VulCanicross 2019

Der VulCanicross 2019 war mein bislang schönster und spannendster Canicross-Wettkampf

Mit einem mulmigen Gefühl schaue ich auf die Startliste für den Jagdstart beim VulCanicross 2019, dem größten Canicross-Rennen in Deutschland. Rocco und ich sollen morgen als 13. auf die knapp vier Kilometer lange Strecke. Die Abstände zu den Teams, die vor und nach uns starten, sind so knapp, dass wir quasi zeitgleich bzw. im Abstand von wenigen Sekunden die Boxen verlassen werden. Eigentlich hat Rocco keine Probleme beim Überholen. Eigentlich. Denn sein Kastrationschip, der bis Juli hätte wirken sollen, hat recht plötzlich seine Wirkung verloren. Beim Schwabentrail hat er sich auch von einem schnappenden Malamute nicht aus der Ruhe bringen lassen. Beim Lauf heute morgen ist er aber viel zu dicht an Schoko von Dominik rangelaufen – nicht böse, nicht schnappend, trotzdem ein No-Go. Und auch sonst ist Rocco ziemlich durch den Wind. Den ganzen Vormittag wollte er keinen Tropfen trinken, und nach zwei Kilometern war beim Rennen die Luft raus, obwohl er sonst locker auch bis zu zehn Kilometer durchzieht. Ich kann ihn gerade nicht einschätzen.

Jagdstart beim VulCanicross 2019

Eine lange Wäscheleine spannt sich durch den Wald und führt zu den Startboxen für den Jagdstart beim VulCanicross 2019. Im Abstand von zwei Metern hängen durchnummerierte Klammern. Jedes Team sortiert sich an seinen Startplatz ein. Rocco dreht auf – wie immer, wenn der Start kurz bevorsteht. Er springt an mir hoch, zerkratzt meinen linken Arm, reißt mir die Startnummer von der Brust. Noch gut fünf Minuten. Wir erhalten einen Zettel mit unserer Startzeit und der Nummer unserer Startbox. Ich versuche Rocco festzuhalten, während ich die Startnummer wieder befestige. Ich finde nur noch zwei Sicherheitsnadeln auf dem Waldboden. Wird schon reichen.

„5, 4, 3, 2, 1…“

Es geht los. Die Teams betreten die Boxen, wir starten aus Box E. Rocco zerrt jetzt wie ein Irrer, läuft schon ein Rennen, bevor der Startschuss gefallen ist. Eine Helferin zählt runter: „5, 4, 3, 2, 1…“ Ich lasse die Jöringleine los, und Rocco prescht nach vorne. Vor mir biegt Naomi links in den Singletrail ein, ich höre Alexander hinter mir, bremse leicht ab und lasse ihn passieren. Ich will mit Rocco auf dem schmalen und technisch nicht einfachen Trail kein Risiko eingehen. Kurz darauf brettern noch Dennis und Gerardus an mir vorbei. Wir folgen den Teams, bleiben auf Schlagdistanz. Meine Beine sind schwer von gestern und vom Tempolauf am Donnerstag. Aus dem Training für den Zugspitz Ultratrail heraus den VulCanicross zu laufen war nicht die beste Idee.

VulCanicross 2019: Downhill über Wurzeltrails

Dem Ziel entgegen

Der Trail wird breiter. Ich merke, wie Rocco schwächer wird. Es ist warm, und auch heute hat er vor dem Rennen nichts trinken wollen, egal, ob mit oder ohne Fleischeinlage. Seine Zunge wischt fast über den Waldboden. Aber den anderen Teams geht es nicht anders. Nur Naomi läuft ein perfektes Rennen und sammelt ein Team nach dem anderen ein, und auch Gerardus ist uneinholbar weit weg. Aber Alexander und Dennis – die könnten wir noch einholen. Ich versuche mich leicht für Rocco zu machen. Ich feuere ihn nicht an, will nicht, dass er überhitzt. Aber die Nähe der anderen Teams motiviert ihn auch ohne mein Zutun. Alexanders Labrador-Mix macht eine kurze Trinkpause, wir ziehen vorbei, und am letzten Anstieg überholen wir noch Dennis. Rocco läuft sauber vorbei, bedrängt die anderen Hunde nicht. Meine Lunge schreit. Verdammte Sprintdistanz. Warum tue ich mir das eigentlich an? Es geht noch einmal nach rechts, dann sehe ich meine Kinder, die uns anfeuern, und nach 13:41min überqueren wir die Ziellinie vom VulCanicross 2019, eine Sekunde langsamer als am Vortag.

Fazit zum VulCanicross 2019

Der VulCanicross 2019 war mein bislang schönster Canicross-Wettkampf, perfekt und herzlich organisiert, mit einem atemberaubenden Jagdstart und einer spannenden Staffel, die ich entspannt als Zuschauer verfolgen konnte. Ich bin stolz zum ausrichtenden Verein, den SCV-Hessenhounds, zu gehören, auch wenn ich selbst nur wenig als Starthelfer bei den Bikes zu der Veranstaltung beitragen konnte. Wirklich besonders hat der VulCanicross gemacht, dass meine Kinder mit dabei waren, die Rocco und mich super angefeuert haben.

Einen lieben Dank an unser Team von Simply Outside für die Unterstützung und an Naomi, Alexander, Dennis und Gerardus für das super faire Miteinander am Start und auf dem Trail und an Dominik, der entspannt auf Roccos Annäherungsversuch an Schoko reagiert hat.

War sonst noch was? Ach ja: Rocco und ich haben in unserer Altersklasse (ältere Herrschaften) den ersten Platz (neunter Platz bei den Männern gesamt) gemacht. Ein schöner Abschluss der Canicross-Saison. Jetzt steht der Zugspitz Ultratrail auf dem Programm (ohne Hund), dann geht es zur Trophée des Montagnes und vielleicht, wenn wir mitdürfen, zur Europa-Meisterschaft nach Belgien. Es bleibt spannend in 2019.

Fotos von www.rklfoto.de.

VulCanicross 2019: Roccos und mein Tanz auf dem Vulkan

Bert

Seit August 2011 laufe ich durch den schönen Odenwald im Süden Hessens. Am liebsten bin ich auf Trails unterwegs, die gerne über 30 Kilometer lang sein dürfen. Mittlerweile bin ich neun Ultratrails gelaufen – von 60 bis 170 Kilometern, von 2.500 bis 10.000 Höhenmetern. Zuletzt den Cape Wrath Ultra, der mich in acht Etappen von Fort William bis nach Cape Wrath geführt hat.

Kategorie: Hunde
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