Wie gut ist der Dokumentarfilm zum The Western States 100 Ultralauf?

Unbreakable: The Western States 100 ist ein Dokumentarfilm von fast 2 Stunden Länge, bei dem der Filmemacher JB Benna die Ultraläufer Geoff Roes, Anton Krupicka, Kilian Jornet und Hal Koerner vor und während dieses Ultralaufs im Jahr 2010 begleitet. Interviews mit den Läufern, ihren Freunden und Familienangehörigen wechseln mit Passagen aus dem Rennen ab; Hintergrundgeschichten zu den Läufern an ihren Heimatorten bieten zudem tiefe Einblicke in die Lebensweise und das Privatleben dieser Ausnahmeläufer.

Auch der 1947 geborene Gordy Ainsleigh kommt in Unbreakable: The Western States 100 zu Wort, der im Jahr 1974 als erster Läufer diese Strecke absolvierte – zu einer Zeit, als das Western States 100 noch ein Pferderennen war: Das Pferd von Gordy Ainsleigh lahmte und so entschloss er sich, nicht nach einem Ersatz zu suchen, sondern zu laufen – er gilt seitdem als Begründer des modernen Ultra-Trailrunnings.

Abwechslungsreicher, nie langweiliger Dokumentarfilm

Durch den Wechsel von ruhigen Interview-Passagen und schnellen Kamerafahrten, bei denen die Kamera ganz dicht hinter den Läufern beim Training und im Rennen ist, ist Unbreakable: The Western States 100 sehr abwechslungsreich. Zum Teil ist das Filmmaterial roh und rau wie die Trails des Western States, wenn die Up- und Downhills der Läufer mit einer GoPro-Kamera eingefangen werden. Bewegend und vielleicht nur für Langstreckenläufer richtig nachvollziehbar sind die emotionalen und körperlichen Achterbahnfahrten, die Geoff, Anton, Kilian und Hal auf ihrer 100 Meilen-Reise durchleben und die einen dieser Läufer schließlich zur Aufgabe zwingen. Aber ist er deswegen gebrochen? Oder die anderen Läufer, die das Rennen nicht gewinnen?

Das Gefühl der eigenen Unbesiegbarkeit

Unbreakable: The Western States 100 begleitet die Läufer von Anfang bis zum Ende des Rennens. Aber der Film ist weit mehr als nur eine Dokumentation zu diesem Ultralauf. Er liefert uns einen intimen (aber nie peinlichen) Einblick in das Leben dieser Ultraläufer – wie sie denken, fühlen, ticken. Sie sind alle „unbreakable“ – ob nun Gewinner oder Verlierer. Ich denke, dieses Gefühl kennt jeder Läufer, der schon mal über sich hinausgewachsen ist – egal bei welcher Distanz. Das Gefühl der eigenen Unbesiegbarkeit, das Gefühl unkaputtbar zu sein, auch wenn man irgendwo im Mittelfeld die Ziellinie überquert hat. Unbreakable: The Western States 100 vermittelt einem dieses Gefühlt, was ihn zu einem inspirierenden Film macht, nachdem man gleich die Trailschuhe schnüren und über ein paar schöne schmale Pfade wetzen möchte.

Ein bisschen Kritik: Schlechte Tonqualität

Also pure Begeisterung, keine Kritik? Als leidenschaftlicher Läufer und Trailrunner ist es schwer, diesen Film nicht gut zu finden. Noch nie bin ich nicht nur so dicht an den Läufern dran gewesen, sondern auch an den Menschen, die diese unglaublichen Leistungen vollbringen und gleichzeitig so herrlich einfache und unaufgeregte (Alltags-)Leben führen. Wenn es etwas an Unbreakable: The Western States 100 zu kritisieren gibt, dann ist es die zum Teil miese Tonqualität, die es als Nicht-Muttersprachler schwer macht, das Englisch immer vollständig zu verstehen.

Ich bin übrigens froh, dass ich vorab nicht recherchiert hatte, wer die Western States 100 im Jahr 2010 gewonnen hat. Denn so konnte ich nicht nur eine Dokumentation über diesen faszinierenden Ultralauf sehen, sondern auch einen kleinen Krimi, denn der Kampf, den sich diese vier Läufer auf den 100 Meilen liefern, ist wirklich spannend, überraschend und – so viel sei verraten – zum Schluss sehr viel enger als man zu Beginn und in der Mitte vermutet hätte.

Unbreakable: The Western States 100
DVD-Cover des Films Unbreakable: The Western States 100 (c) Journeyfilm

Lust auf den Film bekommen? Auf der Website von Journeyfilm kann er zum Preis von 29,99$ heruntergeladen werden. Teuer? Von irgendetwas muss so eine kleine Produktfirma leben. Also bitte zahlen und nicht irgendwo kostenfrei downloaden: Journeyfilm

Geschrieben von: Bert

Unbreakable: The Western States 100. Filmreview

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Dies & Das
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