Wo liegen beim Trailroc 245 und Trailroc 255 die Unterschiede?

Der Trailroc 245 und der Trailroc 255 von inov-8 in einem Vergleichs-Test und dann auch noch durch eine Videorezension aufgewertet – und das nachdem man schon über den 150er und den Roclite 312 hier im Blog nachlesen konnte. Das riecht verdächtig nach gesponserten Beiträgen. Riecht aber nur so, denn alle rezensierten Produkte in diesem Blog habe ich selbst gekauft. Warum ich schon wieder Trailrunning-Schuhe von inov-8 gekauft habe, kann man in diesem Beitrag nachlesen.

Insgesamt fast 200 Kilometer für diesen Vergleichstest gelaufen

Jetzt aber zum Vergleichstest des Trailroc 245 mit dem größeren Bruders Trailroc 255. Der Tacho steht bei meinem Trailroc 255 bei gut 120 Kilometern, mit dem Trailroc 245 bin ich bislang 60 Kilometer gelaufen. (Wenn Ihr wissen wollt, wie sich der Trailroc 255 über 650 Kilometer geschlagen hat, findet Ihr ein Fazit am Ende des Beitrags.) Die Laufstrecken: 50% Waldwege, 49% Trails, 1% Asphalt. Der Untergrund: Hohe, nasse Wiesen, rutschiges Laub, Matsch, weiche Waldpfade, harte, mit Steinen gespickte Feldwege. Bis auf Schnee war fast alles dabei. Mit dem Trailroc 255 habe ich Distanzen von über 30 Kilometern zurückgelegt, der Trailroc 245 war meine Wahl für kurze, schnelle Läufe von bis zu 10 Kilometern und Intervalltraining.

Die Gemeinsamkeiten dieser Laufschuhe

Die Sohle, die bereits häufig gelobt wurde, ist wirklich ein zupackendes Grip-Monster. Sie gibt auf jedem Untergrund hervorragenden Halt. Ein-, zweimal bin ich weggerutscht, da hatte der Matsch im Zusammenspiel mit Laub aber auch eine besondere Konsistenz. Die Gummi-Mischungen der Sohle haben unterschiedliche Härtegrade: Im Fußgewölbe sitzt der härteste Teil der Sohle. Im Zehenbereich ist das Gummi am weichsten, um für mehr Grip und Halt beim Abstoß zu sorgen. Mittelfuß und Ferse liegen in der Mitte. Ob das wirklich was bringt? Ich glaube nicht, dass ich einen Unterschied merken würde, wenn die komplette Sohle aus einem Material gefertigt würde. Ein bisschen Marketing muss man eben auch in England machen, und optisch macht die Sohle so auch mehr her.

Die Mittelsohle ist im Vergleich zu den Roclite-Modellen recht steif, was mir persönlich mehr liegt, da sie Schutz vor spitzen Steinen bietet, auf die man im Wald zwangsläufig immer wieder tritt. Gemeinsam ist dem Trailroc 255 und dem Trailroc 245 zudem der breite Vorfußbereich, der den Zehen viel Platz gibt, um sich zu entfalten und zu spreizen. „Natural Fit“, nennt man das bei inov-8. Dieser Fit mag für viele Läufer sprichwörtlich „haltlos“ sein, wenn man es gewohnt ist, dass der Laufschuh die Füße fest umschließt.

Starke Unterschiede in zentralen Punkten

Soviel zu den Gemeinsamkeiten. Die Schuhe sind sich einerseits sehr ähnlich, unterscheiden sich aber in zentralen Punkten voneinander. Der Trailroc 245 hat eine Sprengung von 3 Millimetern, der Trailroc 255 hat 6 Millimeter Sprengung – damit ist dann bei der Trailroc-Serie Schluss, wer mehr Dämpfung haben will, muss zum Roclite oder Terrafly greifen. Diese 3 Millimeter machen beim Laufgefühl einen riesigen Unterschied – der 245er fühlt sich fast wie eine Socke an, das kommt schon dicht ans Barfußlauf-Gefühl heran. Selten bin ich so leichtfüßig und mit so viel Spaß unterwegs gewesen – allerdings auch noch nie mit einem so bockharten Schuh, der einem in punkto Dämpfung aber auch nichts abnimmt. Da müssen die Waden ran, die man nach den ersten Läufen deutlich spürt. Ein Trailschuh, der für lange Distanzen nur von wirklich trainierten Läufern getragen werden sollte. Mehr als 10 Kilometer traue ich mir aktuell nicht zu.

Trailroc 245: Das Modell mit 3 Millimeter Sprengung
Trailroc 245: Das Modell mit 3 Millimeter Sprengung
Weniger Schutz für's Trailrunning beim 245er
Weniger Schutz für’s Trailrunning beim 245er: Da muss man aufpassen, unterwegs nicht gegen Steine oder Äste zu stoßen

Den Trailroc 245 habe ich nur auf Strecken getragen, die ich bereits kannte. Denn um das Gewicht zu reduzieren, wurde auch der Schutz auf ein Minimum reduziert. Die Zehenkappe ist nicht der Rede Wert, also heißt es aufpassen und besser keine Äste oder Steine mitnehmen, die sich im Gras oder unter Laub verstecken.

Besser geschützt: der Trailroc 255

Anders der Trailroc 255, der sich einen Tick enger anfühlt, obwohl beide Modelle die gleiche Größe haben: Die Dämpfung ist auch hier knackig, taugt aber für lange Distanzen; selbst einen Ultra würde ich mit dem 255er in Angriff nehmen. Zumal das Mesh-Obermaterial im Zehenbereich sowie Innen und Außen verstärkt ist und ausreichend Schutz bietet – ausreichend, also keinen Rund-um-Sorglos-Schutz, denn das Material ist nicht hart wie zum Beispiel beim Salomon Sense Mantra, sondern weich. So leichtfüßig wie der 245er fühlt sich der Trailroc 255 nicht an, ist aber immer noch sehr leicht.

Trailroc 255: Das Modell mit 6 Millimeter Sprengung
Trailroc 255: Das Modell mit 6 Millimeter Sprengung und mehr Dämpfung auch für lange Läufe
Trailrunning-Schuhe mit breitem Vorfußbereich
Gut zu erkennen der breite Vorfußbereich der Trailroc-Modelle

Kritikpunkte an diesen Trailrunning-Schuhen

Mein erster Kritikpunkt ist nicht ganz unerheblich: Der Fersenhalt könnte bei beiden Modellen deutlich besser sein. Damit die Füße fest sitzen und auch bergauf nicht herausschlüpfen, bedarf es viel Feingefühl bei der Schnürung, denn zu fest sollen die Schuhe ja auch nicht sitzen. So ein bisschen Blutzufuhr zu den Füßen ist beim Laufen ja nicht ganz verkehrt. Man bekommt eine passende Schnürung hin, dennoch dürfte die Ferse für meinen Geschmack mehr Halt haben.

Ein wenig skeptisch bin ich, was die Haltbarkeit der Sohle vom Trailroc 255 und Trailroc 245 anbelangt. Da hatte ich bereits beim Sense Mantra so meine Kritik. Es ist klar, dass minimalistische Schuhe eine geringere Haltbarkeit haben als Dämpfungsmonster. Der Trailroc stand bislang in der Kritik, dass das Obermaterial rissig wird und bald wie ein löchriger Käse aussieht. Diesbezüglich habe ich bislang keinerlei Probleme – von oben sehen die Schuhe fast aus wie neu, nachdem der Gartenschlauch den Matsch der letzten Läufe weggespült hat. Aber die Sohle zeigt schon Abnutzungsspuren in der Landezone – nicht gravierend, aber doch mehr als ich mir gewünscht hätte. Vielleicht liegt dies auch daran, dass ich erst vor ein paar Monaten von Fersen- auf Mittelfußlauf umgestellt habe und meine Technik noch nicht ganz sauber ist. Schwer für mich zu beurteilen. Ich behalte es im Auge und werde über den Verschleiß an dieser Stelle berichten.

Fazit

Ich bin mit beiden Trailroc-Modellen sehr zufrieden, auch wenn ich mir mehr Fersenhalt wünsche. Für eine abschließende Beurteilung der Haltbarkeit ist es jetzt noch zu früh. Auf den ersten Blick mag es merkwürdig erscheinen, gleich zwei Trailrocs gleichzeitig im Einsatz zu haben, doch für mich macht dies absolut Sinn. Der Trailroc 245 und Trailroc 255 unterscheiden sich, wie beschrieben, in zentralen Punkten, die zu einem komplett anderen Laufgefühl und somit für viel Abwechslung im Training sorgen.

Update

Verletzungsbedingt sind bislang beim Trailroc 255 nur 150 weitere Kilometer dazugekommen. Kilometer, die mir viel Spaß gemacht haben. Die Haltbarkeit hat sich soweit als sehr gut herausgestellt. Es waren meine Einlagen, die nicht 100% optimal für meinen Mittelfußlauf waren und mich zu sehr auf die Außenkanten „gedrückt“ haben. Nach der Anpassung der Einlagen ist der Sohlenabrieb jetzt gleichmäßig und nur wenn man genau hinsieht zu erkennen. Auch das Obermaterial zeigt keine Ermüdungserscheinungen. An der Qualität gibt’s also nichts zu meckern.

Fazit nach 650 gelaufenen Kilometern

Der inov-8 Trailroc 255 hat sich bestens auch über diese lange Distanz geschlagen, und auch an den Fersenhalt habe ich mich gewöhnt – er stellt kein Problem mehr da. Aber da Bilder bekanntlich mehr sagen als Worte hier ein paar Fotos vom Trailroc 255 nach gut 650 gelaufenen Kilometern. (Ich habe ihn extra gründlich gewaschen, denn unter dem ganzen Dreck hätte man den Zustand nur schwer beurteilen können.)

Immer noch gut in Schuss: Der Trailroc 255 nach 650 Kilometern.
Immer noch gut in Schuss: Der Trailroc 255 nach 650 Kilometern.
Gute Haltbarkeit der Sohle
Auch die Sohle sieht noch gut aus. Der stärkere Abrieb an der Seite rührt von meinen Einlagen her, die ich mittlerweile nicht mehr trage.
Obermaterial sieht aus wie neu
Beeindruckend: Das Obermaterial sieht fast aus wie neu. Keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Geschrieben von: Bert

Trailroc 245 und Trailroc 255 von inov-8 im Langzeit-Test

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Tests
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2 Kommentare

  • Ich muss ja sagen, dass ich auch gerne mal so einen Trailroc an den Füßen hätte, vor allem der 255 reizt mich irgendwie. Aber die Kosten … ich sehe es irgendwie nicht ein mehr als 100 Euro für Trailschuhe auszugeben. Dafür sind sie einfach nicht langlebig genug (bin ein Knicksack).

    Irgendwann vielleicht mal ..

    • Hi Benni,
      bei inov-8 ist schwer, Schnäppchen zu machen. Dennoch: Für meine Trailroc 235 habe ich gerade mal 49 Euro in einem Online-Shop bezahlt. Man kann auch bei inov-8 sparen – immer mal wieder stöbern.
      Viele Grüße
      Bert

  • Gute Tests, danke! Ein Tipp: Ich empfehle, die Schuhe richtig zu schnüren (siehe link), das ist der Halt auch besser. Auf Deinen Fotos ist die Schnürung jedenfalls nicht so…

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