrealer, tröstlicher Anblick.

Der letzte Anstieg: Es geht noch einmal 600 Höhenmeter fast senkrecht nach oben. In meiner Schulter zwickt es jetzt bei jedem Stockeinsatz. Ich lasse meinen linken Arm arbeiten, der rechte Arm sichert nur noch ab. Den Blick starr auf die Schuhe meines Vordermannes gerichtet, geht es in einer Gruppe von fünf Läufern nach oben. Ich schaue nicht nach links oder rechts, oben oder unten. Steigen, einfach nur Steigen, Füße und Stöcke trotz der zunehmenden Müdigkeit sicher setzen. Es wird wieder wärmer, aber noch bin ich froh, dass ich eine Jacke über dem Shirt trage. Dann haben wir den Gipfel des Col du Tricot erreicht. Es geht downhill nach Les Houches, das mit Chamonix auf einer Höhe liegt.

Endspurt: von Les Houches nach Chamonix

Von Les Houches sind es noch acht Kilometer bis Chamonix. Auch auf diesem Abschnitt verstecken sich noch einmal 200 Höhenmeter. Es geht über einen hügeligen Waldweg. Das nahende Ziel motiviert. Ich mache Tempo und überhole bis zum Ziel 26 Läufer. Über Nebenstraßen nähere ich mich dem Stadtzentrum. Die Stöcke trage ich mit der linken Hand. Es ist 11 Uhr morgens. Wo es geht, laufe ich im Schatten. Die Sonne brennt.

Einmalig ist der Zieleinlauf in Chamonix: Alle – wirklich alle –, die auf den Straßen unterwegs sind, bleiben stehen, stellen ihre Einkaufstüten ab, klatschen und feuern mich für die letzten Meter noch einmal an. Direkt vor der seitlichen Absperrung stehen meine Frau und meine Kinder. Meinen Sohn an der linken, meine Tochter an der rechten Hand laufe ich dem Tor des UTMB entgegen.

In 29:22:23 Stunden habe ich den TDS 2015 bezwungen. Das Gefühl, die Ziellinie zu überschreiten, ist kaum zu beschreiben. Jeder Läufer, der schon einmal einen Ultratrail gefinished hat, kennt es, liebt es – ohnmächtige Euphorie, Stolz, Erleichterung, Glück.

Fazit: Faszination UTMB

Ich wage die Behauptung, dass ein Utratrail wie der TDS 2015 zu 70 Prozent mit dem Kopf gelaufen wird. Klingt komisch, aber Ihr wisst, was ich meine. Dank einer Schleimbeutelentzündung im linken Fuß bin ich, wie schon erwähnt, die letzten vier Wochen vor dem TDS nur 40 Kilometer gelaufen – nicht pro Woche, sondern insgesamt – und habe mein restliches Training auf dem Rennrad abgespult. Klar, ich bin dieses Jahr schon viel gelaufen und konnte den Transgrancanaria Advanced und den Zugspitz Utratrail finishen. Dennoch: eine optimale Vorbereitung sieht anders aus. (Zumindest kann ich sagen, dass ich gut erholt ins Rennen gegangen bin.) Dann der Sturz und der schmerzende Arm. Das erste Mal hatte ich bei einem Ultratrail zudem ein richtiges Tief. Fast fünf Stunden dachte ich ans Aufgeben, daran, diesen ganzen Blödsinn doch einfach sein zu lassen. Jetzt weiß ich, dass dieses Gefühl, diese Gedanken vorübergehen, dass der Kopf ein solches Tief überwinden kann.

Der TDS 2015 war perfekt organisiert, zum Teil überorganisiert und recht bürokratisch. Einen Riesendank an dieser Stelle an die zahllosen freiwilligen Helfer auf den Bergspitzen, den Verpflegungspunkten und im Hintergrund. Für den UTMB ist die ganze Region auf den Beinen.

Der TDS ist wie alle Läufe des UTMB ein faszinierendes Erlebnis in einer alpinen Bergwelt, deren Schönheit den Läufer mehr als einmal innehalten lässt. Die Strecke ist extrem schwer zu laufen (die technische Schwierigkeit liegt über der des UTMB), so dass ich mehr gewandert als gelaufen bin.

Bleibt noch etwas zu erwähnen? Ja, mit dem TDS habe ich nun die 9 Punkte zusammen. #utmb2016

Nachtrag: Leichte Fraktur in der Schulter

Die Schwellung am Arm nahm nach dem Lauf zu, und Schulter, Arm und Brust verfärbten sich in einer munteren Mischung aus blau, grün, lila. Am Samstag ließ ich im Krankenhaus von Chamonix ein paar Röntgenaufnahmen anfertigen. Das Ergebnis: Nicht nur eine Prellung, sondern eine leichte Fraktur in der Schulter. Drei Wochen Pause, der rechte Arm muss mit einer Bandage ruhig gestellt werden. Sportlich nicht weiter dramatisch, denn mit dem TDS 2015 ist meine Saison in diesem Jahr zu Ende gegangen. Und dieser Bericht ließ sich auch mit einer Hand schreiben – nur etwas langsamer als gewohnt.

Geschrieben von: Bert

TDS 2015: die wilde Seite des Ultra-Trail du Mont-Blanc

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Läufe
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10 Kommentare

  • Nochmals Gratulation zu Deiner fantastischen Leistung und vielen Dank für den lesenswerten Bericht. Knapp 30 Stunden durch die Alpen. Für mich ist nach wie vor unvorstellbar, wie man das schaffen kann.

    • Hallo Sebastian,
      vielen Dank! Einmal losgelaufen, kommt man schon irgendwann an 😉
      Viele Grüße
      Bert

  • Bert, nachträglich noch mal herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung – und ein toller, emotional geschriebener Bericht, danke!
    Das macht richtig Lust auf neue Abenteuer, die es dieses Jahr für mich nicht unbedingt im Laufsport gab oder gibt, aber das hole ich 2016 bestimmt wieder auf.
    Gute Besserung mit deinem Arm und bis hoffentlich bald (und das meine ich ernst!) wieder persönlich. Ab Mitte Oktober kehrt hier ein wenig mehr Ruhe ein und dann zeigen wir dir mal unser neues Revier!
    Liebe Grüße, Katrin

    • Hallo Katrin,
      lieben Dank! Oktober klingt super – bis dahin sollte mein Arm wieder funktionieren. Bin gespannt zu hören, wie es bei Euch so läuft.
      Liebe Grüße
      Bert

  • Bert, ein wirklich super toller Bericht. Morgen um 5:13 Uhr sitze ich hier mit Gänsehaut und bewundere Deinen Mut und Deine ehrlichen Worte im Bericht. Respekt vor dieser Leistung. Ich bin sehr auf Deine nächsten Schandtaten gespannt und wünsche Dir eine gute Genesung.

    Grüße
    Sebastian

    • Hallo Sebastian,
      vielen Dank für dein Feedback! Ich versuche immer, den Lauf so zu beschreiben, wie ich ihn erlebt habe. Und wenn es mal nicht so läuft, dann gehört das auch in den Bericht – Ultratrails machen halt nicht immer nur Spaß. Aber gerade dann lernt man sich und seinen Körper besser (oder neu) kennen. So ist es mir zumindest beim TDS 2015 ergangen.
      Viele Grüße
      Bert

  • Wow.
    Was für ein toller Bericht. Mir fehlen ein bisschen die Worte.
    Und seitdem ich weiß, was Ultra heißt, kann ich meinen Hut nicht tief genug ziehen.
    Herzlichen Glückwunsch noch einmal

    • Hallo Katrin,
      vielen Dank! Wir sehen uns nächstes Jahr an der Zugspitze wieder! Ich freue mich.
      Viele Grüße
      Bert

  • Hallo Bert,

    schöner Beitrag und klasse Leistung.
    Auf dem Video sieht der TDS gar nicht so wild aus (klar, dass das täuscht).
    Vielleicht sieht man sich mal bei einem Rennen oder bei einem Trainingslauf im Odenwald.

    Sportliche Grüße
    Der Tobi

    • Hi Tobi,
      vielen Dank! Auf dem Video habe ich nur die ganz ruhigen und harmlosen Momente festgehalten 😉
      Viele Grüße
      Bert

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